Kennt jemand "Kristen-Generatoren" (Holzvergaser) aus 2. WK ?

  • Hallo allerseits,

    ich wurschtle mich derzeit durch deutsche Dokumente von 1944/45 über Holz- & Torfgeneratoren für Fahrzeuge im Militäreinsatz.

    Dabei tauchen natürlich bekannte Namen auf wie Firma Imbert usw.

    Doch in ein paar Dokumenten der SS wird ein "Kristen-Generator" erwähnt.

    Da die SS ja ständig mit der Wehrmacht konkurrierte und meistens die Reste abbekam, vermute ich mal, dass die sich vielleicht einen eigenen Hersteller mit einem eigenen Modell gesucht und dieses erprobt haben. Himmler drängte zwar bereits im August 1944 sehr stark auf eine Fertigung, aber ob diese jemals anlief, ist nicht belegbar.


    Sagt vielleicht irgendjemandem von euch der Name Kristen irgendwas in diesem Zusammenhang?

    Ob das eine Firma war/ist oder vielleicht ein Erfinder oder Konstrukteur? Google spuckt nichts aus, KI auch nicht und weitere Unterlagen konnte ich auch nicht finden.


    Dankeschön & Grüße

    Michael

    VW 181 & LR Defender 110 Td5

  • Hallo Michael,

    ich kann Deine Frage zwar nicht beantworten, aber ich finde es gut das Du das Thema aufgreifst.

    Denn bei der Heutigen Kraftstoff Preisentwicklung, ist das ein interessantes Thema. ;} Zwar aufwendig und mit Umständen verbunden, aber es funktioniert. Zumindest bei Oldtimern. Die modernen Elektronikkarren werden damit vermutlich die weiße Fahne zeigen.

    Ich habe Mal einen Unimog 404 gesehen, dessen Besitzer hatte sich einen Holzvergaser in den Koffer gezimmert.

    Man muß aufstehen, bevor man sich wiedersetzen kann.

  • Sehr interessantes Thema, ich kenne leider auch nur die Imbert Anlagen. Wäre natürlich toll wenn man da mehr herausfinden würde, evtl auch mit Bildern usw.

    --- Mitglied der Militärfahrzeughilfe ---

  • Hallo,
    ich habe zwar keine Erfahrungen / Kenntnisse, finde das Thema aber interessant und habe ein wenig
    recherchiert, es handelt sich bei dem Kristen Generator wohl um eine schwedische Erfindung/Version
    eines Holzgasgenerators, siehe nachstehende Fundstücke, zum einen ein Auszug aus einem Gesprächs-
    protokoll der Nürnberger Prozesse, zum anderen aus allgemeiner Suche.



    Leider konnte ich bisher noch keine konkreten Bilder zum Generator / Anbau an Fahrzeugen finden, bei
    denen konkret bestätigt wäre, das es sich um Kristen Modelle handelt. Es sind aber einige Referenzen
    zu Museen / Archiven in Schweden verfügbar, an denen man ggfls. weiter suchen könnte.

    Gruß, Holger

  • Danke für die Infos !!

    Das ist ja interessant. Ich habe echt lange gegoogelt und rumgesucht, aber die Schweden habe ich nicht gefunden. Das klingt nach einem sehr effektiven Generator. Ich werde mal in dieser Richtung weitersuchen.

    In dem Dokumentenstapel ist übrigens noch eine mehrseitige Abhandlung von Ende 1944 über die Verwendung von Torf als Brennstoff für Kfz-Generatoren enthalten. Bestimmte Sorten von Torf waren wohl gut geeignet und die SS hatte geplant, ein Torfgewinnungsnetz aufzubauen um sich diese Quellen zu sichern. Für die Zeit nach dem Krieg(!), denn dann würde sicherlich noch weiterhin Treibstoffmangel herrschen und man hätte so als Großanbieter die wichtigsten Torfquellen in der Hand :wacko:

    Gruß

    Michael

    VW 181 & LR Defender 110 Td5

  • ... Nachtrag:
    Ich habe eine 344seitige Ausarbeitung von 1979 gefunden:

    "This book "Generator Gas" (in Swedish Gengas) summarizes the scientific, technical
    and Commercial information developed during World War II when Sweden cut off.

