Mehrfachbefüllungsanlage

  • Die Betriebsstoffgruppen der Bataillone hatten in den 1970er und 1980er Jahren meist nur Fahrzeuge für den Kanistertransport, weil damit eine größere Flexibilität in der Versorgung erreicht wurde. Tankfahrzeuge oder Aufsetztanks gab es erst ab den Nachschubkompanien der Brigaden aufwärts.
    Nachteil war, dass gerade das Betanken von Kettenfahrzeuge bei dieser Lösung zeit- und personalaufwendig war. Der Treibstofftank des Leopard 1 hatte 985 Liter Inhalt, das waren 50 Kanister. Es dauert vor allem relativ lange bis der Kanister in den Einfüllstutzen geleert war.

    Um hier Zeit zu sparen, entwickelte man für den Leopard 1 die „Mehrfachbefüllungsanlage“.
      

    Das war ein faltbarer großer Trichter, der hinten links am Panzer in einem Staukasten mitgeführt wurde.


    Der aufgeklappte Trichter wurde am Einfüllstutzen angebracht, dann konnten zwei geöffnete Kanister in den Trichter gestellt werden. Die Kanister brauchten dort nicht festgehalten werden, sondern liefen selbständig leer.


    In dieser Zeit konnten die nächsten Kanister herangetragen werden.
    Dieses Gerät war mir bisher neu, ich halte es aber für recht interessant.

  • Eine clevere Lösung. :laola:    :thumbsup-blue:

    Man muß aufstehen, bevor man sich wiedersetzen kann.

  • Hallo, ja das war Standard auf den Großübungen. Damit geht die Betankung einer Kompanie deutlich schneller und zeitlich flexibler als mit dem Tankaufsatz.

    Die Kanister wurden abgeladen und jeweils zu 20/30 am Weg mit Abstand 50m abgestellt. Dann kam die Kompanie und hat gleichzeitig alle Panzer betanken können.

    Viele Grüße Marcus

  • Ja, da bekam man "lange" Arme. Dasa ganze Prozedere wurde in der Regel durch den Richt- und Ladeschützen umgesetzt. Einer schleppte2 Kanister -die meist nicht ganz voll waren- und der andere sicherte mit der MP. Der Fahrer nahm ab und befüllte mit dem Kommandanten, bei der nächsten Runde wechselte der Träger mit dem Sicherer usw. manchmal machte der Kommandant auch mit. war aber oft so, dass er zur Besprechung zum Zugführer war.

    locker mit dem Overgarment der Lage angepasst.

    Bernd

    "Nur wenige sind es wert, daß man ihnen widerspricht!"

    und

    "Was man hat, braucht man nicht suchen/kaufen" ^^

  • Wenn dann ein Panzer nur noch für 3 Mann Besatzung vorgesehen ist, weil der Ladeschütze wegen eines Ladeautomaten wegfällt - wie dies z.B. bei T-72 usw. des Warschauer Paktes der Fall ist, wird diese Prozedur noch mehr zum Problem:
    - Kommandant: ist zur Befehlsausgabe beim Zugführer
    - Fahrer: sollte eigentlich den notwendigen Technischen Dienst am Panzer machen
    - Richtschütze: ist dann der einzige, der Kanister schleppen kann.
    Beim einen oder anderen Panzer wird auch der Richtschütze noch anderweitig beschäftigt sein, z.B. am Fla-MG zur Sicherung gegen Luftangriffe usw.

    Alles Gründe, die gegen eine nur 3-Mann-Besatzung sprechen.

  • Vielleicht bei der Gelegnheit noch ein paar Worte zum Ablauf der Betriebsstoffversorgung.

