Mitchell Helmet Cover bei der Bundeswehr

  • Hallo Leute,


    vor einiger Zeit hat mir ein Bekannter erzählt, dass es angeblich auch die amerikanischen Mitchell-Helmbezüge bei der Bundeswehr gab. Wann und in welchem Umfang konnte er jedoch nicht sagen. Wie immer bei solchen "Schtories" fehlen belegbare Quellen.
    Die Mitchell-Helmbezüge gab`s spätestens ab 1962 in großen Stückzahlen beim US Marine Corps. Zur Zeit der ersten Phase der Bundeswehr (1956-59) befand sich der Helmbezug noch selber in Entwicklung.


    Ich weiss, hört sich verrückt an :lol: aber vielleicht kann ja jemand was dazu sagen.


    Hier is mal so`n Teil:


    Mit seiner Frühling/Herbst Seite hat er doch auch eine kleine Gemeinsamkeit mit dem Amöbentarnmuster.


  • In der Vor-Flecktarnzeit wurde häufig der jeweilig aktuelle Ami-Bezug adaptiert....
    Meine Murmel im Keller auch. Ami Flecktarn aus Anfang 1990, Tarnnetz drüber und dann noch das schicke Gummiband mit den Reflektoren hinten. Die ganz mutigen haben sich dann vorne noch den passenden US-Rang draufgesteckt.


    Die Amis hat's gefreut, unser Korps-Art-Kdr war nicht so begeistert... :)


    Die Wahrheit liegt dann wohl in der Mitte. Helmbezug: Ja, aber auf dem kleinen Dienstweg getauscht oder so.


  • Und alle mussten sich daran halten


    Ähm, Du warst nie beim Bund, oder? ;)


    Gerade die Vorschriften zu Uniform und persönlicher Ausrüstung wurden früher etwas... hmm, sagen wir mal toleranter ausgelegt- zumindest von den Soldaten die sich daran halten sollten :P


    (War bei mir damals nicht anders :whistling: )

    Ein guter Freund besucht einen im Knast, wenn man Mist gebaut hat.
    Ein echter Freund sitzt im Knast neben einem und sagt, "War aber trotzdem 'ne klasse Aktion."

  • Hallo,


    also wir hatten damals '91 beim Pz.Aufkl.Btl.12 die Erlaubnis selbst beschaffte Tarnbezüge zu tragen. Ich hatte einen Mitchell ein Stubenkamerad einen Erdl Bezug. Ausgegeben wurde nichts dergleichen.


    Gruß, Christian

  • Hallo Lorenz,


    ja, du hast mich erwischt ! Ich bin nach meiner Musterung sofort in die Reserve gegangen. Ich hab der alten Generation der Veteranen auf`s Klo geholfen ;)
    Mein Pa war bei der sozialistischen tschechoslowakischen Volksarmee (CSLA) in den späten 50er Jahren und der hat mir eigentlich nur Gruselgeschichten über den
    Militärdienst erzählt. Mit den einfachen Rekruten wurde wohl extrem erniedrigend umgegangen. Das führte dazu dass die Truppe und die niederen Chargen damals
    pro USA, pro West eingestellt war. Jedenfalls bin ich damals lieber Zivi geworden und habe doch immer auf die Leute geschielt die zum Bund sind und später hab
    ich dann erst verstanden dass die Bundeswehr gegenüber den einfachen Soldaten Respekt empfindet.



    Weiss eigentlich jemand wie man beim Bund an die Ausrüstung der Amis gekommen ist? Gemeinsame Manöver, Pokerrunde?



    Hallo Kai, vielen Dank für das Bild!!
    Das Foto ist super!! Woher stammt es?
    Das ist ein ERDL-Cover würd ich mal sagen.



    Viele Grüße !


    Martin

  • @ Martin - Stahkoppi


    Das Bild stammt aus dem Buch
    "Unser Heer - The GermanArmy" (ISBN 3-932385-02-0)
    erschienen 1998 im REPORT VERLAG
    und ist nur ein Bildausschnitt, den ich mal schnell abfotografiert habe, um etwas Leben in den Beitrag zu bringen.


