Bundeswehrkalender aus den 1970´er und 1960´er Jahren

  • Ich habe aus der Bucht zwei schöne Bw-Kalender fischen können, die im Format DIN-A3 (39x27,5cm) zeitgenössisches Geschehen aus der Truppe wiedergeben.
    Dabei werden alle drei Teilstreitkräfte abgehandelt.
    Der Kalender hat mich so fasziniert, dass ich Euch daran teilhaben lassen möchte.
    Dabei werde ich mich hier auf das HEER beschränken und ausgesuchte Seite vorstellen.
    Los geht´s:


    Titelblatt 1973



    (Zu jedem wöchentlichen Kalenderblatt ist rückseitig ein informativer Text abgedruckt, den ich hier jeweils zu der abgebildeten Seite wiedergebe)


    2. Januarwoche:



    Zitat

    Meldereiter des Heeres reiten heute nicht mehr auf Pferden, sondern auf stählernen Rössern, beim Heer "Krad" genannt. Diese Abkürzung ist schon sehr alt. Sie stammt aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg, als man das Motorrad noch Kraftrad nannte - und Krad ist eine Abkürzung davon, die sich im militärischen Sprachgebrauch bis heute erhalten hat., weil sie kurz und prägnant ist.Die Aufgaben der Kradmelder des Heeres sind dabei die gleichen gebelieben wie die der Meldereiter der Vergangeheit: Befehle und Meldungen überbringen, durch dick und dünn, mutterseelenallein. Wenn man das Krad auf unserem Bild mit einem Pferd und die Uniform des Kradmelders mit einer alten Husarenunifom vertauschen würde, dann könnte dieses Bild wohl hundert Jahre alt sein - so wenig hat sich der Einsatz der Meldereiter geändert. Die Romantik seiner Melderitte ist auch gblieben - allein, selbstständig, pfiffig, gutgelaunt, ein guter Kamerad und ein Meister im Sattel, morgens vor Tag und Tau der erste und abends in der Nacht der letzte ...
    Wenn die Fernsprechverbindungen abgerissen sind, der Funkverkehr gestört ist, Hubschrauber nicht mehr fliegen können oder dürfen, die Straßen verstopft sind - dann hat der Kradmelder seine große Stunde. Dann steht er in den Rasten seiner Maschine und reitet querbeet, zum Stab, zur Kompanie. Aber ein Kradmelder in unserem motorisierten und gepanzerten Heer hat noch andere Aufgaben. Er begleitet Kolonnen, weist sie ein, hält sie zusammen, fährt vorweg, leitet sie an Kreuzungen und Abzweigungen - wie ein Schäferhund. Besonders die dicken Panzer sind auf ihre Kradmelder angewiesen, denn sie sehen selbst wenig und ihre Sicht ist oft getrübt durch den Staub, den sie selbst aufwirbeln. Kradmelder erkunden auch Marschwege, Umgehungen, Brücken, Rasträume und Plätze für einen technischen Halt zur Überprüfung der Kolonnenfahrzeuge, sie schildern den Marschweg aus für die nachfolgende Kolonne, und sie melden den Instandsetzungs- und Bergetrupps liegengebliebene und ausgefallene Fahrzeuge. Jede Kompanie des Heeres hat ihre Kradmelder, meist drei, und jeder Stab meist fünf bis zehn. Ihr "Pferd" ist heute die blitzschnelle Hercules K 125 Bw, eine Spezialgeländemaschine, die Ableitung einer äußerst erfolgreichen Geländesportmaschine. Als Miltärkrad noch etwas robuster im Fahrgestell gemacht und etwas zahmer im Motor.
    Auf jeden Fall ist sie eine hochmoderne Spezialmaschine, wie sie kaum eine andere Armee besitzt. Kradmelder im Heere zu sein, das ist - nach vielen Aussagen - für einen jungen Mann "eine ganz tolle Sache", denn seine Mühle und der Job mit ihr - die können zur zweiten Natur werden. Viele Kradmelder blieben deshalb länger Soldat, als sie eigentlich wollten. Aber das kann vielleicht nur jemand verstehen, der einmal so richtig Sprit gerochen hat, so eine richtig alte Ölnase, einer, der mit einer rassigen Geländemaschine zwischen den Knien angefangen hat - und dann nicht mehr davon lassen konnte.


    Bild Major Rudolf Franzen


    Fortsetzung folge - Kai

  • Finde ich klasse. :thumbsup:


    Wenn du das schaffst, wäre es eine tolle Idee (wir sind ja noch recht frisch im Jahr), wenn du uns jede Woche mit dem passenden Bild beglücken könntest.
    Dann hat man was, worauf man sich jede Woche freuen kann - fast wie Kinderüberraschung. :H:

    Gruß, Marc




    Noch-irgendwelche-Sorgen-Nöte-Probleme-Anträge-keine-anfangen-mit-Dienst-wegtreten! :weg:

    Einmal editiert, zuletzt von Sponton ()

  • Ja, den Text finde ich auch herrrrlich :thumbsup:
    Deshalb geht es auch weiter; nur keine Bange.
    Also frisch ans Werk:


    5. Woche - JANUAR/FEBRUAR




    Fortsetzung folgt ...