    Hier der Link zum PDF:

    344-Seiten Doku 

    Hier werden die von mir oben genannten Zahlen von 70.000 Holzgasfahrzeugen in 1941 bestätigt,
    zum Ende des Krieges sogar über 100.000 Stück.

    Das Dokument gibt einen allumfassenden Überblick inkl. Einführung, Hintergünde, wissenschaftiche
    Berechnungen, Vergleiche zu anderen Treibstoffen usw. usw.

    Es werden auch unterschiedliche Systeme aufgeführt, allerdings habe ich tatsächlich nichts zum
    Kristen-Generator finden können :(.

    VG, Holger

  • Danke !!! Werde ich mir mal runterladen und anschauen :pump:

    Anscheinend hatte die SS ja den Kristen-Generator ausgiebig erprobt. Trotzdem ist in den erhalten gebliebenen Akten dazu nichts zu finden. Aber klar, es wurde viel zerpflückt und/oder vernichtet oder manchmal auch falsch einsortiert.

    Wobei die Lücken eigentlich eher waffentechnische Unterlagen betrifft. Die waren eben begehrter.

    Gruß

    Michael

    VW 181 & LR Defender 110 Td5

  • Hallo zusammen,

    nach einer kurzen KI-Suche bei google wurde mir eine andere Schreibweise gezeigt.

    Nach der Info wurde der Christen-Generator in der Schweiz entwickelt und es gibt angeblich einen Testbericht aus dem Jahr 1942 und weiter Unterlagen bei den Schweizer Genehmigungsbehörden.

    Alle bisher ungeprüft, aber vielleicht ein neuer Ansatz.

    Grüße aus der Wetterau

    Finko

    :wolf:

  • Ebenfalls danke! Bei mir hatte KI das nicht ausgespuckt :schnarch:

    Bei Namen (insbesondere ausländischen) gibt es im Schriftverkehr immer wieder mal Schreibfehler.

    Wenn Himmler das Fernschreiben diktiert hat, könnte die Schreibkraft durchaus den Namen falsch geschrieben haben.

    Gruß

    Michael

    VW 181 & LR Defender 110 Td5

  • Danke, ein sehr interessantes Thema.

    Mein Vater erzählte mir davon, noch in den 50er Jahren bei den Schweden.

    Und die Eidgenossen waren und sind ja eh sehr Speziell....im positiven Sinne!

    Fahren mit Holzgas: Houtomobiles. Die verlorene Generation – AMK Magazin für Oldtimer, Youngtimer und Klassiker
    Holzbetriebene Fahrzeuge fuhren mit Holzgas. Während des Zweiten Weltkriegs waren sie auch hier recht bekannt. Das Fahren mit Holzgas war jedoch kein Erfolg.…
    de.amklassiek.nl

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    Frank

  • Es gab anscheinend doch einige Systeme. In meinem Buch der Kraftwagen, habe ich eine Imbert, Deutz, Hansa und Wisco Generator Anlage gefunden mit Bildern. Falls das interessant ist kann ich es mal abfotographieren.

    --- Mitglied der Militärfahrzeughilfe ---

  • Ich glaube damals haben sehr viele Firmen mit Holzvergasern experimentiert. Mich hatte eben dieser Kristen/Christen-Generator interessiert, weil die SS diesen wohl erprobt und so dringlich in Massenproduktion bringen wollte. Es ist nur verwunderlich, dass man darüber fast nichts findet, wenn er doch so gut und überlegen war. Leider sind eben auch viele Archivbestände geplündert und zerrupft worden.

    Die Verbindung zur Schweiz wundert mich dabei nicht ... das kann durchaus sein. Da bestand ja rüstungstechnisch schon lange ein guter Draht.

    Es ist schon immer wieder interessant, was man beim Stöbern in alten Archivalien so an Ideen findet ... seit es aus Neugierde, aus der Not heraus oder auch aus Geltungssucht.