    Gruß
    Kai

  • Hallo Martin,


    war Herbst 81 in der Grundi in Münsingen. Hab mir und anderen Kameraden genau den Bezug von Kai´s Beitrag besorgt. War innen in braunen Tönen gehalten, andere nicht, nur grüne Rückseite.


    Seinerzeit zog man los-in der Freizeit- und lief den nächsten Bundeswehr/US-Army shop an. Die gabs damals sehr zahlreich.


    Dort deckte man sich mit Springerstiefeln, Bw-sauteuer, 200DM, oder die Pseudoamilatschen mit der ( :auslach: "geschraubten" Sohle. made in Taiwan) für 70 DM, andere Handschuhe, Taschenofen Benzin oder Kohlestab, anderen Schnickschnack und diese stark gebrauchten Helmbezüge für 5DM ein.


    So war das damals bei mir/uns.


    Gruß


    Bernd


    Mit den Amis hatten wir so gut wie keinen Kontakt, eher mit den Franzmännern, aber deren Ausrüstung war noch schlechter als unsere- zumindest für den Winter.

    "Nur wenige sind es wert, daß man ihnen widerspricht"!

  • Der amerikanische Helmtarnbezug wurde sehr häufig privat beschafft und "geduldet" - siehe angefügtes Bild von einem Feldwebellehrgang der Feldjägertruppe in Sonthofen 1987.
    Auch andere Abweichungen wurden durchaus toleriert, wenn sie zweckmässig erschienen. Wir hatten uns z.B. damals eine bequeme Trageweise der ABC-Schutzmaskentasche auf dem Rücken angewöhnt, wie sie das 2. Foto zeigt. Die Probleme mit der beim schnellen Laufen ständig hin- und her schleudernden Tasche an der linken Seite sind ja hinlänglich bekannt, außerdem war es fast unmöglich, mit diesem Koffer an der Seite nebeneinander z.B. im 0,4 to zu sitzen. Bei einem Besuch an der LL/LTS hatten wir uns dann diese Trageweise abgeguckt, die dort üblich war. Irgendwann hat mich dann in Sonthofen unser Schul-Kdr auf diese Eigentümlichkeit angesprochen - als ich dann erklärte, wir hätten das von er LL/LTS übernommen, war er zufrieden.


    Teilweise hat man sich sogar Ausrüstung von den Amerikanern "geliehen". Anno 1985 hat der Stab der 12. Panzerdivision in Veitshöchheim anlässlich irgend eines hohen Besuchs von seiner Feldjägerkompanie eine "dekorative Absicherung" verlangt. Da wir damals noch keine Splitterschutzwesten hatten, haben wir uns welche von unserer amerikanischen Paten-MP-Kompanie geliehen, haben die Posten dann damit und mit den weißen Kradhelmen der Eskortefahrer ausstaffiert und fertig war die dekorative Absicherung. Kam groß raus.

  • Hallo Bernd und auch Prospero,


    das ist sehr interessant!!! Vielen Dank für eure Beiträge und vor allem auch die Bilder. Ich bin hier bei multiboard grünster Frischling und erfahre hier in kürzester Zeit so viele Infos !!!


    Ich habe tatsächlich bis vor kurzem gedacht dass diese Art der Adaption von Ausrüstungsgegenständen nur in Armeen vorkommt die ohnehin auf eigene Technologie verzichten und sich über ausgemusterte Lagerbestände versorgen. Also sozusagen die sogenannten "Bananenrepubliken" (ohne das Wort rassistisch missbrauchen zu wollen). Und natürlich im ersten und zweiten Wltkrieg wo man Waffen und Ausrüstung übernahm die der eigenen überlegener war oder einfach weil Mangel herrschte.


    Bernd, Ich war erst Ende der 80er Anfang 90er groß genug um Interesse an Armyshops zu haben. In München gabs auch einen großen Kleidermarkt unten am Isartor und da gabs auch jede Menge BW und Army Sachen.


    Prospero, ich denke dass auf dem ersten Foto in Sonthofen unter dem Bundeswehrnetz ein Amöbentarnanzug schlummert.