  • Zitat

    Der Schützenpanzer Marder ist das Kampfmittel der Panzergrebnadiere (SPz): Zehn Mann Besatzung, als Bewaffnung eine Hochleistungsmaschinenkanone 20 mm auf Scheitellafette, zwei Maschinengewehre 7,62 mm, davon eins auf der MG-Kuppel am Heck, und sechs Nebelwurfkörper am Turm, 28,2 t Gefechtsgewicht, 600 PS Motorleistung, 75 km/h Höchstgeschwindigkeit und Fahrbereich von 520 km mit einer Füllung. Das wird deutlich auf unserem Bild, das eine Panzergrenadierkompanie mit voller Ausrüstung in übersichtlicher Aufstellung zeigt, wie es deren Stärke- und Ausrüstungsnachweis (STAN) vorsieht. Vorn in der ersten Reihe steht der Kompanietrupp mit dem Kp-Chef, dem Kp-Truppführer, dem Funkunteroffizier, zwei Kradmeldern und Fahrern. Dann folgen hintereinander, der Übersichtlichkeit halber auf Lücke gestellt, die drei Panzergrenadierzüge, am rechten Flügel (im Bild links) jeweils die Zugführer mit ihren Zugtrupps und daneben die vier Gruppen vor ihren Madern, und schließlich in der letzten Reihe der Trupp des Kompaniefeldwebels, zu dem der Schirrmeister mit Wartungstrupp, der Rechnungsführer, der Kp-Schreiber, ein Kradmelder und die Fahrer der Versorgungs-Kfz gehören. Die Waffen am Mann - ein Maschinengewehr je Gruppe, Sturmgewehr, Maschinenpistolen, Panzerfäuste, Handgranaten, Handflammpatronen, Panzerminen - ergänzen die Bordbewaffnung so, daß die Kompanie sowohl auf- als auch abgesessen kämpfen kann und auch für die Panzerabwehr gerüstet ist. Im Sturmgepäck der Männer befindet sich alles, was sie im Felde auch für den persönlichen Gebrauch benötigen, von der Zahnbürste bis zur Drei-Tage-Einsatzverpflegung.
    Die Panzergrenadierkompanie (SPz) ist eine gepanzerte Infanterieeinheit, deren Kampfweise wesentlich durch den Schützenpanzer bestimmt wird. Mit dem hier vorgestellten Marder hat sie ein Kettenfahrzeug, das hinsichtlich seiner technischen Leistungsdaten an der Spitze aller anderen vergleichbaren Typen steht. Mit den sechzehn 20-mm-Kanonen ihrer Führungs- und Gruppen-SPz kann sie eine Feuerkraft auch gegen gepanzerte Ziele entwickeln, die noch vor einigen Jahren unvorstellbar war. Unterstützt von den Mörsern der 5. Kompanie ihres Panzergrenadierbataillons sind sie besonders geeignet, jeden Feind im Nahkampf zu bezwingen und das Gelände zu säubern und zu halten.
    Durch die Schnelligkeit und Wendigkeit ihres Schützenpanzers können Panzergrenadiere im Zusammenwirken mit anderen Kampftruppen, vor allem mit Panzerverbänden, die mit dem Kampfpanzer Leopard ausgerüstet sind, großflächige und weiträumige Operationen in jeder Lage und in jedem Gelände durchführen.


    Bild Hans Heinzelmann

  • Hallo Kai,


    Super Sache! :G


    Wenn ich das Fote der PzGrenKp sehe werden Erinnerungen wach.


    Ich will Dir auf keinen Fall in diesen SUPER Thread reinschießen, aber das folgende Foto ist fast exakt vor 20 Jahren entstanden.



    Frühjahr 1993, Panzerabstellplatz TrpÜbPl Baumholder, 3.PzBtl 64
    Mein KpChef war stinksauer, daß ich meinen Bagger vorher nicht gewaschen habe.
    (Erste Reihe LEO's, zweiter von rechts) :)


    Bitte nicht böse sein, aber ich wollte Euch das Bild nicht vorenthalten.


    -Ende der Störung-


    Markus

    Gruß aus dem Fürstentum Waldeck

    Einmal editiert, zuletzt von Kle ()

  • @ Kai: dann ist ja alles gut. :)


    @ Micha: dreckige Karre -JA, Dreckskarre -NEIN :D


    ZgFhr steht halt vorne.


    Mein KpChef war IG'ler, und wollte dieses Kp-Foto unbedingt als Erinnerung haben.


    Wir wären aber auch schon vorher niemals Freunde geworden.
    Ich bin mir sicher, er erinnert sich jedesmal an mich, wenn er das Foto betrachtet. :D :D
    (Die Wette mit "A", "B" und "D", das ich vorher nicht mehr in die Pz-Waschanlage fahre, habe ich jedenfalls gewonnen.)
    Ist doch immer gut, wenn man mit dem InstZg gut kann.
    Was kann ich denn dafür, das der Bagger noch mal kurzfristig in die Inst abgerufen wurde? :)


    Markus

    Gruß aus dem Fürstentum Waldeck

    Einmal editiert, zuletzt von Kle ()