    Betriebsstoff gehörte bei der Bundeswehr zu den sog. „Mengenverbrauchsgütern“ und machte im V-Fall fast 50% der Versorgungsgüter aus. Bevor die 20 Liter Betriebsstoff aus dem Kanister in den Tankstutzen flossen, war dieser Sprit schon mehrfach umgeschlagen worden, er wurde „gebrochen“, wie es im Fachjargon heißt, also von einem Transportmittel in ein anderes umgeschlagen.
    Betriebsstoff wurde in den meisten Fällen aus NATO- oder zivilen Tanklagern entnommen, in Frage kamen an den großen Flüssen auch Tankschiffe. Weiter konnten Eisenbahnkesselwagen (EKW) eingesetzt werden (z.B. von der VTG), die teilweise direkt in die Nähe der Brigadeversorgungspunkte gefahren wurden, wenn dort ein geeigneter Bahnhof war. Tanklager, Tankschiffe oder in vielen Fällen auch die EKW wurden meistens direkt aus Pipelines befüllt.
    Dazu als Beispiel ein Auszug aus dem „Befehl zur Regelung der Logistik“ (BRLOG) der 12. Panzerdivision. Die 12. PzDiv hatte ihren Verteidigungsraum relativ dicht an der innerdeutschen Grenze, etwa von Mellrichstadt (Rhön), dann im Zuge der B 279 entlang der Haßberge bis westlich Ebern.

     

    Von den Tanklagern, Schiffen oder EKW übernahmen die Nachschubbataillone mit ihren Straßentankwagen oder mit Tankaufsatzbehältern den Betriebsstoff.
     

    Aus diesen Tankwagen mussten dann die Kanister befüllt werden. Hier gab es Kanisterbefüllanlagen, das waren spinnenartige Gebilde mit 10 Schläuchen.


    Der Weitertransport zur Truppe erfolgte in Betriebsstoffpaletten. Jede Palette fasste 21 Kanister, auf einem LKW 5 t konnten in 2 Lagen übereinander 12 Paletten gefahren werden. Das waren somit 252 Kanister = 5.040 l Betriebsstoff. Für das Beladen der LKW mit den Paletten wurde fast immer das Feldarbeitsgerät / Feldumschlaggerät eingesetzt.



    Ein Panzerbataillon hatte meistens 3 Betriebsstoff-LKW 5 t, also gesamt etwa 15.000 Liter Betriebsstoff in einer Fuhre. Dem gegenüber standen allein 41 Kampfpanzer Leopard 1, die etwa 40.000 Liter Diesel für eine komplette Auffüllung der Tanks brauchten. Die anderen Ketten-Kfz, wie Bergepanzer oder M 113-Funk oder die Radfahrzeuge sind noch gar nicht berücksichtigt. Es hätte also mehrere Umläufe gebraucht, um mit den bataillonseigenen Betriebsstoff-LKW das Bataillon zu befüllen. Daher wurden nach Möglichkeit immer Tankwagen zu Bataillonen vorgezogen. Das direkte Auftanken aus einem EKW dürfte eher selten gewesen sein.

  • Man bedenke dabei auch wann von der Führung der Entschluß gefasst wurde zu betanken.

    Wir waren meist noch bei ca 1/3 Betriebsstoffsrestbestand wenn kanisterbetankt wurde. und dann wurde auch nicht zu 100% ergänzt. Da stand wohl der Übungscharakter im Vordergrund.


    Bernd

    "Nur wenige sind es wert, daß man ihnen widerspricht!"

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  • Eine Frage von mir als wehtechnischer Laie:

    Diese Versorgungskette des Kraftstoffs ist doch aus der Luft ganz schnell zu unterbrechen, oder ? Und heute mit Drohnen noch schneller als früher. Wie kann eine Armme ihren Kraftstoff schützen ?

    Gruß

    Wolfgang

  • Diese Versorgungskette des Kraftstoffs ist doch aus der Luft ganz schnell zu unterbrechen, oder ?

    Jede Versorgungskette ist ein potentielles Ziel für Luftangriffe. Das gilt für alle Arten von Versorgungsgütern. Je öfter eine Versorgungsgut umgeschlagen werden muss, desto höher die Gefährdung, weil natürlich gerade die stationären Umschlagpunkte (Depots, Versorgungspunkte) am leichtesten zu bekämpfen sind.

