So, ich erzähl euch mal, wie ich das Thema Obdachlosigkeit und Drogenabhängigkeit hier in Vancouver erlebt hab.
Wer East Hastings bei Google eintippt kriegt jede Menge Schockbilder zu sehen, wo wirklich Hunderte Drogenabhängige apathisch auf dem Bürgersteig sitzen und Meth rauche als wäre es das normalste auf der Welt. Die Menschen dort haben nichts mehr ausser Drogensucht, ne Hose und ein T-Shirt an. Wenn Habseligkeiten vorhanden sind bezieht sich das auf eine einzige Plastiktüte oder eine kleine Tasche, die im Flieger nicht mal als Handgepäck, sondern als "weitere Tasche, die unter den Sitz passt" laufen würde.
Es riecht auch nicht besonders gut: Urin, Abfälle.
Davon lad ich hier keine Bilder hoch, obwohl es im Grunde notwendig wäre um die Situation zu verdeutlichen. Bis auf eins, was einen Schwerstabhängigen von hinten zeiget, aber mit einem Tattoo was einen umhaut.
Aber im Grunde reichen Worte aus, um zu beschreiben, was ich dort gesehen und erlebt habe. Die erste Reaktion ist, das es einem völlig unwirklich vorkommt wie viele Drogenabhängige / Obdachlose dort unterwegs sind. Hunderte, die in kleinen Gruppen auf der Strasse sitzen oder im Drogenrausch schlafen. Wie schon geschildert riecht es dort nicht besonders gut, obwohl an der frischen Luft. Der erste Eindruck ist: Zombieapokalypse. Der zweite: das kann nicht wahr sein.
Ist es aber leider und verstärkt wird alles noch durch den Kontrast, der sich durch die lebhafte und wohlhabende Stadt ergibt und vor allem durch Touristen, die nicht mal 200m weiter in der West Hastings Street soeben aus dem Kreuzfahrtschiff geklettert sind und Luxury Wine Tasting machen.
Wie ihr euch vermutlich vorstellen könnte hat mich das alles sehr beschäftigt und bei solch gesellschaftlich relevanten Themen bin ich sowieso sehr interessiert und aufmerksam. Eine Frage, die sich mir gestellt hat war z.B.: können wir das in Deutschland auch bekommen ?
Anstatt Schock Bilder zu machen und meinen (das ist jetzt ein Scherz) Instagram Account voran zu bringen hab ich dann etwa zwei Wochen damit verbracht, die Scene und insbesondere die Hilfsangebote dort zu erforschen. Das heisst, ich hab viele Interviews geführt, viel im Blog geschrieben und hab versucht dort mitzuhelfen. So war ich einige Nächte mit einer Hilfsorganisation unterwegs (dort sind Leute, die spontan mithelfen wollen immer willkommen) und hab Hilfsgüter an die Drogenabhängigen verteilt.
Mit den Street Saviours Nachts unterwegs in der East Hastings
Diese Leute sind eine von vielen Hilfsorganisationen dort und geht da hin, wo sonst keiner hingeht.
Häagen Dazs Eis im Bong Laden. Muss man sich mal vorstellen, das teuerste Edel Eis schlechthin - in einem Corner Store in der East Hastings der vor allem Tütensuppen, so komische Glasdinger und ein ganzes Regal voller Jet Feuerzeige hat.
Es war jedenfalls eine sehr intensive Zeit und - so ist es nun mal - Teil meiner Reise. Was ich da gemacht habe hab wollte ich nur mal kurz anschneiden. Und der LKW hat jetzt eins dieser lebensrettenden Narloxon Kits draussen hängen, gegen eine Überdosierung. Ich weiss jetzt auch, wie man damit umgeht.