Hallo zusammen,
inspiriert durch unsere Umfrage zur militärischen Vergangenheit und meine jüngsten Eindrücke beim 6. Point Alpha Militärfahrzeugtreffen, muss ich eine Beobachtung teilen. Es geht um eine ganz subjektive These und ein Phänomen, das mein Gehirn auf eine harte Probe stellt.
Stellt euch folgende Szene vor: Du reist an, freust dich auf den Duft von Diesel, altem Leder und ehrlicher, kompromissloser Technik. Du willst einfach nur schweres Eisen bestaunen. Du passierst das Tor bzw. die Einfahrt aufs Feld, atmest tief ein – und plötzlich schlägt die Atmosphäre um. Du stehst mitten in einem Meer aus Flecktarn, Oliv und historischer Ausrüstung. Eigentlich ein Paradies für Enthusiasten. Doch genau in diesem Moment passiert etwas im Kopf eines ehemaligen Soldaten.
Das tief sitzende Erbe der Dienstzeit kickt mit der Wucht einer Panzerfaust rein. Im Nacken spürst du schlagartig wieder den heißen Atem des damaligen Dienstvorgesetzten. Dir schießen die alten, unbarmherzigen Ansagen durch den Schädel, dass das unbefugte Tragen von Uniformteilen in der zivilen Welt ein absolutes Sakrileg ist. Ein Verstoß, der damals die Hölle heiß gemacht hat und im schlimmsten Fall unter Strafe stand.
Ein zutiefst mulmiges Gefühl kriecht die Wirbelsäule hoch. Ein Teil des eigenen Gewissens sträubt sich mit Händen und Füßen gegen das, was das Auge sieht: Ein völlig abnormaler Zustand aus hunderten Menschen - teilweise in voller Montur -, aber komplett ohne militärische Organisation, ohne Befehlsstruktur und ohne den Segen der Vorschriften. Mein Gehirn verfällt in Schockstarre und wartet insgeheim darauf, dass jeden Augenblick ein stiernackiger Spieß mit hochrotem Kopf im Laufschritt um die Ecke biegt. Einer, der die Szenerie einfriert, dich für das bloße Zusehen erst vierteilt und danach so klein wie eine Briefmarke faltet, um dich per Feldpost wegzuschicken.
Und genau auf dem Höhepunkt dieses inneren Alarmsignals setzt die Vollbremsung ein. Der rationale Fan-Modus übernimmt das Steuer. Du atmest aus und denkst dir: „Komm mal runter, Kollege.“ Ein Fußballfan zieht sich schließlich auch voller Stolz das Trikot der Mannschaft an, die er bewundert. Warum also nicht auch der Outdoor- und Fahrzeug-Enthusiast, der die historische Technik und das Lebensgefühl zelebriert? Man hat ja volles Verständnis für die Leidenschaft der Leute. Es ist eine Hommage an die Technik, kein Antreten zum Gefecht.
Es bleibt ein zutiefst schizophrenes Gefühl. Ein emotionaler Spagat zwischen jahrelang antrainiertem - und verstandenem - Gehorsam und der puren, unbeschwerten Freude am gemeinsamen Hobby.
Wie ging oder geht euch das als Ehemalige, wenn ihr das erste Mal über so ein Treffen lauft? Kennt ihr dieses unterschwellige, mulmige Gefühl, oder habt ihr den inneren Spieß schon beim Passieren des Einfahrtstores erfolgreich weggesprengt?
Und bitte die wichtige Bitte vorab: Lasst uns hier keine politische Diskussion starten oder in rechtliche Grundsatzfragen abdriften. Mir geht es rein um eure ganz subjektiven Gefühle, Lachmomente und Erfahrungswerte!
...noch ein kurzes Wort in eigener Sache: Ich habe das Forum vor diesem Beitrag bewusst nicht per Suchfunktion, Deep-Dive-Keyword-Finding oder psychologischen Tiefenanalysen nach ähnlichen Diskussionen durchforstet. Falls das Thema also in grauer Vorzeit schon mal irgendwo am Rande hochgeploppt sein sollte, bitte ich um Nachsicht – mir ging es hier um den ganz spontanen Impuls direkt nach dem Treffen.
Wie sieht’s bei euch aus – schlägt der innere Kompass eher auf „Achtung“ oder auf „Entspannung“?
MkG und Feuer frei für eure Storys!
Falki alias Elektroman1975