  • Zitat

    Der zunehmenden miltärischen Bedrohung aus der Luft mit den sich ständig steigernden Leistungen von Flugzeugen, die heute bei Tag und Nacht, bei nahezu jedem Wetter und bis zu Mach 3 fliegend angreifen können, wurd durch die Entwicklung immer leistungsfähigerer Waffensysteme für die Luftverteidigung begegnet. Die Heeresflugabwehrtruppe mit ihrer Aufgabe, die Kampftruppen, vor allem gepanzerte Verbände, und stationäre Objekte des Heeres gegen Luftangriffe in allen Situationen zu schützen, verfügt über solche Waffensysteme in einer Reihe von hochentwickelten Flugabwehrkanonen (Flak) und Flugabwehrraketen (FlaRak). Die Flugabwehrkanonen auf Panzerfahrgestellen wird Flakpanzer genannt. Die modernste Version davon zeigt unser Bild: den neuen Flakpanzer der Bundeswehr. Sein eigentliches Waffensystem bildet der rundumdrehbare, ca. 14 Tonnen wiegende Flakturm, der auf dem bewährten Fahrgestell des Kampfpanzers Leopard aufgesetzt ist. Er umfaßt im wesentlichen das Rundsuchradar am Trumheck (ähnliche Formen sind von der Schiffahrt her bekannt), das kreisrunde Zielfolgeradar in der Mitte unterhalb der Zwillingswaffe am Trumbug, die Feuerleitanlage mit dem Rechner im Turminnern und die 35-mm-Zwillingswaffenanlage selbst. Die Beatzung besteht aus dem Kommandanten, dem Richtschützen und dem Fahrer.
    Dieser Flakpanzer verfügt über eine volle Kampfautonomie mit Freund-Feind-Kennung, d.h. Besatzung und gesamtes Gerät sind im Kampf auf keinerlei Hilfe angewiesen und können selbst Freund- und Feindflugzeuge sicher unterscheiden. Was die Elektronik dieses Flakpanzers in wenigen Sekunden (6-7) leistet, ohne das die Besatzung schwierige Bedienungsaufgaben erfüllen muß und kann, soll vereinfacht beschrieben werden.
    Die Antenne des Rundsuchradars dreht sich in der Minute 60 mal um 360 Grad, so daß in jeder Sekunde die gesamte Luftlage bis zu einer Höhe von 15000 Metern (Reichweite) auf dem Bildschirm im Truminnern sichtbar wird. Auf diesem Bildschirm des Rundsuchradars werden entdeckte Ziele nach Seitenwinkel und Entfernung dargestellt und gleichzeitig nach Freund oder Feind gekennzeichnet. Damit kann eine sogenannte Bedrohungsabschätzung und Zielzuweisung erfolgen, die entweder vollautomatisch vom Rundsuchradar oder manuell mit allen Werten auf das Zielfolgeradar übertragen werden. Dieses erfaßt und verfolgt sodann das zugewiesene Luftziel und ermittelt zusätzlich auch noch dessen Höhenwinkel, während das Rundsuchradar weiter kreist und mögliche neuen Ziele meldet. Bleibt es beim ersten Luftziel, so gibt das Zielfolgeradar alle bisher ermittelten Werte an den Feuerleitrechner weiter, der sodann nach Geschwindigkeut und Flugbahn sowohl des Luftziels als auch der eigenen 35-mm-Geschosse den Treffpunkt nach Zielvorhalt berechnet und diese sich ständig ändernden Werte kontinierlich auf die geladene Zwillingswaffe überträgt, die koaxila mit ihm gerichtet ist. Befindet sich nun der vorausberechnete Treffpunkt innerhalb der Reichweite der Zwillingsrohre, dann gibt der Rechner das Signal "Feuerbereit". Nach dem Willen des Kommandanten oder des Richtschützen gibt der Zwilling schließlich mit einer Kadenz von 1175 Metern pro Sekunde und mit einer Feuergeschwindigkeit von 550 Schuß pro Minute und Rohr seine Feuerstöße gegen das feindliche Flugziel ab. Die Treferwahrscheinlichkeit liegt bei etwa 50 Prozent, und das alles in wenigen Sekunden, die auch noch ausreichen, einen Mach 0,7 fliegenden Tiefstflieger, der aus einer Geländebeschattung, also hinter einem Berg oder Hügel, auftaucht und erst in 2 bis 2,5 km Entfernung erfaßt werden kann, mit immerhin noch etwa 40 Schuß zu bekämpfen.
    Mit diesem Flakpanzer auf den Ketten des Leopard, bei einem Minimum an Bedienungsaufgaben hinter Panzerschutz, bei wahlweisem Verschuß von von Flugziel- und Panzermunition aus dem Stand oder aus der Bewegung, kann die dreiköpfige Besatzung den Panzerleute, den Panzergrenadieren und Panzeraufklärern überall hin folgen und wirksam deren Schutz gegen Angriffe aus der Luft übernehmen.


    Das waren noch Zeiten ;,(


    Gruß
    Kai ;)

  • @ theomobil


    Schau mal ganz genau hin :idee:
    Im oberen Bereich sind waffenfarbige (korallenrot) Vorstösse zu erkennen :yes:
    Es geht nicht um die Grundfarbe des Schiffchens :no:


    Immer schön auf die Feinheiten achten :thumbsup:


    Gruß
    Kai


  • Zitat

    Hoch zu Roß suchten die Husaren früher das Gelände ab, um den Feind auszumachen.Gewissermaßen vom höchsten Standort aus spähten sie "in die Runde, so weit das Auge reichte". Aber in dunklen Nächten, bei Nebel und sonstigen schlechten Sichtbedingungen waren ihre Beobachtungsmöglichkeiten doch stark eingeschränkt. Nachts sind alle Katzen grau. Das erfährt jeder, der im Dunkeln herumtappt und sich, je finsterer es wird, um so mehr auf sein Gehör oder gar seinen Tastsinn verlassen muß. Besonders für Späher und Aufklärer war das stets eine unangenehme Sache, galten sie doch als jeher als "das Auge und Ohr der Armee" mit dem Auftrag, die eigene Truppe durch frühzeitiges Aufspüren und Melden des Feindes nicht nur bei Tag, sondern auch bei Nacht vor Überraschungen zu schützen.
    Heute verfügen Aufklärer über technische Hilfsmittel, deren Leistung unter bestimmten Bedingungen und natürlich mit einigem technischen Aufwand weit über das optische und akustische Vermögen von Menschen hinausgeht. Die Elektronik, die ihren Einzug auch bei der militärischen Geräte- und Waffentechnik gehalten hat, ermöglicht es den heutigen Panzerhusaren, bis zu 18 000 Meter durch Nacht und Nebel hindurchzusehen. Diese enore Leistung schafft das Radargerät AN/TPS-33, aufgesetzt auf einem Aufklärungsschützenpanzer Hotchkiss (unser Bild). Es dient der mittleren und unteren Führung zur ständigen, systematischen Erdaufklärung bei Nacht und schlechter Sicht, wenn Auge, Glasbeobachtung und andere optische Mittel für eine ausreichende Beobachtung versagen. Das Gerät zählt zu den Langstreckenradarsystemen und wird von vier Radarspezialisten, dem Radartrupp der Panzeraufklärungstruppe, bedient. Dieser Trupp kann mit seiner Technik alle Bewegungen des Feindes auf dem Gefechtsfeld erfassen und ist auf seinen Ketten in jedem Gelände voll beweglich. Im Betrieb ist das Gerät vom Material des Zieles und vom Wetter unabhängig. Nur müssen zwei Bedingungen erfüllt sein. Erstens: der Radartrupp muß von seiner Stellung eine quasioptische Verbindung zum Ziel oder Zielraum haben, d.h. eine theoretische Sicht vom Gerät zum Ziel/Zielraum ohne dazwischenliegende Hindernisse ist durch Wahl eines überhöhten Standortes zu gewährleisten. Und zweitens: das Ziel oder die Ziele müssen sich bewegen, denn nur solche können erfaßt werden. Sind diese Voraussetzungen gegeben, dann erfassen die Radarstrahlen mit einer Spitzensendeleistung von 4 bis 7 Kilowatt alles, was sich in Entfernungen von 90 bis 18 000 Metern bewegt. Es meldet im Impuls-Doppler-System sowohl akustisch im Kopfhörer der Radarbediener die Geräuschentwicklung des Zieles, als auch optisch auf dem Bildschirm, woher das erfaßte Ziel kommt und wohin es sich bewegt. Der Radartrupp - jeder muß alle Tätigkeiten beherrschen - kann durch die Geräuschintensität im Kopfhörer unterscheiden, wer und was sich da bewegt.


