Armee und Kirche: Bilder von Mil-Fzg der Geistlichkeiten

  • "Unterwegs im Namen des Herrn..."

    Ich suche Fotos von Fahrzeugen der Pfarrer, Dekane,... und/oder Details solcher Fahrzeuge; gerne auch einfache Infos oder interessante Stories.

    Viel öffentliches Bildmaterial lässt sicht (von mir) nicht finden. Aber in Euren Archiven schlummern die Bilder bestimmt...

    Bin gespannt und freue mich

    Danke Euch

    :barett-ko:

    :ilseo:     :barett-ko:

  • Ein Audi 100 als Dienstfahrzeug für einen „gewöhnlichen“ Standortpfarrer / Militärgeistlichen wäre ungewöhnlich. Der normale Geistliche war in der Ebene Bataillonskommandeur eingestuft (Besoldungsgruppe A 14), dieser Führungsebene standen mittlere PKW zu. Der Audi 100 lief dagegen in der Kategorie mittel-SCHWERE Pkw, Autos dieser Klasse gab es für Brigade- oder Divisionskommandeure und vergleichbar.
    Alle mittlere Pkw liefen vor allem VW-Passat und Opel Rekord. In den 1970- und 1980er Jahren hatten die Pfarrer meistens VW-Passat und zwar die zweitürige Limousinenversion.
    Der Audi 100 bei der Militärseelsorge kann eigentlich nur bei den Militärbischöfen verwendet worden sein, allenfalls noch bei den Militärdekanen.

    Ich habe nur zwei Bilder zu diesem Thema.
    Einmal der Käfer anno 1963 als Fahrzeug eines Militärgeistlichen, noch mit behelfsmäßiger Kennzeichnung unten rechts an der Windschutzscheibe. Der Pfarrer mit einer etwas eigenwilligen Trageweise der „Filzlaus“ ohne Koppel und mit der Hose in den Stiefeln.



    Und dann der angesprochene zweitürige Passat, hier das Kennzeichen als Aufkleber oben rechts an der Frontscheibe.
    Die Form dieser Kennzeichen ist je nach Glaubensrichtung (evangelisch - katholisch - jüdisch) unterschiedlich. Seit 2020 gibt es auch ca. 10 Militärrabbiner bei der Bundeswehr. Militärimame sind zwar seit 2019 geplant, aber hier scheint man nicht so recht vorwärts zu kommen.



    Für den Verteidigungsfall hätte es einen Baustein „Pfarrer“ in der StAN bestimmter Stäbe / Dienststellen gegeben, z.B. bei den Brigade- und Divisionsstabskompanien. Ich füge den StAN-Auszug für die Stabskompanie der Gebirgsjägerbrigade bei – Stand 1980 (Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv, BWD 4/753).

     

    Vorgesehen waren je ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer, dazu zwei Feldwebel als Pfarrhelfer und Kraftfahrer B.
    In einer Bundeswehr-Division standen demnach im Krieg acht Pfarrer zur Verfügung. Die US-Army hatte dagegen bei fast jedem Kampftruppenbataillon, bei den meisten Kampfunterstützungsbataillonen, den Brigade- und Divisionsstäben sowie beim Support-Command mindestens einen Militärgeistlichen (Chaplain). Das waren je nach Divisionstyp bis zu 50 Militärpfarrer!

    Als Fahrzeuge hätte es zwei PKW 0,4 t gegeben, ausgestattet mit dem „Einbausatz Militärseelsorge“. Die entsprechenden Halterungen wären auf den umgeklappten Rücksitzlehnen befestigt worden, hier wäre das in der StAN aufgezählte Material befestigt worden. Zu dem dort erwähnten Satz „Feldkultgerät“ gehörten z.B.
    - Kreuze, Kelche und sonstige Ausstattung für den Altar
    - Meßgewänder
    - eine Kiste mit Gesangbüchern
    - ein Koffer mit sonstigen Schriftmaterial (Bibeln etc.)
    In einem 2022 erschienenen Buch zum 0,4 t gibt es eine Beschreibung dieses Einbausatzes Militärseelsorge mit Skizze (Austermann, Reiner: VW 181 - Der Kurier der Bundeswehr, Lemgo 2022, S. 92/93).