    Waren den die Ausrüstungsgegestände der Bundeswehr nicht gut genug, so dass man auf anderer Armeen Ausrüstung zurückgriff? Im Fall des Helmbezugs gabs doch den Flecktarnbezug der sich für BW helme prima eignet weil er keine überstehenden Stoffzungen hat die dann zwischen Innenhelm und Aussenhelm geschoben werden.


    Viele Grüße


    Martin

  • Ich habe mal im Fotoalbum gekramt.



    UWB Orts- und Häuserkampf in Hammelburg 1992.


    2 Kameraden mit "blankem" Helm und dienstlich geliefertem Netz,
    2 Kameraden mit US amerikanischem woodland pattern Stoffbezug und dienstlich geliefertem Netz
    und meine Wenigkeit mit Splittertarnbezug (von meinem alten Herrn geerbt), dienstlich geliefertem Netz und dann noch das schicke Gummiband mit den Reflektoren hinten.(wie Thomas/Rybezahl) :)


    Der Splittertarnbezug gab öfters Diskussionen.
    Meistens mit älteren Kameraden, die mir das Teil abkungeln wollten.


    Die Lehrvorführung, ich glaube das war KONTERSCHLAG, war hochinteressant.
    Im Anschluss ging das Gerödel richtig los.


    Panzermänner beim Orts- und Häuserkampf!


    Viel gelernt, viel Spaß gehabt, viele blaue Flecken kassiert und verdammt viel geschwitzt.


    "HUT AB" vor der Infantie, aber das ganze vom LEO aus zu sichern ist doch deutlich angenehmer. 8)


    Markus

  • Hallo Martin,


    gerne geschehen, denn dazu dienen ja Foren ;-), bin selbst immer wieder erstaunt was hier geantwortet wir. Besonderen Dank möchte ich hier Jens (Bundesbär)und Kai (Stiwa) zukommen lassen ;-) ist auch für mich fast unglaublich was die wissen bzw. in ihren Sammlungen haben.


    "Waren den die Ausrüstungsgegestände der Bundeswehr nicht gut genug, so
    dass man auf anderer Armeen Ausrüstung zurückgriff? "


    Ja hier verhält es sich wie auch bei kleinen Kindern: "Was der andere hat ist immer besser" ;-). hinzu kommt, dass man im Einsatz die Qualität anders beurteilt als aus der Ferne und BW Qualität war nicht immer erste Sahne!!! Die alten BW Teile wie "Feldhemd gewirkt", sprich das "Nachthemd", die alte PzKombi ohne Futter und Knobelbecher waren in meinem Ranking immer vorne.Das neuere Zeug... war schlechter(z.Bsp. die Materialdicke der Feldanzüge. Mit den alten in Stellung-o.k. ...mit den neueren...Knie aufgerissen...)
    (Tatsache ist, dass ich mir z.Bsp. im BW-Schlafsack, die zweite Version, mit Ärmel und getrennter Pelle, den A. abgefroren habe. Mein Spieß gab mir den Tip bei Minusgraden nen US-Daunen zu nehmen und damit in den Bw zu steigen. Hat gefunzt. Dank an Ihn!


    "Im Fall des
    Helmbezugs gabs doch den Flecktarnbezug der sich für BW helme prima
    eignet weil er keine überstehenden Stoffzungen hat die dann zwischen
    Innenhelm und Aussenhelm geschoben werden."


    Hier zunächst: in 1981 gab es noch lange kein Tarnmuster. Das kam erst mind. 10 !!! Jahre später. Tarn gabs nur bei den Amis und beim BGS. Aber das war halt OBERCOOL.
    und die Stoffzungen kannst locker unter dem Innenhelm durchschieben und mit den Klammern des Netzes fixieren.