    Viel Übung und großes Einfühlungsvermögen in die Nuancen der Technik ist dazu notwendig. Peronen sind von Tieren nämlich kaum zu unterscheiden, auch kann die ganue Zahl mehrerer dicht beieinander fahrender Kfz nicht ermittelt werden. Erfahrene und geübte Leute unterscheiden aber in Windeseile die für die verschiedneen Zielarten typischen Geräusche und bestimmen derne Richtung und Entfernung mit großer Genauigkeit, ob sie nun ein Ziel im Überwachungsraum erfassen und verfolgen oder durch Punktüberwachung eines wichtigen Geländeteils, einer Straßenkreuzung, Brücke oder Waldschneise, Bewegungen feststellen. Die Dunkelheit hat durch die Beherrschung der Technik für die Panzeraufklärer einen beachtlichen Teil ihrer Undurchdringlichkeit verloren. Erdaufklärung in der Nacht über weite Strecken ist jetzt möglich, was noch vor zwanzig Jahren unvorstellbar war.


    Bild Hans Heinzelmann


  • Zitat

    Die Feuerkraft, Beweglichkeit und Panzerung sind die wesentlichen Elemente eines modernen Kampfpanzers. Der "Leopard", eine deutsche Entwicklung, vereint diese drei Elemente in so ausgewogener Weise, daß er bis heute als der beste Kampfpanzer der Welt in seiner Klasse gilt. Seine Hochleistungskanone schießt treffsicher und schnell bis auf 2000 m. Eine Waffenstabilisierungsanlage erlaubt auch das zielsichere Schießen mit der Kanone während der Fahrt. Zu den Richtmitteln gehört ein Entfernungsmesser, mit dem sowohl im Raumbild - als auch im Mischbildverfahren gemessen werden kann. Ein starker Scheinwerfer - im viereckigen Kasten oberhalb der Kanone angebracht - erlaubt auch das Schießen bei Nacht: entweder mit Weißlicht bis auf Entfernungen von etwa 1500 m oder mit infrarotem Licht bis auf Entfernungen von etwa 1200 m. Mit seinem hydraulischen Schwenkwerk kann der Richtschütze den Turm ebenso schnell wie feinfühlig und präzise um 360 Grad schwenken. Außer seiner Kanone besitzt der Kampfpanzer Leopard ein Maschinengewehr, das neben der Kanone montiert ist, sowie ein weiteres MG auf dem Turmdach zur Fliegerabwehr.
    Ein Mehrstoffmotor von über 800 PS und die besonders gelungene Fahrwerkskonstruktion geben dem Leopard seine Beweglichkeit. Seine Geschwindigkeit von über 65 km/h bei einem Gefechtsgewicht von etwa 40 Tonnen stellt eine nicht übertroffene Leistung dar. Der Leopard kann ohne fremde Hilsmittel Gewässer bis Turmoberkanten-Tiefe durchwaten. Mit einem aufgesetzten Tauchschacht durchfährt er Gewässer bis 4,5 m Tiefe. Bei Nacht kann der Panzer mit Infrarotscheinwerfern das Vorgelände beleuchten, ohne vom Feind mit bloßem Auge gesehen zu werden. Ein Wort zur Servicefreundlichkeit: eine gut ausgebildete Besatzung eines Bergepanzers kann ein komplettes Antriebsaggregat in 15 Minuten auswechseln.


    Die Panzerung bietet der Besatzung Schutz vor feindlichen Infanteriewaffen, Artilleriegeschossen und Splittern sowie der thermischen und der radioaktiven Strahlung von Kernwaffen. Eine Überdruckanlage verhindert, daß Gase oder Giftstoffe in das Innere des Panzers eindringen können.
    Die Besatzung dieses Panzers besteht aus vier Soldaten: Dem Kommandanten, dem Richtschützen, dem Ladeschützen und dem Fahrer. Der Kommandant sollte ein längerdienender Unteroffizier sein, ist jedoch oft ein Wehrpflichtiger. Er trägt die Verantwortung für ein Fahrzeug von über 1,3 Millionen Mark Wert. Er hat die Einsatzbereitschaft des Fahrzeuges sicherzustellen und leitet im Gefecht den Feuerkampf seines Panzers. Er befiehlt dem Richtschützen, welches Ziel er bekämpfen soll, und weist den Fahrer an, wie er zu fahren hat. Der Richtschütze bekämpft entweder nach Weisung des Kommandanten oder auch selbstständig feindliche Panzer oder ander Ziele so, wie es der Auftrag vorschreibt. Der Ladeschütze sorgt nicht allein dafür, daß alle Waffen stets mit der erforderlichen Munition geladen sind, er ist darüberhinaus für die Einsatzbereitschaft des Funkgerätes verantwortlich. Jeder Kampfpanzer besitzt zumindestens ein Funkgerät mit einer Reichweite von rund 20 km. Mit seiner Hilfe kann die Besatzung - und zwar jeder einzelne Mann - mit den anderen Panzern der Kompanie sprechen. Untereinander ist die Besatzung mit einer Bordsprechanlage verbunden.Auch ihre Funktionsfähigkeit fällt in den Verantwortungsbereich des Ladeschützen. Der Fahrer des Leoparden muß seinen Kampfpanzer nicht nur im öffentlichen Straßenverkehr korrekt und sauber fahren können, er muß auch taktisch richtig im Gelände fahren: Das Ausnutzen von Bodenwellen für die Vorwärtsbewegung, das rechtzeitige Erkennen von feindlichen Minen, das schnelle Beziehen einer Feuerstellung in Zusammenarbeit mit dem Richtschützen erfordert Augenmaß, Fingerspitzengefühl und Reaktionsgeschwindigkeit. Fünf Leoparden gehören zu einem Panzerzug. Drei Züge bilden eine Panzerkompanie. Der Kompaniechef verfügt über zwei weitere Kampfpanzer zur Führung seiner Kompanie. Drei Panzerkompanien bilden ein Panzerbataillon. Ein Panzerbataillon kämpft meist geschlossen, um die volle Wucht seiner 50 Kampfwagen auf einen Auftrag konzentrieren zu können."



