Hallo zusammen,
nachdem sich die Knochen jetzt wieder etwas regeneriert haben, hier mein Erfahrungsbericht an die Daheimgebliebenen:
Zur Vorgeschichte muss ich gleich etwas weiter ausholen: ich bin seit vier Jahren mit dem KAT unterwegs, seit drei Jahren auch auf Militärfahrzeugtreffen in Boostedt (Sommerbiwak) und in Thüringen (WFT). Bei einem der ersten Treffen in Boostedt hat Thomas-„Scheiß-die-Wand-an“-Gies meinem Junior und KAT-Beifahrer Till den Floh ins Ohr gesetzt, dass man auch schon mit elf Jahren mit einem eigenen Fahrzeug Spaß im Gelände haben kann. Der plünderte - nach kurzer Diskussion im Familienvorstand - sogleich seine Spardosen und erstand ein Dirtbike chinesischer Herkunft mit durchaus respektablen 9,5 PS aus einem 125er Honda-Dax-Nachbau von Loncin (richtig, die bauen für BMW die 650er-Ex-Rotax-Motoren). Das Spiel mit Kupplung, Gas, Schaltung und Bremse hatte er schnell raus, lediglich der Kickstarter wollte sich auch unter Einsatz jedes einzelnen der 35 kg Körpergewicht nicht nach unten bewegen. Da war also immer Papas Hilfe gefragt und da man als Erzeuger ja auch gerne mal in der Nähe ist, wenn sich der Nachwuchs um den Baum wickelt oder kopfüber im Schlammloch steckt, musste dann ein weiteres Zweirad her. Manche behaupten, das sei so von langer Hand geplant gewesen, stimmt aber gar nicht, ehrlich… So kam Vaddern dann jedenfalls vor zwei Jahren zu seinem ersten Motorrad, einer bei ebay blind geschossenen Hercules K 180.
Da aber weder Vater noch Sohn irgendeinen blassen Schimmer vom Endurofahren hatten - wenngleich uns das nicht davon abgehalten hat, auf den Plätzen in Boostedt und anderswo mehr oder weniger elegant fast überall durch- und drüberzufahren, lag die Idee zu einem Lehrgangsbesuch nahe. Da kam das Angebot des Kradlehrgangs II gerade recht. Also habe ich mich fix bei „FMB“-Frank angemeldet. Da dieses Angebot ja an MFF-Mitglieder mit entsprechenden Krädern ging, zog der Junior den Kürzeren. Als dann aber bis kurz vor Beginn der Veranstaltung die Teilnehmerzahlen unzufriedenstellend niedrig waren, habe ich kurzerhand am Donnerstagabend bei Frank angerufen und mal vorsichtig nachgefragt, ob nicht ein weiterer zahlender - wenn auch minderjähriger und für ein Militärkrad zu kleiner Teilnehmer - akzeptabel wäre. Die Freude war natürlich groß, als Frank mit dem lakonischen Hinweis auf die generelle Erfordernis der Nachwuchsförderung schnell zustimmte. Also das Chinamopped noch fix mit auf den Anhänger geworfen und am Freitag nach Schulschluss auf die Autobahn Richtung Bad Segeberg. Der Dauerregen machte den Verzicht auf den Einfahrtag auf der Motocrossbahn verschmerzbar. Nach zahlreichen Staukilometern kamen wir dann gegen 19:30 Uhr auf dem Campingplatz „weißer Brunnen“ an. Das Camp mit den Grünen Mopeds und für Ottonormalcamper offenbar merkwürdig gekleideten Menschen war schnell gefunden und pünktlich hörte auch der Regen auf. Frank veranstaltete sodann eine Grillorgie mit Unmengen Fleisch und selbst gefertigter Grillbutter mit noch größeren Mengen an Knoblauch (der Zweitaktgestank auf der Motocrossbahn am kommenden Morgen konnte sich kaum dagegen durchsetzen!). Noch zwei, drei Bierchen dazu und die Heldentaten der anderen von den ersten Crosskilometern auf der Bahn anhört. Dass die ja noch nicht gar so alten Oldies Thomas „Rybezahl“ und Frank sich etwas verhalten bewegten und gelegentlich leise stöhnten, hätte mich doch stutzig machen müssen, bin ich doch in der gleichen Altersklasse einzuordnen…