    Bemerkenswert ist auch, dass für die beiden Pfarrhelfer Bewaffnung (je eine Pistole P 1) vorgesehen war.

  • Super Text :thumbsup-blue:

    Kennzeichnung per Aufkleber, wie am Passat, habe ich mal wahrgenommen. Aber hatten die Fahrzeuge auch ein spezielles taktisches Zeichen? Rechteck mit Kreuz drinne? Oder was Übergeordnetes vom Verband?

    "Heilige" Standarten am Kotflügel habe ich auch (glaube ich zumindest) mal irgendwo gesehen.

    :ilseo:     :barett-ko:

  • Hallo, die Rechnung 8 Pfarrer pro Division verstehe ich noch nicht.
    Div mi 3 Brig a 5 Btl plus die selbstständigen Btl a kath./evang. - da werden 8 nicht reichen.

    Viele Grüße Marcus

  • Taktische Zeichen für Militärseelsorge gab es meines Wissens nach nicht, also waren zumindest im Frieden auf den Fahrzeugen keine speziellen taktischen Zeichen.

    Die oben erwähnten 0,4 t des "Pfarrer"- Trupps bei den Stabskompanien hätten das ganz normale taktische Zeichen der Stabskompanie getragen.

    Mag auch daran liegen, dass die Militärpfarrer zivilen Status hatten und in keinem militärischen Vorgesetzten- oder Untergebenenverhältnis standen (ZDv 66/1 Militärseelsorge, Nr. 15. Die ZDv stammt von 1956 und ist nie geändert worden).

  • Hallo, die Rechnung 8 Pfarrer pro Division verstehe ich noch nicht.
    Div mi 3 Brig a 5 Btl plus die selbstständigen Btl a kath./evang. - da werden 8 nicht reichen.

    Viele Grüße Marcus

    Die normale Division der Bundeswehr hatte
    - Divisionstabskompanie mit 2 Pfarrern
    - drei Brigadestabskompanien mit je 2 Pfarrern, macht 3 x 2 = 6
    - Ergibt zusammen 8 Pfarrer.
    Die Bataillone oder Regimenter hatten bei der Bundeswehr KEINE Militärpfarrer, das gab es nur bei den Amis.

    Kleine Abweichungen gab es natürlich bei den beiden deutschen Divisionen, bei denen immer alles anders war, nämlich bei der 6. PzGrenDiv in Schleswig-Holstein und bei der 1. (8.) Gebirgsdivision in Bayern. Diese beiden Divisionen hatten bereits im Frieden vier Brigaden, da ihnen aufgrund ihres besonderen GDP-Auftrags ab etwa 1983 jeweils eine Heimatschutzbrigade unterstellt war: die HSchBrig 51 bei der 6. PzGrenDiv und die HSchBrig 56 bei der 1. Gebirgsdivision. Diese beiden Division hätten also -10- Pfarrer gehabt.

  • Wenn es sogar heute noch rund 100 evangelische Standortpfarrer gibt?

    Du bringst da etwas durcheinander.

    Die auf dieser Seite dargestellten Standortpfarrer haben nichts mit den in der StAN ausgeworfenen Pfarrern zu tun. Das ist die Planung für den Kriegsfall.

    Im Frieden ist für jeweils 1500 Angehörige eines christlichen Bekenntnisses in den Streitkräften ein Geistlicher vorgesehen, siehe Nr. 12 der oben eingestellten Seite aus der ZDv 66/1.

  • Mag auch daran liegen, dass die Militärpfarrer zivilen Status hatten und in keinem militärischen Vorgesetzten- oder Untergebenenverhältnis standen (ZDv 66/1 Militärseelsorge, Nr. 15. Die ZDv stammt von 1956 und ist nie geändert worden).

    Und um "Hürden" abzubauen oder näher am Kamerad zu sein, dürfen sie durchaus Oliv bzw. Tarn tragen mit entsprechender Schulterklappe mit Kreuz.