    Bild Hans Heinzelmann

  • Das Mannschaftsdienstgrade als Kommandanten eingesetzt wurden ist mir ja bekannt. Mein alter Herr war auch als HG Geschützführer von nem M42, aber dass man füher wohl noch nen halben Meter tiefer (4,5m) durchs Wasser konnte ist mir neu.
    Bei den Schächten, die wir beim Leo 1A5 verwendet haben, war in der Tiefwatanlage in Munster nur noch gut ein halber Meter Luft, und die Anlage ist vier Meter tief.

    Gruß, Marc




    Noch-irgendwelche-Sorgen-Nöte-Probleme-Anträge-keine-anfangen-mit-Dienst-wegtreten! :weg:


  • Zitat

    Unser Bild zeigt den Stab einer Brigade unmittelbar nach einer Befehlsausgabe. Eine Brigade: das ist ein militärischer Großverband, der aus mehreren Bataillonen besteht. Diese Bataillone gehören zu verschiedenen Waffengattungen. In der Regel handelt es sich um Panzergrenadiere, Panzer, Artillerie und Versorgungstruppen.
    Eine Brigade ist also stets ein gemischter Verband. Die Panzerkräfte geben ihr eine sehr hohe Stoßkraft und Geschwindigkeit. Dazu brauchen sie jedoch ein Gelände, in dem die Panzer ihre Kanonen auf mittlerer und weite Entfernung einsetzen können und in dem sie ihre Geschwindigkeit voll ausfahren können. Ein solches Gelände gibt es natürlich nicht überall. Fast immer wird eine Brigade auch um Ortschaften oder in waldreichem Gelände das Gefecht führen müssen. Für den Kampf in unübersichtlichem Gelände und bei Nacht sind die Panzergrenadiere besonders geeignet. Sie führen den Kampf entweder von ihren Fahrzeugen aus, also aufgesessen, oder aber sie kämpfen abgesessen, d.h. die Panzergrenadiergruppe (7 Soldaten) verläßt ihr Gefechtsfahzeug und kämpft mit den Handfeuerwaffen zu Fuß, während der Richtschütze mit der 20-mm-Kanone des Schützenpanzers ihren Kampf unterstützt. Sehr häufig wird die Brigade ihre Panzer mit den Panzergrenadieren mischen, so daß sich beide Waffengattungen gegenseitig unterstützen können. Eine sehr wesentliche Unterstützung erhalten Panzer und Panzergrenadiere durch das Artilleriebataillon der Brigade. Dies verfügt über 12 Panzerhaubitzen, das sind Geschütze auf gepanzerten Selbstfahrlafetten, die eine ausgezeichnete Geländegängigkeit besitzen und etwa 15 km weit schießen können. Wenn eine Brigade marschiert oder kämpft, braucht sie Versorgungsgüter in großen Mengen: Betriebsstoff, Munition, Verpflegung. Sie muß für ihre Verwundeten sorgen und ausgefallenes Gerät rasch wieder instandsetzen. Jedes Bataillon hat daher eigene Versorgungskompanien, die dies Aufgaben bis zu einem gewissen Grade selbstständig erfüllen können. Darüber hinaus besitzt die Brigade ein eigenes Versorgungsbataillon, dessen Leistungsfähigkeit natürlich bedeutend höher liegt und die Brigade befähigt, etwa drei bis fünf Tage lang auf sich selbst gestellt kämpfen zu können.
    Eine solche Brigade richtig zu führen, ist eine schwierige Sache: Es erfordert nicht allein taktisches Können, sondern ein hohes Maß an technischem Verständnis und sehr viel Organisationstalent. Im Garnisonsdienst wie auch im Felde steht dem Brigadekommandeur ein Team von Spezialisten zur Verfügung: der S 1 für alle Personalfragen, der S 2 für die Aufklärung und Sicherheit, der G 3 - ein Generalsstaboffizier - für alle Probleme des taktischen Einsatzes und der Ausbildungsorganisation, der G 4 - wieder ein Generalstabsoffizier - für die Probleme der Versorgung sowie ein Techbnischer Stabsoffizier, ein militärischer Ingenieur, für die Fragen der technischen Instandsetzung. Jeder von ihnen hat eine Gruppe fachlich besonders ausgebildeter Mitarbeiter zur Hand. Im Felde besteht die Aufgabe dieses Spezialisten-Teams darin, dem Brigadekommandeur jederzeit einen genauen Überblick über die Lage zu geben. Auf diese Weise kann der Brigadekommandeur seinerseits rasch Entscheidungen über den Einsatz seiner Brigade fällen. Der Stab hat dann die Aufgabe, diese Entscheidungen in Befehle an die unterstellten Verbände umzusetzen und sie diesen Verbänden auf die jeweils zweckmäßigste Art und Weise zuzustellen.
    Die Brigade kann ebensogut zu diesem Zweck die Führer der unterstellten Verbände zur Befehlsausgabe auf den Brigadegefechtsstand holen. Sie erhalten dann gemeinsam und gleichzeitig enen Überblick über die Lage des eigenen Verbandes, über den Feind und den Auftrag sowie über das, was sie selbst im einzelnen zu tun haben. Gleichzeitig erhalten sie Lagekarten und schriftliche Unterlagen, die sie für ihren Auftrag benötigen. Unser Bild zeigt, wie die Führer der unterstellten Verbände soeben das Zelt des Brigadegefechtsstandes verlassen haben und noch rasch einen kurzen Gedankenaustausch miteinander halten, ehe sie zu ihren eigenen Gefechtständen zurückfahren.