Am nächsten Morgen nach einem großzügigen Frühstück dann zur Strecke verlegt und vom Crosslehrer Sascha in Empfang genommen. Ein paar Einfahrrunden über die Außenbahn, dann ging es auch schon mit den Übungen los. Und das alles bei kuscheligen 27°C im Schatten, die einem im BW-Kradkombi nach kurzer Zeit die Suppe am Körper herunterlaufen ließ. O.k., die Hälfte war Angstschweiß, waren doch die Übungen auch nicht ohne. Ich wäre nie selber darauf gekommen, drei hintereinander liegende, große LKW Reifen überfahren zu wollen. Nur auf den schmalen und wabbeligen Reifenflanken wohl gemerkt, daneben ging nämlich gar nicht, da waren tiefe Löcher mit der Garantie von abrupten Steckern. Langsam ging auch nicht, dahinter musste man gleich einen Hügel hoch. Fuhr man zu schnell an, traf man die Ideallinie nicht; fuhr man zu langsam, schaffte man den Anstieg nicht… Adrenalin pur! Auch im Sandbunker beherzt am Gas zu drehen und jenseits der persönlichen Komfortzone (aber dafür stabil!) durch den weichen Sand den Hügel hinauf zu stechen, bedurfte anfangs einiger Überwindung. Ein paar Strauchler und Umfaller blieben nicht aus, aber alle gewannen zunehmend an Sicherheit, keiner scheiterte irgendwo. Carolin „Rybchen“, die sich beim Probefahren schon vorher den Knöchel lädiert hatte, hat sich um die Dokumentation mit der Spiegelreflex verdient gemacht, danke dafür. Warum gucke ich nur auf allen Bildern so verkniffen? Entspannt sieht anders aus… Nicht nur deshalb gestaltete sich der Kurs insgesamt als sehr anstrengend, wir brauchten doch einige Pausen zum Verschnaufen. Einer deutlich weniger, der Chinabrummer zog Runde um Runde, in zunehmend höheren Geschwindigkeitsregionen… Zwischendurch noch eine Notreparatur der MZ, die auf der Seite liegend plötzlich unvermittelt hochdrehte und selbst mit abgerissenem Zündkabel und Benzinschlauch mit durch den Simmerring angesaugtem Getrieböl und Glühzündung offenbar Suizid begehen wollte. Der sichere Drehzahltod konnte nur durch die Geistesgegenwart von Thomas verhindert werden, der die Kompression durch das beherzte Herausdrehen der Zündkerze niedermeuchelte. Ich hätte ja nicht darauf gewettet, dass die MZ danach noch mal ans Laufen kommt, aber der Fahrer GianCo vertritt vehement die „Null-Toleranz-gegenüber-Totalausfällen“-Politik. Also mit Bordmitteln das halbe Motorrad auseinander und wieder zusammengeschraubt, läuft! Ansonsten gab es nur kleine Wehwehchen an den Krädern, die K180 von Thorben hatte dann und wann Appetit auf eine neue Zündkerze, meine wollte sich den Mühen des Einsatzes durch einen undichten Kraftstoffhahn entziehen, Lukas fuhr sich einen Platten und das Chinaverarbeitungsqualitätswunder mochte regelmäßig mal am Zündkabel gekitzelt werden.
Die Idee mit dem Rennen am Ende des Tages, welches alle Übungen auf einem Parcours miteinander verband und gegen die anderen auf Zeit zu fahren war, war im Nachhinein keine gute Idee, dabei verletzte sich Lukas das Sprunggelenk. Aber Hätte-Hätte-Fahrradkette, das wäre vielleicht auch wo- und wann anders vorgekommen, Dinge passieren halt… Leider reiste nachvollziehbarerweise die Rybenfamilie in Gänze ab und brachte sich um ein leckeres Abendessen mit dann nur noch 5 Teilnehmern im alten Bahnhof in Bunk. Dann war die Luft aber auch wirklich ´raus, wir waren anschließend schnell im Zelt verschwunden. So platt bin ich selten gewesen! Am nächsten Tag dann freies Fahren auf der Bahn, bei Sonnenschein mit nur 5 Teilnehmern auf dem ganzen Parcous ein Genuss. Lief bei mir dann aber nicht so gut wie am Vortag, offenbar verweigerte sich mein Körper einer erneuten Strapaze. Bin ein paar Mal abgeschmiert, aber außer blauen Flecken ist nix passiert. Ging dann später erstaunlicherweise aber wieder besser, als ich auf die V1 umstieg, erschien mir irgendwie handlicher. Um 15:00 Uhr dann unter Protest des Juniors, der mittlerweile die ersten Flugeinlagen probte, die Kräder aufladen, zum Camping fahren, Zelt abbauen und auf die Bahn in den Stau gen Süden.
Insgesamt: Viel gefahren, viel gelernt, viel geschwitzt, nette Leute kennengelernt und jede Menge Spaß gehabt! Till kann heute noch im Kreis grinsen.
Danke nochmal an Frank für die perfekte Organisation!
Grüße
Peter
Hier noch ein paar Bilder von Carolin:









