Speisezettel Bundeswehr von 1977

  • Da es hier auch um Armeeverpflegung geht, scheint mir dieses Thema hier richtig.

    In alten Unterlagen gefunden:

    Ein Speiseplan der Generaloberst-Beck-Kaserne in Sonthofen (Schule für Feldjäger und Stabsdienst) vom Herbst 1977. Damals habe ich dort den Lehrgang „Englisch für Feldjäger“ absolviert.


      

    Vor fast 50 Jahren war das verpflegungsmäßig noch eine andere Welt, man muss allerdings bedenken, dass damals als Fast Food-Anbieter allenfalls Wienerwald vertreten war, aber noch kaum McDonalds. Und irgendwelche"Lieferdienste" kannte erst recht niemand:

    - Nichts mit vegetarisch oder gar vegan.

    - Nichts mit drei Gerichten zur Auswahl oder gar Komponentenverpflegung.

    - Salat taucht nur ganz selten auf (Gurkensalat am Samstag)

    - Die „Sülze i. Ds“ am Donnerstag-Abend stammte garantiert aus den EPa. In diesen Packungen gab es damals Sülze als Brotbelag.

    - Dosenbrot am Dienstag- und Donnerstag-Abend: das dürften die runden Schwarzbrotscheiben aus den 500 gr. Büchsen gewesen sein.

    - Ob das Rinderherz am Samstag viel Zuspruch fand, wage ich zu bezweifeln. Obwohl Rinderherz ein hervorragendes Fleisch ist, das man vorzüglich zubereiten kann.

    - Jedem Soldaten standen 7 Stück Würfelzucker zu.

    - Bevorzugte „Sättigungsbeilage“ waren Kartoffeln, häufig als Salz- oder Röstkartoffeln und das mit 600 Gramm reichlich bemessen. Insofern ist dieser Speiseplan etwas untypisch für die Sonthofener Kasernen bzw. die Allgäuer Kasernen im Allgemeinen. Die Standorte im Schwabenland hatten relativ häufig Nudeln im Programm, in Sonthofen oft als Käsespätzle oder Krautspatzen. Auch der Freitag als Fastentag wurde damals in Bayern bei den Speiseplänen der Kasernen durchaus noch beachtet, es gab dann meistens Fisch oder irgendwelche Mehlspeisen.

    Da aber an den Schulen viele Lehrgangsteilnehmer aus außerbayerischen Gefilden waren, bei denen Gerichte wie Kässpatzen oder Dampfnudeln regelmäßig zu Revolten führten, hatte man sich den „preußischen“ Ernährungsgewohnheiten angepasst.

    Dafür hatte die GOB-Kaserne wohl den bombastischsten Speisesaal aller Bundeswehrkasernen (siehe beigefügte Fotos – geben leider nur einen unvollkommenen Eindruck der Architektur wieder). Über 100 m lang, riesenhoch mit Kronleuchtern als Beleuchtung, Glasfront zum Gebirge hin, im Stil wie die Dekoration einer Wagneroper oder der Thronsaal von Schloss Neuschwanstein. Die Kaserne konnte ihre Vergangenheit als NS-Schulungsburg nie verleugnen.

          

  • McDonald‘s hat in 1976 die erste Filiale in Deutschland eröffnet, daher ist das nicht verwunderlich, dass Burger nicht präsent sind.

    Gruß vom Buffet

    24-volt

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  • Hallo Michel,

    stimmt, war ab 1971 in München. In Hamburg allerdings erst 1976.

    Gruß aus Hamburg

    24-volt

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  • ich kann mich entsinnen dass ich das erste Mal in so nem Laden war auf der Rückreise mit dem Zug von der Grundausbildung muss im Oktober 83 gewesen sein (ich komm vom Dorf)

    boah, nen Burger für 1,- DM :leck:

    rein da und einen geholt.