    Bild Oberstleutnant Klaus Neumann


  • Zitat

    Feuer und Bewegung sind die Hauptelemente des Kampfes von Panzerverbänden. Sie müssen fähig sein, schnell und kraftvoll anzugreifen, um die Beweglichkeit und Wendigkeit ihrer Panzer voll ausnutzen zu können. Und sie müssen mit ihren Bordwaffen, der Panzerkanone, dem Fliegerabwehr- und Turm-Maschinengewehr, jedem möglichen Gegener auf dem Gefechtsfeld gewachsen sein. Für die vierköpfige Panzerbesatzung (Kommandant, Richtschütze, Ladeschütze, Panzerfahrer) kommt es deshalb darauf an, Waffen und Gerät ohne Zeitverlust sicher zu bedienen und richtig einzusetzen. Es ist keine Übertreibung, daß jeder Handgriff "wie im Schlafe, fast blindlings" sitzen muß. Jeder Bruchteil einer Sekunde entscheidet, der beim Zielauffassen und Zielerkennen, bei der Wahl von Waffe und Munitionsart, bei der unverzüglichen Ausführung kurzer Feuerkommandos, bei der Schußbeobachtung und Schußverbesserung bis zum Treffer im Ziel, gewonnen wird. Deshalb wird die Panzerschießausbildung mit der hochgesteckten Devise betrieben: jedes auftretende Ziel mit dem ersten Schuß in kürzester Zeit treffen!
    Am Anfang der Schießausbildung steht mit der allgemeinen Einführung in die Schießtechnik wie immer zunächst die Theorie, die aber bald durch Einweisungen an den Waffen und Geräten sowie durch praktische Erläuterungen und Übungen am Schießsandkasten ergänzt wird. Dann folgen Richt- und Zielübungen vom Panzer auf dem "Kleinen" und "Großen Zielfeld", wobei die einzelnen Tätigkeiten innerhalb der Besatzung nach Feuerkommandos und Kommandos zur Schießverbesserung geübt werden. Zum ersten mal wird in Schießhallen oder auf Kleinschießplätzen geschossen, allerdings nur mit unterkalibriger "Abkomm-Munition", KK- und 14,5-mm-Munition. Diese ersten Schießen dienen der Verbesserung der Schießtechnik von Richt- und Ladeschützen und sollen die Panzerbesatzung auf die Schießübungen mit Übungs- und Gefechtsmunition vorbereiten. Dann geht es auf die Schießbahnen der Truppenübungsplätze zu den Schul- und Gefechtsschießen der Panzer. Beim Schulschießen wird noch von der Betonplatte der Schießbahn, also vom stehenden Panzer, geschossen. Die jungen Panzerschützen sollen sich an das Schießen im scharfen Schuß gewöhnen, die Feuerkraft ihres Panzers kennenlernen und Vertrauen zu ihren Bordwaffen gewinnen. Höhepunkte der langen und intensiven Panzer-Schießausbildung sind die Gefechtsschießen auf den Panzerparcours der Übungsplätze. Alle vorausgegangenen Stationen der Ausbildung und Übungen der einzelnen Schulschießen müssen mit Erfolg durchlaufen sein, bis die Besatzungen zeigen können was sie gelernt haben. Unter gefechtsähnlichen Bedingungen, in eine angenommene Lage hineingestellt, durch Funkbefehle gelenkt oder im selbstständig gelenkte Feuerkampf müssen sie das Parcourgelände bezwingen und dabei eine Vielzahl verschiedener, plötzlich auftauchender Ziele bekämpfen. Sie werden dabei kritisch beobachtet, ihre Treffer genau aufgenommen. Die Besatzungen wetteifern untereinander: der erste Schuß in kürzester Zeit ein Treffer!
    Der Kompaniechef ist natürlich auch anwesend. Er hatte den Ablauf der Ausbildung befohlen, sie baufsichtigt, Hilfen und Verbesserungen gegeben, Wiederholungen veranlaßt und schließlich dieses Gefechtsschießen angesetzt und vorbereiten lassen. Nun beobachtet er mit dem Doppelfernrohr, von einem Führungs-Funk-MTW M 113 des Bataillonsstabes das gefechtsmäßige Vorgehen und die Trefferlage jedes Einzelpanzers (unser Bild). Über die Funkgeräte des MTW kann er gleichzeitig die Funkbefehle, Feuerkommandos und Kampfgespräche, auch die Einlagen des Leitoffiziers, mithören und das Verhalten der Panzerbesatzungen verfolgen. Ihm darf nichts entgehen, denn von ihm wird nach dem Schießen Kritik erwartet. Das heißt: festhalten, welche Fehler und Mängel auftraten, gute Leistungen anerkennen. Er muß auch Folgerungen für die weitere Ausbildung ziehen. Denn er trägt als Vorgesetzter die alleinige Verantwortung. Wohl hat er mit seinen Feldwebeln und Unteroffizieren, "Funktionern" und "Unteroffiziersdiensttuern" erfahrene Gehilfen, die in ihren Teilbereichen ihm gegenüber verantwortlich sind. Seine Verantwortung für das Ganze aber bleibt unteilbar. Von einer 48-Stunden-Woche träumt er nicht einmal. Aber er, etwa Ende zwanzig, meistens Fmilienvater, hat einen Top-Job, um den ihn viele beneiden, die etwas leisten wollen.