    Man sah schmachtend den ganz wenigen "alten Kameraden" nach, die noch ne alte BW-Tarnjacke im Feld trugen...hielt das damals noch für Wehrmacht. :whistling:


    Ja und der Kakao in Dosen 0,2l den die Franzmänner als Fertiggetränk erhielten war für mich bis heute unerreicht. Da brauchtest auch noch nen Dosenöffner mit Haken-kennt heute keiner mehr und da gab es noch-ohne Witz- die Flasche Champagner für DM 5. Nur war die immer entkorkt, also zum Sofortverbrauch gedacht. Dafür haben wir das Parfüm ("Chanel" etc. in den MG Kisten im Keller des Panzers aus dem frz, Hoheitsgebiet "evakuiert"). Münsingen, Lager Kohlenbissen, :yes: . Das war im Okt/Nov. und da waren auch Fallis mit Krakas, da warst der held wenn denen nen Kanister mit Sprit überlassen konntest. Und dann gingen die im Landmarsch zurück nach Nagold...mein Gott wie haben wir die bei den Temperaturen bedauert.


    Aber das ist schon ganz lange her ....


    Gruß


    Bernd


    Nachtrag:
    Der letzte Teil liest sich so "partymäßig". Dem war NICHT so! Uns wurde auch der A. aufgerissen und alles abverlangt. Ganz zu schweigen von dem versifften Lager /Baracke BT 76 in dem wir nächtigen durften. Da liefen die Ratten im offenen Dachgebälk über uns weg. ..kann sich heute wohl kaum mehr einer in Deutschland vorstellen.

    "Nur wenige sind es wert, daß man ihnen widerspricht"!

    3 Mal editiert, zuletzt von bghdh ()

  • Bei uns hieß es in der Grundi Anfang der 90er. Wer keinen Helmbezug hat, hat sich gefälligst den Helm zu tarnen. Von da ab war der umgehend gekaufte US-Helmbezug bis zum Ende auf dem Eisenhut.
    In der Stammeinheit war ich dann auch nicht mal der einzige mit genau diesem Bezug. Ein Oberfeld bei uns hatte einen Amöbentarnbezug getragen.
    Und vom Flecktarn hatte man gerade mal gehört.
    Gruß,
    Oliver

  • Hallo Markus,


    cooles Bild! :thumbsup: So eins hät ich auch gern (natürlich dann mit mir drauf). Und den schönen Splittertarnbezug hät ich dir auch versucht abzuschwatzen :dev: . Das Schöne ist ja dass die
    meisten von euch hier einen persönlichen Bezug zu den Sachen und der damit verbundenen Erlebnisse haben.


    Interessant finde ich vor allem dass die Bundeswehr also nur Helme und Netze ausgegeben hat? Und der Rest war also einem selbst überlassen? War aber eigentlich gerne gesehen.


    Ich habe auch noch nie wiederverwendete Wehrmachtsausrüstung beim Bund gesehen. Dabei hätte man doch Splittertarnzeltbahnen von der Wehrmacht für Bezüge verwenden können?
    Bei ebay ist jede Woche eine drinn also muss es doch einen großen Vorraz an den Dingern geben.


    Viele Grüße


    Martin

  • Hallo Bernd,


    das ist mir auch aufgefallen dass viele der neueren Sachen irgendwie nicht die gleiche Qualität besitzen wie die alten. Ich habe früher das meiste über Flohmärkte und Armyshops gekauft und nach und nach waren die alten Bestände verschwunden und wurden dann durch das moderne Zeug ausgewechselt. Ich benutze ja gerne BW Ausrüstung im Alltag und mir ist es auch schon passiert das die alte Ausrüstung bis heute noch hält wobei sich manches neue Ding schnell verschlissen hat.


    Die Vorgehensweise ist wahrscheinlich so: Die Armee macht Vorgaben und die Hersteller versuchen durch die passenden Prototypen den Zuschlag zu bekommen (ausser vielleicht beim Starfighter). Neuerdings hab ich das Gefühl dass die Chinesen den Zuschlag bekommen haben. Eine BW Wintermütze löste sich nach nur drei Wochen tragen auf.


    Aber wie entstehen solche Vorgaben. Schlafsack ist zu dünn und zu kalt. Wurde der vom Jeti getestet. Scheint aber kein Einzelfall zu sein. Meinem Vater haben sie beim tschechischen Militär zu seiner dünnen Winterausrüstung gesagt das falls ihm kalt sein sollte ist das kein Problem denn ein Soldat kennt nur zwei Zustände: Vojak lezi nebo bezi! (übersetzt heisst das: Ein Soldat liegt oder läuft.) In diesen Fällen wurde dann von Mutter nachgerüstet wie mir meine Oma erzählt hat.