    Am wenigsten gefährdet waren wahrscheinlich Pipelines, hier waren vor allem die Entnahmestellen das Problem.
    Ansonsten hatte man nicht umsonst die Kompanien der Nachschubbataillone mit Feldkanonen 20 mm ausgerüstet, um die Versorgungspunkte gegen Tiefflieger zu schützen.
    Auch waren auf sehr vielen LKW Maschinengewehre lafettiert.
    Das Problem war eher, dass viel zu selten Fliegerabwehrschießen mit diesen MG geübt wurde. Sind wird doch mal ehrlich: Selbst die Kameraden hier im Forum, die länger bei der Bundeswehr waren, haben wahrscheinlich nur sehr selten Fliegerabwehrschießen gemacht. Ich behaupte mal, dass die wenigsten von uns sicher mit dem Fliegerabwehrvisier umgehen konnten.
    In den Anfangsjahren der Bundeswehr, so bis 1960, nahm man anscheinend dieses Problem sehr viel ernster. Damals hatte fast jede Einheit 20 mm Maschinenenkanonen zur Fliegerabwehr, sogar die Instandsetzungskompanien und auch in der Feldjägerkompanie gab es eine 20 mm Kanone.

    Wie das heute mit der Drohnenabwehr laufen wird, bleibt abzuwarten. Hier entwickelt sich die Technik rasend schnell und alles ist im Fluss. Auf der einen Seite hat die Ukraine anscheinend recht gute Erfolge selbst in der Bekämpfung von Drohnen nur mit Gewehr- oder MG-Feuer, auf der anderen Seite gibt es inzwischen anscheinend schon "Drohnen-Mutterschiffe", also eine Art fliegender Flugzeugträger, von denen aus kleine Drohnen abgesetzt und ferngesteuert werden. Siehe den Vorfall am Leipziger Flugplatz.

  • Sind wird doch mal ehrlich: Selbst die Kameraden hier im Forum, die länger bei der Bundeswehr waren, haben wahrscheinlich nur sehr selten Fliegerabwehrschießen gemacht.

    Gut erkannt. Ich war in meinen 8 Jahren PzTrp exakt 2x auf der Standortflaanlage (für Üb Mun blau) und einmal in Putlos auf Schleppsack. Just da musste ich mit meinem Panzer in die Inst. Die Kameraden erzählten dass die Warterei ätzend gewesen war weil der Schleppsack abgeschossen wurde. Wie gesagt hab ich nur so hautnah gehört.


    Bernd

    "Nur wenige sind es wert, daß man ihnen widerspricht!"

    und

    "Was man hat, braucht man nicht suchen/kaufen" ^^

  • Der Beschuss grob in Richtung des Luftfahrzeugs reicht dass der Pilot abdreht. Treffen und mit 7,62mm so beschädigen dass es zum Absturz kommt ist reiner Zufall.

    Man darf Szenarien aus dem 2. Weltkrieg/Kalten Krieg von 1985 nicht mit heute vergleichen. Andererseits gibt es auch Lagen in niederschwelligen Konflikten in denen bewährtes von 1943 Sinn macht.

    Viele Grüße Marcus

  • Ich habe noch ein Bild zum Thema Betriebsstoff-Versorgung gefunden: Übernahme von Betriebsstoff aus einem Tankschiff in einen Straßentankwagen.



    Wie sich aus dem Taktischen Zeichen am Fahrzeug entnehmen lässt, kam der Faun-STW von der Nachschubkompanie 320, die in Bremen und ab Mitte der 1980er Jahre in Schwanewede lag. Diese Kompanie war die Nachschubkompanie der Panzergrenadierbrigade 32.
    Bei dem Schiff würde ich von der Größe her auf ein Binnenschiff tippen, dass z.B. auf der Weser verkehrte.
    Hinten links im Schatten der Lagerhallen stehen noch zwei wartende STW.

  • Der Beschuss grob in Richtung des Luftfahrzeugs reicht dass der Pilot abdreht. Treffen und mit 7,62mm so beschädigen dass es zum Absturz kommt ist reiner Zufall.

