Die letzte Bastion.

  • Dem einen oder anderen mag ja bekannt
    sein, dass mich mein alter Borgward seid nunmehr 18 Jahren durch`s
    südliche Afrika bewegt.


    Zwar führten uns unsere Routen vom
    südlichsten Punkt Südafrikas (Cape Agulhas ) bis zum Lake Natron in
    Tansania, wir kamen durch Botswana, Malawi, Sambia, Zimbabwe, aber in
    jedem Jahr wurde noch eine mehr oder weniger große Tour in Namibia
    gefahren. Manchmal trieben wir uns auch den ganzen Urlaub in
    Namibia herum, und erforschten das Land bis in die hintersten Winkel.



    Auf diese Art und Weise verschwanden
    für uns immer mehr weiße Flecken auf der Landkarte, aber einer
    blieb. Der Van Zyls Pass.


    Dieser Pass im Nordwestlichen Namibia,
    im Himba-Land oben am Kunene, wurde an fast jedem Lagerfeuer erwähnt.



    Man erzählte sich, das kein Pass und
    kein Weg in ganz Namibia schlimmer sei, als dieser Weg.


    Die, die nur davon gehört hatten,
    wussten genau so viele Geschichten über den Pass zu erzählen, wie
    die wenigen, die ihn wirklich bezwungen hatten.


    Und jeder wusste, das die Strecke
    absolut Materialmordend wäre, und die Wahrscheinlichkeit, hier
    seinen letzten Pup zu röcheln, war durch die Streckenführung der
    Trasse um ein vielfaches höher als auf normalen namibischen Straßen.
    Und die waren schon nicht ganz Ohne !



    All diese Erzählungen machten den Pass
    für mich natürlich auch interessant. War er wirklich so schlimm ?
    Übertrieben die vielleicht nicht alle ein bisschen ?



    Wenn die Leute meinen alten Borgward
    sahen, und ich sie dann fragte, ob damit der Van Zyls Pass ginge,
    schüttelten 95 % den Kopf. Die restlichen 5 % meinten, möglich
    wäre es vielleicht, aber das alte Auto würde enorm leiden.



    Aber nun fährt man den Pass ja nicht
    nur, um den Pass zu fahren, (Okay, kann man auch machen.), oder sein
    Auto zu quälen, nein, der Pass ist der kürzeste Weg, um ins
    Marienfluss-Tal zu kommen.


    Den Pass können aber alle nur in einer
    Richtung befahren, nämlich abwärts. Da allenfalls Trial-Fahrzeuge
    mit sehr routinierten Fahrern die Strecke in der anderen Richtung
    befahren könnten, fällt diese für Reisende mit stark beladenen
    Geländewagen aus. Die Rückfahrt aus dem Marienfluss-Tal muss
    dann über Orupembe erfolgen, was einige Kilometer mehr sind.



    Vor 4 Jahren unternahmen wir dann den
    ersten Versuch, ins Marienfluss-Tal zu kommen.



    Wie der Zufall es will, fahren wir bei
    der Anreise über Kamanjab. Hier gibt es eine Autowerkstatt, und auf
    dem Hof sind zwei Unimogs 404 sichtbar. Also angehalten und mit
    Lars, dem Besitzer, gesprochen. Er ist Deutscher, vor vielen Jahren
    ausgewandert, der Zufall führte ihn hier in die namibische Einöde.
    Da er zu Anfang noch Kontakt nach Hause hatte, erfuhr er von einem
    Los der Vebeg, die 30 Unimogs loswerden wollte. Aus Quatsch bot er
    mit, war der einzige Bieter, und bekam alle 30 Unimogs für 2300.-
    DM. Die meisten davon fahrfertig, zwei davon neue Depot-Fahrzeuge.
    Wer A sagt, muss auch B sagen, dachte er sich, brachte die meisten
    davon nach Namibia und versorgte die Farmer rund um Kamanjab mit
    Unimogs.


    Und da er außerdem die einzige
    Werkstatt in der Gegend für diese Autos hatte, hatte er ausgesorgt.


    (Die Neufahrzeuge endeten als
    Ersatzteilspender.)



    Er kannte natürlich auch Borgwards,
    und er kannte die Gegend vom spielen mit seinen Unimogs.


    Das Gespräch wurde also ein etwas
    längeres Gespräch.


    Der Tenor dieser Unterhaltung war der,
    dass er uns davon abriet, den Pass zu fahren. Erstens hatte er
    bedenken, dass unser Borgi mit 4,8 Tonnen zu schwer beladen war, und
    zweitens war gerade Regenzeit, und da es dort mehrfach
    achterbahn-mäßig auf und ab geht, kann man glitschigen Untergrund
    eigentlich gar nicht gebrauchen.