    Bild Hans Heinzelmann

  • 24. Woche JUNI



  • 26. Woche JUNI



    Zitat

    Unser Bild zeigt aus dem großen Katalog der Pioniergeräte und Fahrzeuge die Planierraupe 60 PS. Sie fährt gerade auf den Gleitkipper eines geländegängigen 12-Tonnen-Lkw, um auf diesem zeit- und betriebsstoffsparend den nächsten Einsatzort zu erreichen. Die Planierraupe ist ein Flachbagger auf einem kräftigen Kettenfahrwerk. Deutlich zu erkennen sind der breite, hydraulisch bewegbare Fronträumschild und am Ende des Aufbaus zwischen den Ketten die Eintrommel-Seilwinde. Die Seilwinde kann auch durch einen Tiefreißer ausgetauscht werden.
    Was können die 60 PS schon viel schaffen? Nun, das ist eine ganze Menge; Einebnen von Flächen - Abräumen und Verschieben von Böden und Schüttgütern - Anlegen von Gräben und Böschungen - Herstellen von Deckungen und Baugruben - Roden - Schneeräumen. Und das ist noch nicht alles. Die Verwendungsbreite dieser Raupe beim Herstellen von Flugplätzen, Start- und Rollbahnen, Straßen und Bahntrassen, beim Bau von Feldbefestigungen und Sperren aller Art, beim Schaffen von Schuß- und Sichtfeldern für die Truppe und was der Erdarbeiten sonst noch sind, ist groß. Mit der Seilwinde kann man zudem noch Lasten schleppen, Fahrzeuge bergen, Mauerwerk ein- und Bäume umreißen usw. Wo dieses Allroundgerät der Pioniere auftaucht, wird viel Schweiß und Zeit gespart. Und es wird fachmännisch geholfen. Die Truppe dankt´s, und die Pioniere haben auch mit dieser Planierraupe im Sinne ihrer allgemeinen Aufgaben gehandelt: Unterstützung für Führung und Truppe in jeder Lage.
    Poiniere bauen, errichten, erhalten, verstärken, verbessern, helfen. Und Pioniere sperren, hemmen, beseitigen, sprengen, bekämpfen, zerstören. Was sie zum Nutzen der eigenen Truppe tun, können sie umgekehrt mit viel Geschick und List zum Schaden des Gegners ausschlagen lassen. Deshalb ulken die Kameraden andere Waffengattungen nur sehr einseitig, wenn sie meinen,: wo die hinfassen, wächst kein Gras mehr. Pioniere können nämlich auch sehr sorgsam mit einem Fleckchen Erde oder einem Stück Gelände umgehen. Kein Material, das sie nicht so oder so bearbeiten können. Kein Gelände, das durch sie nicht zu verändern wäre. Kein gebräuchliches Gerät oder Handwerkzeug, das Pioniere nicht zu handhaben wüßten. Sie sind die Handwerker, Bauleute, Techniker und Ingenieure im Gelände, auf dem Gefechtsfeld und wo immer sie gerbraucht und eingesetzt werden. Natürlich können sie nicht überall eingreifen, dazu sind sie, ihre Spezialgeräte und Sonderfahrzeuge viel zu rar und kostbar. Deshalb müssen einfache Pionieraufgaben auch von den anderen Waffengattungen selbst gelöst werden. Dort gibt es ja auch Künstler, die noch gelernt haben, mit Hacke, Beil und Spaten, mit Hammer und Säge, mit Bandstacheldraht, aber auch mit einfachen Spreng- und Zündmitteln umzugehen. "Pionierausbildung aller Truppen" heißt das, was sie dazu befähigen soll.
    Ein Blick in den umfangreichen Bestand der Pioniergeräte ist interessant und aufschlußreich. Da gibt es für das Überwinden von Gewässern Landungsboote, Flußfähren, Sicherungs-, Sturm- und Schauchboote, Schwimm-, Fest- und Panzerbrücken. Für den Erd- und Straßenbau stehen Planierraupen, Tiefreißer, Erdhobel, Erdbohrer, Raupenbagger, Gummiradwalzen, Straßenwalzen, Rammen u.a. zur Verfügung. Zum Heben und Schleppen gibt es Winden, Flaschenzüge, Autokräne und andere Hebe- und Zuggeräte. Die verschiedenen Handwerkzeugsätze werden ergänzt durch Motorsägen, Bohr- und Aufbrechhammer sowie durch Schweiß- und Schneidausrüstungen. Schließlich gibt es noch die wichtigen Tauchausstattungen. Wichtig deshalb, weil Gewässer in Mitteleuropa die häufigsten Geländehindernisse sind und Pioniere alles genau wissen wollen, wie es sich gehört.