    Mir fällt da auf dass die Verantwortung in der BW scheinbar mehr auf den einzelnen Soldaten geschoben wurde.


    Ich nehme an es war doch wichtig das alle Soldaten ein einheitliches Bild ergaben. Also dass man am Ende nicht das Gefühl hatte einen Haufen Söldner zu kommandieren. Aber jeder konnte für den nötigen Komfort sorgen.


    Viele Grüße


    Martin

  • Bernd und Ollie !


    wenn ich das richtig verstehe dann gab`s einfach mal bis in die 90ger Jahre diese tollen Flecktarnbezüge gar nicht ???


    Aber in den 90er Jahren wurde doch auf einen anderen Helmtyp umgestellt. Also gab`s sozusagen bis auf die Helmnetze und selbstgefertigten Helmbezüge nix offizielles obwohl es ja militärisch wichtig ist, dass der Helm nicht schon von weitem als Zielscheibe vom Gegner benutzt wird.
    Und die vielen Flecktarnbezüge die jetzt Ebay verstopfen und eigentlich immer nagelneu sind? Waren die denn jemals noch auf einem alten Stahlhelm? Bis wann hat man denn Stahlhelme überhaupt verwendet?


    Und was mich auch interessiert. Wie sind eigentlich Wehrdienstleistende in dieser Fragestellung zu sehen? Die waren doch wahrscheinlich nur bedingt motoviert ihre Ausrüstung zu verbessern und aufzupeppen. Nach der Gruindausbildung hab ich von den meisten immer nur gehört wurde nur noch die zeit abgesessen.


    Viele Grüße und vielen herzlichen Dank an euch alle für die Beiträge!!!! Ich habe in kürzester Zeit mehr gelernt als in einem Jahr Sammlerbücher wälzen.


    Martin

  • Na wie ich schon erwähnte, wenn du die Option hast nen Bezug für ca. damals 2DM auf den Helm zu packen oder jedesmal Grünzeug zu Pflücken fällt die Wahl nicht schwer.
    Viel habe ich, wenn ich mich recht erinnere, nicht angepasst.
    Einige haben sich die weichen/Leder gefütterten Stiefel aus dem Armeeshop gekauft.
    Einige olive Strickhandschuhe. Im Winter ab minus 10°-15°halfen die grauen Lederhandschuhe nicht wirklich was
    Anpassung fand bei manchen auch bei Essgeschirr statt. Um sich das putzen zu sparen. Dann wurden die Teile innen mit einem Gefrierbeutel ausgestattet. War aber nicht mein Ding. Das sah immer so umständlich aus, wenn die Tüten zusammenpappten.
    Gruß,
    Oliver

  • Hallo Martin,


    jeder hatte so seine Erfahrungen und hat das für sich beste draus gemacht.
    Olli , das mit den Gefrierbeuteln war mir bis grade unbekannt, macht aber Sinn wenn Dich damit "beschäftigen" willst 8|  
    Bei uns war Gras angesagt um "grob" vorzureinigen. Mit den Beuteln hätten Dich die Ausbilder in tiefster Gangart in die Botanik geschickt.


    Bei den wehrpflichtigen Kameraden war pers. Bequemlichkeit und finanzielle Bonität angesagt. Wer Kohle hatte besorgte sich die Ami-Repros (geduldet) weil die leichter waren als die eingeschwärzten braunen (waren meine liebsten und besten überhaupt bis sie im S-Draht geschlitzt wurden, solche Qualität hab ich dienstlich nie mehr erhalten). Das zweite Paar Kampfstiefel waren die Gamaschenstiefel (Timoschenkos genannt). Die gingen ungetragen bei der (W15er)Entlassung zurück an die STOV. Ich durfte die dann gegen neue schwarze genarbte KS umtauschen. Sonst waren nur die Helmbezüge und Taschenofen "im Umlauf". Sonst war ja alles verboten, nur im Gelände "übersehen". Konntest aber auch nicht als Bettes im 56 Tarn, den du nicht hattest, rumlaufen. Das war im Btl. EINEM OFw vorbehalten.