    Gemeint ist hier wohl der Schleppsack, welcher in ca. 500m Entfernung verbunden mit einer Leine, am schleppenden Flugzeug quer über die Hohwachter Bucht gezogen wurde.

    Auf der Panzerplatte (Fla- Schießplatz Todendorf ) wurde dann mit der BMK 20 mm auf den Schleppsack ( Rot ) in Richtung Bucht geschossen. Dabei wurde auch so manches Mal die Schleppleine getroffen, was dann zur Unterbrechung des Schießbetriebes führte. Sehr zur Freude der Besatzungen. Denn bei sommerlichen Temperaturen konnte man gut Sonnenbaden.


    Mit den Handfeuerwaffen, besonders mit dem MG auf Lafette abgesessen, wurde zwar auch auf die Bucht geschossen, das hing aber mit den Zielentfernungen >300 m zusammen . Der Flugbetrieb ruhte während dieser Schießzeiten. Das Schleppflugzeug wurde in den 1980er Jahren übrigens von einer Pilotin gesteuert.


  • Der Beschuss grob in Richtung des Luftfahrzeugs reicht dass der Pilot abdreht.

    Ob der im Jet überhaupt mitbekommt, dass ihn jemand mit der Mäuseflak beharkt? Der sieht die Leuchtspur ja nicht. Ich hab mal einen Überflug eines Strahlflugzeugs in einem englischen Übungsdorf ähnlich Bonnland erlebt. Bis man richtig sagen konnte, wo der Flieger herkommt, war er schon wieder über uns hinweg.

  • Nun bin ich aber platt.

    Wo hast Du denn das Foto her ?

    Das zeigt einen Teil des Handelshafens meiner Heimatstadt Leer, da bin ich mir sicher. Ich schätze es wurde in den 70 er Jahren aufgenommen.

    Das Schiff würde ich nicht als Binnenschiff bezeichnen, dafür ist es zu Groß. Es könnte ein Versorgungsschiff der Marine sein. Vor dem Tankschiff liegt ein weiteres Schiff von der Marine, wie an der Hoheitsflagge mit Adler zu erkennen ist.

    Mich würde das genaue Aufnahmedatum des Fotos interessieren. Ich kann mich an ein Manöver erinnern das in und um Leer stattfand, weiß aber den Zeitpunkt nicht mehr genau. Es muss 1977 im Frühsommer gewesen sein, wenn ich mich richtig erinnere. Da war ich 12 Jahre jung. Ich weiß noch gut, das in ca. 800 - 1000 Meter in Richtung hinter dem Turm im Hintergrund, ein großes Gelände voll mittels Tarnnetzen getarnter Paletten mit 20 Liter Kanistern als Lagerfläche genutzt wurde. Morgens auf dem Weg zur Schule kam ich an einer aus Sandsäcken gebauten MG Stellung vorbei, die mit einem farbigen Soldaten besetzt war. Ich habe mich mächtig erschrocken, denn ich habe ihn erst sehr spät wahrgenommen, als ich schon fast an ihm vorbei war.In der Zeit war es sehr selten das man in unserer Kleinstadt Menschen mit dunkler Hautfarbe sah. Nach der Schule sind wir mit unseren Fahrrädern dahin gefahren und haben das Geschehen neugierig bestaunt und die Soldaten, die alles bewacht haben mit unseren Fragen gelöchert. Das war auch das allererste Mal in meinem leben, das ich ein Gewehr G3, ein MG und eine Uzi in echt zu sehen bekommen habe. Was für ein unvergessliches Abendteuer.

    Vielleicht wurde ich damals schon mit dem " oliven Virus " infiziert. hmmm

    Man muß aufstehen, bevor man sich wiedersetzen kann.

  • Bei dem Schiff würde ich von der Größe her auf ein Binnenschiff tippen, dass z.B. auf der Weser verkehrte.

    Meiner Ansicht nach ein kleiner Betriebsstofftanker der Marine (siehe Flagge), der mit ziviler Besatzung fuhr. Hier scheint gerade Kraftstoff an den Tankwagen abgegeben zu werden.

    Gruß - Kai

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