    Bild Oberfeldwebel Rolf Bardet


  • Zitat

    Jeder militärische Führer zerbricht sich den Kopf darüber, welche Pläne der Feind verfolgen wird und wie er sie selbst am wikungsvollsten durchkreuzen kann. Er muß wissen, wie das Gelände beschaffen ist, in das ihn sein Auftrag führt. Ebenso will er feststellen, wo sich der Feind befindet, in welcher Stärke, mit welchen Waffen, wohin und wie schnell er sich bewegt oder ob es Räume gibt, in denen der Feind nicht aufgetreten ist. Je mehr er über den Feind weiß, desto besser schützt er seine Truppe vor Überaschungen und um so eher wird es ihm gelingen, seinen Auftrag mit den geringsten Verlusten auszuführen.
    Diese Informationen zu beschaffen, ist Aufgabe der Aufklärung. Sie arbeitet mit zum Teil außerordentlich raffinierten Methoden und einem hohen technischen Einsatz. Da gibt es z.B. die Luftaufklärung: Teilweise beobachten die Piloten der Kampfflugzeuge mit den Augen, was sich beim Gegner tut. Häufig fotografieren sie mit normalen Filmenoder auch Spezialfilmen das Geschehen auf der Feindseite. Radargeräte tasten nicht nur den Himmel, sondern auch das Vorgelände ab und erfassen z.B. Bewegungen gepanzerter Fahrzeuge. Man kann den Funkverkehr des Gegners mithören und auch daraus Schlüsse auf seine Stärke und seine Absichten ziehen. Natürlich weiß das auch die andere Seite. Sie wird alles daran setzen, ihre Stellungen und Waffen und Fahrzeuge zu tarnen, Bewegungen in die Nacht zu verlegen oder ihren Fm-Verkehr durch technische Maßnahmen zu schützen. Darüber hinaus wird sie versuchen, die Aufklärung in die Irre zu führen. Sie kann dazu Scheinstellungen anlegen oder Bewegungen vortäuschen und Funkverkehre ablaufen lassen, die keine militärische Bedeutung haben. Daher wird sich keine militärischer Führer auf die Ergebnisse technischer Aufklärungsmittel alleine verlassen wollen, so perfekt die Geräte selbst auch sein mögen. Die älteste, einfachste, aber oft auch die einzige zuverlässige Art der Aufklärung besteht immer noch darin, mit eigenen Augen zu beobachten, was sich auf der Feindseite abspielt. Dazu gibt es beispielsweise die Panzeraufklärungstruppe. Sie ist Aufgrund ihrer Ausstattung mit modernen Kampffahrzeugen sogar imstande, Aufklärungsergebnisse durch Kampf zu erbringen und dabei tief in feindbesetztes Gebiet einzudringen. Und dann gibt es immer noch den klassischen Infanteriespähtrupp. Er besteht meistens aus einer Panzergrenadier- oder Grenadiergruppe, die nach dem Motto "viel sehen ohne gesehen zu werden" ihren Auftrag ausführt. Dazu gehört eine geschickte Tarnung und die Fähigkeit, sich lautlos und jägermäßig im Gelände bewegen zu können. Dazu gehört ein scharfes Auge und ein geschultes Ohr, mit dem der Spähtrupp den Gegner ausmachen kann, ohne selbst erwischt zu werden. Meistens schleichen sich die Spähtrupps bei Dunkelheit und Dämmerung nach vorne. Dann spielt das Orientierungsvermögen der Spähtruppführer eine besonders wichtige Rolle. Immer muß ein Spähtrupp darauf gefaßt sein, daß er überraschend und auf kurze Entfernung mit dem Feind zusammentrifft. Blitzartig muß dann der Spähtruppführer entscheiden, was er tun will. Im Schlaf muß jeder seiner Soldaten seine Waffen beherrschen oder lautlos von der Bildfläche verschwinden können. Der Spähtruppführer meldet seine Beobachtungen zumeist mit Hilfe tragbarer Funksprechgeräte. Es gibt andere Lagen, in denen der Spähtruppführer einen oder mehrere Melder zurückschickt. Das hört sich ganz einfach an. In Wirklichkeit verlangt ein Meldeauftrag vom Soldaten ein hohes Maß an Kondition und Ausdauer, denn er muß rennen, wenn die Meldung nicht zu spät kommen soll. Er muß den Weg zu seiner Einheit wieder finden und darf sich unterwegs vom Feind nicht abfangen lassen. Ausdauer und Findigkeit, Mut und Entschlußkraft werden dabei auf eine harte Probe gestellt. Eine gute Meldung, die zum richtigen Zeitpunkt eintrifft, ist oft eine entscheidende Voraussetzung für den Kampferfolg.
    Die Soldaten auf dem Foto sind Angehörige der Jägertruppe. Diese leichte Infanterietruppe gibt es seit wenigen Jahren. Sie kämpft insbesondere im waldreichen und stark durchschnittenem Gelände, in dem mechanische Verbände ihre technische Überlegenheit nicht ausspielen können. Körperlich hart trainierte Soldaten, die dazu einen Jägerinstinkt besitzen oder wieder entdeckt haben und sich im Gelände geschickt verhalten, werden dort ihre leichten Infanteriewaffen jedoch besonders wirkungsvoll einsetzen können.


    Viele Wochen seiner Dienstzeit verbringt der Soldat auf Truppenübungsplätzen. Es sind besonders wichtige Wochen seines ganzen Dienstes. Denn nur auf diesen Truppenübungsplätzen lernt er wirklich das militärische Handwerk. Hier stellt sich heraus, was er wirklich kann. Oft lebt der Soldat in Zelten. Der Gefechtsdienst geht rund um die Uhr. Das Wetter spielt keine Rolle. Auf die Jahreszeit nimmt niemand Rücksicht. Wenn es um Härte und Wirklichkeitsnähe der Ausbildung bei Nacht, im Winter und bei jedem Wetter geht, hält die Bundeswehr jedem Vergleich mit anderen Armeen stand. Unsere Öffentlichkeit macht sich oft ein falsches Bild von der Leistungsfähigkeit unserer jungen Soldaten. Im Grunde ist das kein Wunder: Der Bürger sieht seine Soldaten zumeist nur im Standort. Hier vermißt er dann ein straffes Auftreten oder das, was in früheren Zeiten als militärischer Eindruck galt. Die Ausbildung am technischen Gerät sieht er selten und wenn, kann er sie meist als Laie nicht beurteilen. Die Ausbildung im Gefechtsdienst sieht er überhaupt nicht, denn sie vollzieht sich abseits der Öffentlichkeit auf Truppenübungsplätzen. Und gerade hier haben die jungen Soldaten der Bundeswehr stes bewiesen, daß sie bereit sind, sich auch Härten, Belastungen zu stellen und in Übungen oder Manövern ihr Bestes zu geben. Die Truppe kann sich mit ihren Leistungen im Gefechtsdienst jederzeit und überall unter Fachleuten sehen lassen. Und nur darauf kommt es an.


    Bild Hans Heinzelmann