    Kurze Episode zum einheitlichen befohlenen "Schwachsinn": Münsingen, Dezember, 15 Grad minus. Es war verboten die Klappen (beide) der Wintermütze abzuklappen weil das "unsoldatisch" aussah :T :T :T Damals (81)hat noch -zumindest bei uns- keiner einen Wehrbeauftragten gekannt, dafür die sowjetische Militärmission :motz:
    Von den grauen Lederhandschuhen brauchen wir nicht reden, die waren im Winter Schrott und andere dienstliche gabs nicht. Jahre später gabs erstmals Innenhandschuhe aus Parkafell geschneidert für die dreifingigeren ABC Handschuhe. Und Jahre später dann die warmen Fausthandschuhe. Ich erinnere mich noch dass ein Kamerad die Wollhandschuhe seines Opas von der Wehrmacht im Feld getragen hat.Das war aber ein Einzelfall.


    Ja und nochwas fällt mir ein: 83 wurde der dritte Kampfanzug (der jagdmelierte, die kratzige Filzlaus) ersatzlos eingezogen. Soweit sogut, keiner heulte dem nach.
    Ich glaube zwei Winter später gab es einzelne kleinnere Erfrierungen oder/und starke Unterkühlungen,der Wehrbeauftragte schrie jetzt auf! dann gab es einen "neuen" "Winterkampfanzug"...Ihr dürft einmal, aber nur einmal raten...die "Filzlaus" wurde wieder ausgegeben :yes: :yes: :yes: aber warm war sie und hat geraschelt(Plastik in der Schulterpartie).


    Zum Thema Flecktarn: Ja der alte Helm Bodentruppen erhielt den Tarnüberzug welcher innen weiß war.-wir steckten uns vorher im Winter zerrissene Bettwäsche mit Tarnstift und geschwärztem Korken verschönert unter das Netz. Etwas später gabs dann den neuen ("Fritz")Helm mit eigenem , größeren Überzug. Das war aber um 93 rum. Ich bekam weder Flecktarn noch Fritzhelm als Sept.93 Ende war.




    Zum Thema Helmtarnung: Da gab es außer originaler Botanik -die auch immer sofort der Umgebung angepasst werden musste, wenn Pech hattest mehrfach an einem Gef.Tag (Gras, Laub, Nadelgehölz und zurück und immer wieder neu) aber die Wirkung hat es bestätigt. ("Schweiß spart Blut"war der Spruch).
    Das beste war danach, dass beim Wochenendappell der gewaschene, ungleichmäßig matte Helm wegen der Einheitlichkeit mit Öl eingerieben werden musste damit sie einheitlich wie polierte Affenär... glänzten :T :T :T über mit Schuhkreme am Steg eingeschwärzten Gummisohlen decken wir jetzt den Mantel des Schweigens.
    Meine späteren Jungs hatten es besser, :) .


    Das waren jetzt einige meiner Erfahrungen.


    Möchte hier aber betonen, dass Dienst in der BW auch damals kein Abenteuerurlaub war. Hab hier so manchmal das gefühl dass manche es so sehen. Der Dienst war hart, manchmal sehr hart aber es hat uns nicht geschadet. War Z 2 von Anfang an, erweitert auf Z 8 und zum Schluß Z12. Und ich bereue nichts!


    Hoffe jetzt Euch nicht gelangweilt zu haben.


    Gruß
    Bernd

    "Nur wenige sind es wert, daß man ihnen widerspricht"!

    Einmal editiert, zuletzt von bghdh () aus folgendem Grund: Bild ergänzt

  • Mensch Bernd,


    vielen Dank!!
    und in diesem Zusammenhang auch vielen Dank an Oliver !!


    deine/ eure Erfahrungen sind Gold wert und langweilen mich :] und ich hoffe auch die Mitlesenden überhaupt nicht. Das hat mit ein paar falschen Vorstellungen bei mir aufgeräumt.
    Mit den Abkürzungen kann ich leider nicht so viel anfangen Z2-Z12 aber ich denke dass sind die Dienstjahre für die man sich verpflichtet hat?