    :ilseo:     :barett-ko:

  • Als Fahrzeuge hätte es zwei PKW 0,4 t gegeben, ausgestattet mit dem „Einbausatz Militärseelsorge“. Die entsprechenden Halterungen wären auf den umgeklappten Rücksitzlehnen befestigt worden, hier wäre das in der StAN aufgezählte Material befestigt worden. Zu dem dort erwähnten Satz „Feldkultgerät“ gehörten z.B.
    - Kreuze, Kelche und sonstige Ausstattung für den Altar
    - Meßgewänder
    - eine Kiste mit Gesangbüchern
    - ein Koffer mit sonstigen Schriftmaterial (Bibeln etc.)
    In einem 2022 erschienenen Buch zum 0,4 t gibt es eine Beschreibung dieses Einbausatzes Militärseelsorge mit Skizze (Austermann, Reiner: VW 181 - Der Kurier der Bundeswehr, Lemgo 2022, S. 92/93).

    Das zeigt mir, dass das Thema nicht trivial war oder ist. Ich kann es mir richtig vorstellen, wie mit dem Kübel zum Feldgottesdienst verlegt wird und dann entsprechend dem Rüstsatz Andacht gehalten wird.

    :ilseo:     :barett-ko:

  • Als es mit den Auslandseinsätzen los ging, so haben es einige Militärgeistliche im persönlichen Gespräch geäußert, haben die Gottesdienste im Einsatzland wieder deutlich an Zulauf gewonnen.

    Ich habe solche und solche erlebt, in positiver Erinnerung geblieben sind mir der kath. Pfarrer Koch aus Speyer und der ev. Standortpfarrer Bomarius aus Zweibrücken.

    In Speyer war bei den Katholiken 1993 ein Passat wie oben abgebildet im Einsatz, die (weniger populäre) ev. Kollegin hatte einen recht neuen Vectra mit Stufenheck.

    Die Vectras waren bis mindestens zur Jahrtausendwende im Umlauf. Dann kam allmählich der Bw-Fuhrparkservice.

  • Schade daß es mit den "Kamera" Handys 1996/1997 noch nicht so weit war.... Da hätte Ich sonst auch was beisteuern können.

    Grüße Markus


    Meine Pünktlichkeit drückt aus, daß mir deine Zeit so wertvoll ist wie meine eigene...

  • Da eingangs auch nach Stories zum Thema Militärseelsorge gefragt wurde, biete ich einige Geschichten an.

    Als Feldjäger hatte man mit dem Militärpfarrer auch außerhalb von Gottesdiensten ab und zu tun. Wenn wir z.B. bei Nachforschungen nach eigenmächtig abwesenden Soldaten feststellten, dass der betreffende Soldat nicht wegen genereller Unwilligkeit, sondern wegen echter persönlicher oder familiärer Problemen vom Dienst fernblieb, war es manchmal sinnvoll, den Geistlichen als eine Art Sozialarbeiter zu beteiligen. Es gab zwar den Sozialdienst der Standortverwaltungen, aber die fühlten sich oft für Wehrpflichtige eher nicht zuständig und waren oft etwas unbeholfen. Wenn dagegen der von uns ins Boot geholte Standortpfarrer beim Kompaniechef oder beim Bataillonskommandeur wegen eines Problemfalls vorsprach, konnte das manchmal durchaus helfen und weitere Fälle der eigenmächtigen Abwesenheit verhindern.

    1982 bis 1986 war ich als Leutnant / Oberleutnant S 2-Offizier beim Feldjägerbataillon 760 in München. Hier hatten wir zwei nichtaktive Gerätebataillone (761 und 762) unterstellt. Bei einem davon war ein Oberstleutnant der Reserve als Bataillonskommandeur eingeplant, der sich mit Mitte Dreißig auf einmal spät berufen fühlte und anfing, katholische Theologie zu studieren. Im Mai 1985 nahm er noch drei Wochen am Übungsplatzaufenthalt des Bataillons in Grafenwöhr teil. Im August 1985 hatte er dann seine feierliche Primiz, die erste von ihm eigenständig zelebrierte Messe, in einem kleinen Ort im tiefsten bayerischen Wald. Er wurde dann von der Eskortegruppe unseres Bataillons in der größtmöglichen Aufstellung mit 8 BMW-Krädern und dem Opel Rekord als Fahrzeug des Eskorteoffiziers zur Kirche der Gemeinde gebracht. Er ging dann als Missionar nach Südamerika in irgendein Dschungelgebiet und war dann natürlich nicht mehr als Bataillonskommandeur der Reserve verfügbar.