    Ines musste nicht lange überzeugt
    werden, den Plan fallen zu lassen, die Erzählungen der Anderen
    hatten ihr schon zu viel Angst eingejagt.


    Mich wurmte es allerdings sehr, weil
    ich mich Gedanklich schon sehr darauf vorbereitet hatte.


    Aber man will ja auch nicht bewusst ins
    Verderben rennen. Und die Regenzeit ließ sich nun mal nicht
    wegdiskutieren.



    Ein neues Jahr, ein neues Glück.


    In diesem Jahr stehen die Sterne besser
    !


    Es ist keine Regenzeit, der Borgward
    hat einen frisch überholten, also leistungsfähigen Motor bekommen,
    die Bremsen sind kontrolliert, ein Radlager ist ausgetauscht. Und
    mein Kumpel Thomas ist mit seiner Freundin zur selben Zeit im Land,
    so das wir den Pass mit zwei Borgis fahren können. Auch er hat fünf
    Tage lang das Auto auf der Farm in „good condition“ gebracht, so
    das wir schließlich mit vollen Tanks und guter Laune aufbrechen ins
    Kaokoveld.



    Die drei Tage Anreise verlaufen ohne
    Probleme, was mich besonders freut, da ich nach den ganzen
    Reparaturen und dem Motorumbau keine Zeit mehr für eine Probefahrt
    hatte. Da freut man sich dann doppelt, wenn man nicht gepfuscht hat
    und nach hundert Kilometern schon wieder Garantiearbeiten erledigen
    muss.


    Stoisch spulen die Borgis die Kilometer
    ab, bis wir endlich in Opuvo sind.


    Opuvo ist ein Nest, wo unsereins nicht
    tot über`m Zaun hängen will. Aber es gibt Benzin, Wasser und
    Brot. Sogar Coca Cola und Vanillesauce gibt es hier, und Eis für
    unsere Eiskiste.


    Mit all dem laden wir uns voll, denn in
    den nächsten 7 oder 10 Tagen werden wir keinen Laden mehr zu Gesicht
    bekommen.



    Die Straße nach Etanga ist reine
    Gravel-Road, aber durchaus noch als Straße zu bezeichnen.


    Hinter Etanga gibt es nur noch eine
    Fahrspur. Dieser zu folgen wäre an sich nicht so schwer, aber es
    gibt diverse Weggabelungen und Abzweigungen an denen wir uns jedes
    mal entscheiden müssen, wo es weitergeht.


    Wir reisen traditionell mit Karte und
    Kompass, was die Sache nicht immer leicht gestaltet, aber am Abend
    dieses Tages erreichen wir das Van -Zyls- Camp, welches für uns
    einen wunderbaren Übernachtungsplatz unter sehr alten Bäumen am
    Ufer eines Trockenflusses bereit hält.


    Die Landschaft war schon mal klasse und
    der Weg musste zwar im Allrad gefahren werden, stellte aber für die
    Borgis keine große Hürde dar.



    Das sollte sich nun ändern. Der
    Verwalter des Camps, ein ziemlich alter Farbiger, meint, von hier aus
    wären es noch 12 Kilometer bis zum Pass. Damit meint er, wie wir
    jetzt wissen, die Abfahrt vom Berg in das Tal des Marienflusses.
    Diese selbst ist nur 3 Kilometer lang. Aber die 9 Kilometer bis da
    hin, die haben es in sich.


    In der Tat beschleicht mich ein ungutes
    Gefühl, als ich die erste Abfahrt in Angriff nehme. Diese ist so
    steil und voller losem Geröll, so dass an ein Hochfahren nicht mehr
    zu denken ist. Das heißt, es darf jetzt keine Auffahrt mehr
    kommen, die Borgi nicht schafft. Zwar haben wir ja die Möglichkeit
    mit zwei Autos und einer Winde etwas zu zaubern, aber wer weiß....


    Auch würde ein Defekt am Motor oder
    Antriebsstrang, den wir nicht vor Ort reparieren könnten, bedeuten,
    das ein Borgi hierbleibt. Denn abschleppen ist hier nicht möglich.