    VW 181 & LR Defender 110 Td5

  • In Deutschland war halt der Marktführer was das angeht Imbert. Denke die meißten Fahrzeuge wurden dann eben mit diesen ausgerüstet auch wegen Vereinheitlichung vor allem im Militär. Das die SS diesen überlegeneren Holzgaser wollte wundert mich nicht, sie wurde ja meiner Meinung sowieso mit Teilweise besseren Material versorgt. Man siehe allein die sehr guten Tarnklamotten die das Heer in der Regel nicht hatte, oder warme Winterausrüstungen wie Charkov Parka usw.

    --- Mitglied der Militärfahrzeughilfe ---

  • Oh oh, das muss ich jetzt doch ne Kleinigkeit dazu sagen und kurz vom Thema abschweifen :deck:

    Die Waffen-SS stand von Anfang an in Konkurrenz zur Wehrmacht (also Heer, Marine, Luftwaffe) und wurde von diesen nie als gleichwertig akzeptiert. Den gesamten Krieg über ist der Schriftverkehr geprägt von gegenseitigen Vorwürfen und den Versuchen, die SS zu benachteiligen. An Rohstoffen bedienten sich erst alle anderen, bevor die SS einen Rest (sofern vorhanden) erhalten konnte. Bei neuen Waffen dauerte es Monate lang, bis nach zig Anfragen endlich mal ein Testexemplar zur SS kam.

    Aus diesem Grund hatte sich die SS auch gleich Zbrojovka Brno (Waffenwerke Brünn) unter den Nagel gerissen und dort ihre eigene "Technische SS Waffen- und Polizeiakademie" gegründet. Dort wurde viel selber entwickelt. Viele Prototypen und Versuchsstücke schlummern heute im Lager des Prager Militärtechnischen Instituts. Da entdeckt man heute noch Dinge, von denen man nichtmal wusste, dass es sie gab.

    Auch krallte sich die SS einen Großteil aller erbeuteten Waffen, da sie anfangs nichtmal genug Karabiner 98k erhielt.

    Das alles führte zu einer ziemlichen Ressourcenverschwendung, da das SS-Waffenamt und die anderen Waffenämter oft die gleichen Ziele parallel verfolgten und sich nicht austauschten. Jeder dachte, es besser zu können. Es ja kaum bekannt, dass sich die SS sogar mit der Entwicklung einer Kleinflugzeugträger-Flotte beschäftigte. Und ohne das Mitmischen bei der Raketentechnik wäre diese nicht so schnell vorangekommen. Mit Denkern und Forschern wie Otto Schwab oder Helmuth Gerloff ging schon was voran.

    Und leider leider führte diese Konkurrenz auch zu einem Ausbau des KZ-Systems. Die SS versuchte eigene Fertigungsanlagen aufzubauen. So zum Beispiel für das halbautomatische Gewehr 43 im KZ Neuengamme, da die offizielle Belieferung nicht klappte. Oder das Betreiben von Angorakaninchen-Zuchten zur Gewinnung von Dämmstoff für Winterkleidung.

    Einen bedeutenden Unterschied gab es allerdings: Das Heeres-Waffenamt war eine träge Bürokratie und wer als Erfinder keinen Namen oder Beziehungen hatte, der blitzte schnell ab. Hier hatten die großen Firmen und andere Platzhirsche das Sagen. Die SS hingegen nahm oft völlig unkonventionelle Ideen und Entwicklungen an. Aus heutiger Sicht wirkt manches kurios, lächerlich und vielleicht auch "dumm", aber viele Erfinder, die nirgendwo Gehör fanden, wandten sich an die SS und erhielten oft eine Chance.

    Dieses Vorgehen öffnete natürlich auch manchen Scharlatanen und Dummschwätzern Tür und Tor (wie z.B. ein Herr Fuchs mit einem Zentrifugal-Maschinengewehr). Wobei man aber auch da immer wieder feststellen muss, dass manche Ideen damals technisch einfach noch nicht realisierbar waren und Jahrzehnte später wieder aktuell wurden. Wie z.B. die "Todestrahlen" aus riesigen Parabolschüsseln - heute sind es Laserwaffen. Oder die "Schallkanone" - heute gibt es akustische Waffen ähnlicher Art.

    Sorry fürs Abschweifen. Darüber könnte man Bücher schreiben .... :pfeif:

    Grüßle

    Michael

    VW 181 & LR Defender 110 Td5

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