    1987 hatte es mich als Zugführer und Einsatzoffizier zum Feldjägerdienstkommando Veitshöchheim zur 6./FJgBtl 760 verschlagen. In Veitshöchheim, Bamberg und Rothenburg o.d.T. fand im Sommer 1987 eine internationale Militärbischofskonferenz statt, die unter der Schirmherrschaft des Bamberger Erzbischofs Kredel stand. Dieser war damals auch katholischer Militärbischof der Bundeswehr.
    Da es im Vorfeld bereits Erkenntnisse von MAD und Polizei-Staatsschutz zu möglichen Störungen gab, musste die gesamte Veranstaltung von Feldjägern abgesichert werden. Zum Programm gehörten auch Besichtigungstouren in Würzburg, Bamberg und Rothenburg, natürlich immer mit Besuchen in den dortigen Kirchen, z.B. dem Würzburger und Bamberger Dom. Hier ergab sich eine nicht vorhersehbare Schwierigkeit. Die Militärgeistlichkeit sah ein theologisches Problem darin, wenn sie auch in den Kirchen von bewaffneten Militärpolizisten begleitet wurden oder wenn es an diesen Kirchen eine Einlaßkontrolle gegeben hätte – obwohl natürlich gerade die frei zugänglichen Kirchen der optimale Platz für Störer gewesen wären. Wir einigten uns nach längeren Diskussionen dann darauf, dass in den Kirchen nur Feldjäger in Zivil, allerdings bewaffnet, eingesetzt wurden und außerhalb eine uniformierte Eingreifreserve bereit gehalten wurde.

    Wenn weiter Interesse besteht, kann ich noch einiges zu Erlebnissen mit der Militärseelsorge nach 1990 in den neuen Bundesländern beisteuern.

  • Ich kann hier mal zwei Fotos aus meinem KFOR-Einsatz beisteuern.

    Die beiden Wölfe standen dem ESAK und KSAK zur Verfügung. Den Spruch am Heckfenster fand ich sensationell. :D


    Aus meiner Zeit in WHV ist mir bekannt, dass dem dortigen ev. MilPf sein Passat dauerhaft zur Verfügung stand und zwar in seinem Carport.
    Auf einer meiner Seereisen war er fast die ganzen 4 Monate mit an Bord. Er hat sich super eingefügt und seinen "Job" grandios absolviert. Er war auch menschlich ein Gewinn für die Bordgemeinschaft.

    Dieser spezielle Bordeinsatz war sehr außergewöhnlich und die Anwesenheit von Militärpfarrern an Bord (für 3 Tagen hatten wir deren 3 an Bord!) hing eng mit dem besonderen Auftrag der Fregatte zusammen.
    Ich hatte da auch die Möglichkeit zu sehen, wie unterschiedlich die einzelnen Personen ihren Auftrag sehen und durchführen. Aber das Ganze ist ein Thema für sich...

    Als ich Chef war, hatte ich oft Kontakt mit dem kath. MilPf, wenn es um Problemlösungen privater Art bei Soldaten ging. dieser spezielle MilPf war außerordentlich engagiert.

    Er kam dann auch öfter ins SanZentrum, dem ich vorstand. Einmal wurde er mir von der Anmeldung telefonisch angekündigt mit den Worten "der Militärkraftfahrer X ist hier und möchte Sie sprechen" :D
    Offenbar konnte der Soldat mit dem Begriff Militärpfarrer nicht so viel anfangen.

    Beide genannten MilPf, die ich für herausragende "Exemplare" ihrer Zunft halte, sind übrigens sehr verdient in der Hierarchie der Militärseelsorge weiter aufgestiegen und mindestens Dekane geworden.

    Die oben schon erwähnte ZDv 66/1 vom August 1956 umfasst übrigens üppige 12 beschriftete Seiten. Mir fiel bei der Sichtung unseres Vorschriftenbestandes im Jahr 2007 so ein Original in die Finger und habe die Gelegenheit genutzt, es zu scannen. Es hat offenbar bis dahin nur eine Änderung gegeben, die mit einem eingeklebten Blatt in Schreibmaschinenschrift eingepflegt wurde.

    Grüße von der Küste! Til :krad::renault:

    Suche ständig Daten über BGS-Fahrzeuge für die Bestandslisten.
    Besonders Hercules K125 und BMW-Boxer!

    :BGS-F:

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