    Also werden diese Gedanken verscheucht
    und wir konzentrieren uns nur auf`s Fahren. Das ist auch bitter
    nötig, nicht nur, dass es sehr steil bergauf oder – ab geht, die
    Strecken werden mittendrin immer noch mit irgendwelchen Kanten oder
    Löchern garniert, die den Borgis das Leben echt schwer machen. Wo
    immer es geht, sind wir Straßenbau-technisch tätig, um die tiefsten
    Löcher aufzufüllen oder die schlimmsten Kanten abzumildern. Nicht
    immer klappt das zu unserer Zufriedenheit und im Hinterkopf erwarte
    ich immer das trockene „Klock“, wenn eine Achswelle abreißt,
    oder das unschöne Geräusch, wenn eine Seite der Kardanwelle
    aufgibt, während ich 4,8 Tonnen im ersten Geländegang mit Vollgas
    den buckligen Hang hochjage.


    Es gibt zwar ständig böse Geräusche,
    zum Beispiel wenn der Wagen sich so verwindet, das die Robur-Reifen
    innen an der vorderen Kotflügelkante schaben. Die hatte ich zwar
    schon angeschrägt beim Aufbau des Autos, hätte aber auch nicht
    gedacht, dass ich das Auto mal dermaßen auswringen werde.


    Ich nehme mir fest vor, zu Hause mal zu
    Googeln, wann und wieso besagter van Zyl diesen Pass gebaut hat.
    Die Landschaft ist schon grandios, und hier zu Fuß, mit Pferd oder
    Esel durch zu marschieren ist ein Ding, aber hier auch noch einen Weg
    zu bauen, der mit dem Auto zu befahren ist.... Alle Achtung vor
    dieser Leistung ! Okay, er wird ihn nicht alleine gebaut haben,
    aber trotzdem.











    Die Hauptakteure.



    Mindestens 30 Jahre alt und noch wie neu.



    Tage auf langweiligen Straßen.



    Erster Übernachtungsplatz am Rande der Teerstraße.




    Kurz vor Etanga.



    Kurz hinter Etanga.



    Von wegen, unbewohntes Gebiet.



    Noch ist der Weg prima.



    Etappenziel erreicht.


    Bitte mit Fragen und Kommentaren noch warten, da es noch weiter geht.

  • Gegen Abend beobachten wir einen
    Einheimischen, der auf dem gegenüberliegenden Hügel mit 3 Kühen in
    Richtung Camp marschiert. Zwei Kühe trotten voran, während eine
    sich plötzlich hinlegt und durch nichts mehr zu bewegen ist, weiter
    zu marschieren. Der Hirte versucht es mit zureden, an den Hörnern
    zerren, sogar Schläge prasseln auf das erschöpfte Vieh nieder, wie
    wir durchs Fernglas beobachten können. Alles nützt nichts, das
    Vieh bleibt liegen.


    Na gut, nicht unser Problem, wir wenden
    uns wieder unseren Dingen zu.


    Nach einer Stunde steht plötzlich der
    Kuhhirte in unserem Lager, und erzählt uns Dinge in seiner Sprache.
    Wir nehmen an, das er Wasser für seine Kuh haben will. Da ich
    immer leere 2 Liter Cola Flaschen mit Wasser fülle und im
    Beifahrerfußraum liegen habe, kann er 2 von 3 Flaschen kriegen.


    Diese schwarz-weiße Kuh ist nicht die
    Einzige die hier Probleme bekommt. Auf der ganzen Pass-Strecke
    zählen wir 12 verendete Kühe in allen Verwesungsstadien. Es ist
    also wahrlich keine kuhfreundliche Gegend hier.


    Da nun aber schon die Sonne
    untergegangen ist, können wir nicht mehr sehen, ob seine Aktion
    Erfolg hat.


    Aber am nächsten Morgen ist die Kuh
    verschwunden. Muss also geklappt haben.



    Wir bereiten uns auf den Abstieg vor,
    packen unseren Kram zusammen, schauen nochmal in den Motorraum, und
    starten die Motoren.


    Der Weg schlängelt sich über bizarre
    Felsformationen, ist teilweise nur 2 Meter breit, und wenn es bisher
    steil bergab ging, dann geht es jetzt sehr steil bergab.


    Und plötzlich ist sie wieder da, die
    Kuh. Aus dem Problem durchs Fernglas, ist plötzlich unser Problem
    geworden.



    Sie liegt mit steifen Beinen auf dem
    Weg, eine Seite Felswand, eine Seite Abgrund.


    Sie wird sich in der kühlen Nacht, mit
    4 Litern Wasser im Bauch wieder aufgerappelt haben, und dann allein
    und ohne Orientierung, wieder zurück gelaufen sein. Der gute Hirte
    hat halt nicht bei ihr gewacht, sondern war „nach Hause“
    gedackelt.


    Nun versperrt uns seine Kuh den Weg.


    Wir lassen die Borgis oben stehen und
    laufen die 50 Meter bis zur Kuh. Sie liegt auf der Seite und
    blockiert den Weg. Während ich runter laufe, mache ich mir
    Gedanken, ob Tom und ich den Kadaver weggezerrt kriegen, oder ob wir
    die Winde dazu brauchen.


    Pustekuchen, die Kuh lebt noch. Zwar
    hat sie die Beine steif von sich gestreckt, aber ihre Augen sehen uns
    an. Atmung ist auch da. Was jetzt ? Wir versuchen, sie dazu zu
    bewegen aufzustehen. Damit sind wir so erfolgreich wie der Kuhhirte.
    Manja geht zurück zum Auto und holt Wasser. Mit der verblieben
    Cola Flasche wird die Kuh druckbetankt. Irgendwann rafft sie es, das
    sie schlucken muss. Auch Kopf und Nacken werden befeuchtet. Nach
    einer halben Stunde schaffen wir es, nachdem wir ihre Hinterläufe
    eingeknickt haben, sie mit ihrer Hilfe von der Seite auf den Bauch zu
    drehen. Immerhin hebt sie jetzt schon wieder den Kopf.


    Aber so sehr wir uns auch bemühen,
    aufstehen ist nicht drin.


    Immerhin haben wir es mit der
    Umdreh-Aktion geschafft, dass die Kuh jetzt am Abgrund liegt, und wir
    mit den Borgis ganz dicht zwischen ihr und der Felswand vorbei fahren
    können.


    Obwohl es ihr nicht angenehm sein
    dürfte, als sich die Autos Zentimeterdicht an ihr vorbei tasten,
    macht sie keine Anstalten aufzuspringen. Sie kann einfach nicht
    mehr, und mit der Druckbetankung haben wir ihr Leiden wahrscheinlich
    nur verlängert.


    Aber keiner von uns hatte Lust sie zu
    erlösen, wir kaufen unser Fleisch eben abgepackt an der
    Fleischtheke.


    Aber die Autos sind vorbei, was das
    Schicksal jetzt mit der Kuh vorhat, werden wir nie erfahren.


    Obwohl ich es mir denken kann.


    Der Weg hält noch ein paar Highlights
    fürs uns parat, dann haben wir den Talboden erreicht.



    Beide Borgwardse haben diese Tortur
    pannenfrei überstanden ! Ich bin mal wieder schwer begeistert von
    diesen Autos. Ich hoffe, CFW konnte aus dem Himmel zusehen.

  • Wesentlich entspannter rollen wir
    durchs Tal und genießen die schöne Landschaft.



    Zwischen Bergen rechts und links
    erstreckt sich eine weite, wüstenhafte Ebene, die abwechselnd mal
    von gelben und mal von rotem Sand dominiert wird. Der Weg gen Norden
    ist eine Fahrspur, mal fest, mal Tiefsand. Bis jetzt pflügen die
    Borgis aber gut durch, ohne dass wir den Luftdruck in den Reifen
    reduzieren müssen. Wir kommen am Wrack eines ausgebrannten
    Land-Rovers vorbei, das jetzt sogar schon als Wegmarke in einigen
    Karten verzeichnet ist.


    Was mag dem Wagen und seiner Besatzung
    widerfahren sein ? Haben alle überlebt ? Wie lange mussten sie
    warten, bis sie in dieser Einöde von jemandem aufgepickt wurden ?
    Oder sind sie dem Feuertod nur entronnen, um anschließend zu
    verdursten ?


    Ich bin jedenfalls froh, dass ich mit
    Bosch Elektrik unterwegs bin.


    Ein großes Trockenflussbett muss
    durchquert werden, dann noch eine riesige, rote Sandfläche, dann
    kommen wir an die Berge, durch die sich der Kunene schlängelt.
    Dieser, immer wasserführende Fluss ist der Grenzfluss zu Angola, und
    damit das Ziel unserer Reise.


    Wir stehen an seinem Ufer, es ist
    schweineheiß, und wir können nicht baden gehen. Thomas und ich
    wissen von einer früheren Reise her, dass hier ziemlich große
    Krokodile wohnen. Vor 15 Jahren hatten wir, etwas flussaufwärts,
    eine Tour mit einem kleinen Paddelboot gemacht, bei der wir
    entsprechende Begegnungen hatten.


    Aber ganz so schlimm ist das nicht,
    weil die Regierung hier ein Camp errichtet hat. Es gibt nicht viel,
    aber funktionierende Duschen und Klo`s. Was braucht man mehr ?