    Gegessen :urg:

    und erst mal geheilt gewesen. :lach:

    Gruß
    der
    Benzschrauber


    Quod licet Jovi, non licet bovi

  • Spanned, so etwas aus meinem Geburtsmonat zu lesen, danke dafür.

    Sogar mir als bekennendem Omnivoren wäre der Speiseplan etwas zu

    fleischlastig, bzw generell zu unausgewogen, aber der Oberklopfer ist

    ja das Sunkist-Zuckerwasser. Bäh.

    Aber gut... eine andere Zeit, fast schon eine andere Welt.

    Erst wenn der letzte Industriearbeiter und der letzte Kumpel seine Arbeit verloren hat, wenn der letzte
    Handwerker und der letzte Landwirt zu Tode reguliert wurde, erst dann werdet ihr feststellen, daß
    Sozialarbeiter, Klimaaktivisten, Genderforscher und Politiker nichts lebensnotwendiges herstellen!
    ***********
    Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande (Augustinus von Hippo)

  • Sogar mir als bekennendem Omnivoren wäre der Speiseplan etwas zu

    fleischlastig, bzw generell zu unausgewogen,

    Auf Seite 2 des Speisezettels hat rechts unten auch der zuständige Truppenarzt unterschrieben. Damit hat er bestätigt, das dieser Speiseplan den damals gültigen ernährungsphysiologischen Vorgaben für die Verpflegung der Bundeswehr entsprach.

    Im "Taschenbuch für den Sanitäts- und Gesundheitsdienst der Bundeswehr, Ausgabe 1972" gibt es ein eigenes Kapitel "Grundsatzforderungen an die Verpflegungsqualität", das sich seitenlang über Nährwerte, Vitamine usw. auslässt. Dort findet sich auf S. 257 die Aussage: "Bei der Bundeswehr befinden sich friedensmäßig rund 75 % der Soldaten im Grundwehrdienst, der - vor allem während der militärischen Grundausbildung und beim Gefechtsdienst auf Truppenübungsplätzen - durch starke körperliche Tätigkeit gekennzeichnet ist. Außerdem handelt es sich überwiegend um junge Männer von rund 20 Jahren mit besonders hohem Energieverbrauch. Der hier vorliegende Nahrungsbedarf wird durch eine Tageskost gedeckt, die den in Tabelle 1 angegebenen sechs Daten entspricht."

    In Tabelle 1 findet sich dann:

    - Kalorien 4.000

    - Fett 135 Gramm (32 % der Gesamtkalorienzufuhr)

    - Eiweiß (tierisch) 60 Gramm

    - Vitamin A 5.000 IE

    - Vitamin B1 2,5 mg

    - Vitamin C 75 mg

    Wenn ich mich recht entsinne, hatten die in einer Einmannpackung enthaltenen Verpflegungsmittel auch einen Kalorienwert von etwa 4000 kcal.

  • Interessant zu sehen - es gab jeden Tag zum Frühstück Butter und zum Abendessen Margarine, außer am Sonntag da gab es auch Butter zum Abendessen.

    Relativ wenig Frischkost, Verwendung von Gemüse- und Obstkonserven für die Hauptmahlzeit, sowie Dauer- und Dosenwurst beim Frühstück und Abendessen.

    Detlev

    2. BeobBtl 23 - Stadtallendorf

  • Wahrscheinlich rührt daher auch die allgemeine Abneigung gegen das Kantinenessen,

    obwohl ich mich erinnern kann dass das Essen in den Kantinen in denen ich war so schlecht jetzt nicht gewesen ist.

    Gruß
    der
    Benzschrauber


    Quod licet Jovi, non licet bovi

  • Wahrscheinlich rührt daher auch die allgemeine Abneigung gegen das Kantinenessen,

    obwohl ich mich erinnern kann dass das Essen in den Kantinen in denen ich war so schlecht jetzt nicht gewesen ist.