    Spannend finde ich, dass die Helme anschliessend gefettet wurden um besser auszusehen.


    Hat eigentlich jemand ne Ahnung ob auch WH Splittertarn noch verwendet wurde? Jay Dee hat in einem anderen Fred das grundsätzlich verneint.
    Aber splittertarn wurde dann für den Bundesgrenzschutz in den 50ern neu aufgelegt? Und fand dann auch den Weg in Form von Uniformen/ Helmbezügen in die Bundeswehr, richtig? Ich mutmaße hier nur. Vielleicht könnte das jemand bestätigen.


    Übrigens wurden erst vor kurzem sehr schöne Fotos der frühen Bundeswehr auf Ebay verkauft. Da waren Soldaten noch mit Garands/ Carbines bewaffnet zu sehen und natürlich in sehr frühen Uniformen. Irgendwer hat beinahe alle Fotos radikal aufgekauft. Scheint also doch recht selten zu sein.
    Die Helmtarnung auf den zweiteiligen Helmen war aber durchweg Botanik.


    Viele Grüße


    Martin

  • Ihr Witzbolde !


    Mein schöner Thread ! :lach:


    Für die Helmsammler unter uns fällt mir zu Mitchell Covern auch noch dass da ein:


    Bei ebay.us werden von Mitglied "easy green" immer schöne Airborne Helme eingestellt.
    Einziger Haken easy green bemalt die selber und die Sammler unter uns wissen wieviel
    ein bemalter Topf wert sein kann und deshalb kam hier die Anleitung aus dem US Militaria
    Forum sich den selber zu basteln:

  • Hallo zusammen,


    also wenn man die Beiträgr so verfolgt werden doch einige sehr ähnliche Erinnerungen geweckt. Ich habe auch das eine oder andere der Ausrüstung ergänzt: Handschuhe, Taschenofen... Ein Woodland-Cover hatte ich auch auf dem Helm, das war weit verbreitet. In der Grundi allerdings gab es nur das Helmnetz. Bei Lagerung auf dem Spind war der Helm blank, das Netz kam nur beim Geländetag drauf und wurde dann rasch mit Blättern, Gras etc. gefüllt. Später war die Helmtarnung nicht mehr so wild, man lag eigentlich kaum noch in einem Loch und musste die Helmform verschleiern. In Fahrzeugen ist sowas doch eher unüblich. Bei der Infanterie ist es natürlich was anderes. Die Umrüstaktionen auf Flecktarn etc. hat ja nie die ganze Bw gleichzeitig betroffen. Es ging ja eher nach Truppengattung und Einsatzstaus. Nach dem Motto: der Infanterist muss getarnt sein, der Instler kann ruhig noch eine Weile in oliv rumlaufen. Mein Batallion (Artillerie) ist 1993 auf Flecktarn umgekleidet worden, aber nur weil wir zu diesem Zeitpunkt "Krisenreaktionskräfte" waren. Ich weiß nicht mehr wie das Gegenteil hieß, die ihr oliv noch länger tragen mussten. Wir hatte dann aber immernoch Stahlhelme/Netz und Koppel mit Tragehilfe. 1994/95 kamen dann die Tarnbezüge Flecktarn für die Stahlhelme auf. Anderswo gab es da schon Gefechtshelm un Koppeltragesystem. Mein damaliger stv Zugführer hat dann mal zwei Koppelsysteme über die Bekleidungskammer organisiert und ich habe zeitweilig auch mal den US-Helm PASGT "Fritz" getragen, mit BW-Bezug (s.o. US war immer besser :D ) Nein, kann man nicht pauschal sagen aber der US-Helm war bequemer als der BW-Stahlhelm und aufgefallen ist es nur einmal. Meine Batterie wurde dann erst 1997 mit neuen Koppeln und Gefechtshelm ausgestattet weil es in den Einsatz ging. Was dann wieder mit Ausrüstung losging (Tropenstiefel und so) ist eine andere Geschichte aber seit die Bw auch Krieg führt ist die Selbstversorgung mit Ausrüstung ja noch häufiger geworden.


    Gruß

    Marcus