    Bei der "Güte" des Essens kam es auch auf die Belegung der Kaserne an. Bei einer Schule wie in Sonthofen war es erfahrungsgemäß so, dass von 500 gemeldeten Verpflegungsteilnehmern z.B. beim Frühstück 450, beim Mittagessen wirklich annähernd alle 500 und beim Abendessen auch etwa 450 erschienen. D.h. die Küche musste wirklich bei jeder Teilmahlzeit 500 Portionen ansetzen. Der Grund war, dass die Lehrgangsteilsnehmer Morgens und Abends in der Kaserne waren, da sie nicht nach Hause fahren konnten.

    Bei einer "normalen" Kaserne mit z.B. einem oder zwei Kampftruppenbataillonen war es dagegen so, dass auch ein Großteil der als Verpflegungsteilnehmer gemeldeten kasernenpflichtigen Soldaten freien Nachtausgang hatten, daher nach Dienstschluss nach Hause fuhren - also nicht an der Abendverpflegung teilnahmen. Am nächsten Morgen nahmen diese Soldaten in vielen Fällen auch nicht am Frühstück teil, weil sie das zu Hause taten.

    Aus diesen Erfahrungswerten konnte ein erfahrener Verpflegungsgruppenführer / Küchenleiter dann eben sagen:

    - ich habe Geld für 500 x Vollverpflegung.

    - Erfahrungsgemäß kommen zum Frühstück 250, Mittags 450 und Abends nur 200.

    - Also gibt es "Ersparnisse", wenn zum Frühstück nur für 300 und Abends nur für 250 Verpflegungsteilnehmer kalkuliert wird. Die dabei ersparten Gelder können dann in eine bessere Verpflegung investiert werden.

    Damals gab es auch noch weitere kreative Möglichkeiten mit den Verpflegungssätzen auszukommen.
    Bis in die 1900er Jahre hinein war es durchaus üblich, auch Reste zu verwerten. Wenn z.B. beim Mittagessen Nudeln übriggeblieben waren, wurden diese in einem Nudelsalat verwertet, Bratenreste gab es als Aufschnitt usw.

    Auch war es damals noch erlaubt, die Essensreste, die nicht verwertet werden konnten, an Schweinezüchter als Futter zu verkaufen. Da rückte dann eben der Bauer aus der Nachbarschaft mit dem Traktor an und holte die Fässer mit Resten ab. Diese Einnahmen kamen wieder den Verpflegungssätzen der Küche zugute.

    Dank europäischer Union und zahlreicher schwachsinniger EU-Regelungen sind diese Praktiken heute leider weitgehend verboten.


  • Ja, dem stimme ich zu (vielleicht bis auf den letzten Satz)

    bei der Grundausbildung war Donnerstag Feiertag und Freitag so gut wie kein Soldat anwesend,

    da gab es super ausgefallenes Essen und das Küchenpersonal erzählte begeistert dass sie nun genügend Geld hätten mal so richtig was zuzubereiten.

    Die hatten richtig Spaß daran und freuten sich über positive Rückmeldungen.

    Gruß
    der
    Benzschrauber


    Quod licet Jovi, non licet bovi

  • Ich habe mit dem Kantinenessen beim BGS auch nur gute Erfahrungen gemacht, würde mich aber auch nicht als verwöhnt bezeichnen.

    Beim BGS See in Neustadt/H. haben wir immer bei der Marine gegessen. Das war wirklich top :daumenhoch:

    Nur die Aussenbordskameraden habe ich nie angerührt (Fischtag).

    Als verwöhnter Küstenbewohner habe ich nur fangfrischen Fisch zu mir genommen. Da war ich dann doch verwöhnt =)

    Gruß aus einer schönen Zeit - Kai

    :BGS-F: BUNDESGRENZSCHUTZ - GSK (GrenzSchutzKommando) Küste - BGS See - KüEH (KüstenEinsatzHundertschaft) :BGS-S:

    :BGS-B:

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