    Wir wundern uns mal wieder, wo überall
    auf der Welt Menschen leben...


    Am nächsten Tag folgen wir noch etwas
    dem Flusslauf und stoßen plötzlich auf eine absolute Luxus-Lodge.
    Gäste kommen mit dem Privatflugzeug hierher, es gibt jeglichen
    Luxus, nur Milch hat der Besitzer keine mehr. Nun, damit kann ich
    dienen. Wir tauschen warme Milch gegen kalte Cola und dürfen
    außerdem seinen riesigen Schwimmingpool benutzen, von dem aus man
    einen grandiosen Blick auf die Kunene Stromschnellen hat. (Nicht zu
    verwechseln mit den Epupa-Falls, die weiter Stromaufwärts sind.)
    Für den Preis einer Übernachtung auf dieser Lodge kann ich meinen
    Borgward einmal volltanken. Und das sind bei meinem Reisekumpel 280
    Liter.



    Nach einem ausgiebigen Dümpeltag
    beschließen wir, die Rückfahrt einzuleiten.



    Wir übernachten mitten im Tal neben
    einem riesigen kubischen Granitklotz. Der schützt zwar etwas vor
    dem heißen Wind, strahlt aber selber noch in der Nacht Hitze ab.
    Aber das hier alles irgendwie mit Hitze zu tun hat, daran haben wir
    uns ja schon gewöhnt. Hier ist eben Hochsommer ! Die Borgis
    haben auch nur deshalb keine Hitzeprobleme hier im weichen Sand, weil
    wir beide Wagen mit Iltis-Lüftern ausgerüstet haben. Da meiner
    auch noch ein bisschen mehr schleppen muss, hat er noch einen
    Zusatzkühler auf dem Dachgepäckträger, der auch beaufschlagt wird,
    wenn der Wind von der Seite kommt.



    So mahlen wir uns durch den roten Sand
    auf der Suche nach einem roten Fass.



    Das zu finden ist nicht schwierig, den
    Weg vom Fass nach Orupembe ermitteln wir wieder mit Karte und
    Kompass. Und dieser Weg, von dem wir annahmen, dass er keine all zu
    großen Hürden aufwirft, kommt uns nochmal mit Passagen, die des Van
    Zyls Pass würdig wären.


    Abermals quälen wir die Autos steile
    Wege mit losen Steinen und Stufen hoch, aber nach einer Stunde ist
    der Spuk vorbei, und der Weg normalisiert sich wieder.


    In Orupembe führt uns der erste Weg an
    die öffentliche Wasserstelle, denn unsere Wasserreserven sind schon
    gut aufgebraucht.


    Der zweite Weg führt uns zum Orupembe
    – Shop 1 , in dem es nicht viel gibt, aber eisgekühlte Cola und
    Bier.


    So aufgerüstet machen wir uns auf den
    Rückweg nach Opuvo.



    Als wir an einem Trockenfluss vorbei
    kommen der noch Rest-Wasser enthält, beschließen wir, am Ufer zu
    übernachten, und ich schaufle mir mit dem Spaten eine Badestelle.


    Am nächsten Tag ist Opuvo erreicht.
    Und auf einmal, so aus der Wildnis kommend, entdeckt man auch an
    einem Ort wie Opuvo schöne Seiten. Das mag aber auch daran liegen,
    das wir uns diesmal auf dem besten Campingplatz des Ortes
    einquartieren, auf einem Berg, mit Pool und Fernblick, Internet und
    gutem Restaurant und keine Beschallung aus den Kneipen der Locals.

  • Wir beschließen, weiterhin auf der
    Gravel-Road zu bleiben. Über Sesfontein und Palmwag fahren wir zum
    Brandberg. Nachdem wir den umrundet haben, finden wir einen kleinen
    Weg, der sich in einem Rivier (Trockenfluss) entlang schlängelt.


    Weichsand und Wellblech quälen
    abwechselnd die Autos, und Tom`s Auto quittiert das mit einem
    abgerissenen unteren Kühlergummi. Zu all den Geräuschen der
    wackelnden und zitternden Karosserie gesellt sich jetzt noch ein
    anderes übles Geräusch, welches ihn natürlich sofort anhalten
    lässt. Der Kühler wird gleich ganz ausgebaut, weil Tom beim
    genaueren hinsehen eine Undichtigkeit am Ablasshahn feststellt. Es
    kommt übrigens ein weiterer Vorteil der Iltis-Lüfter zum Vorschein.
    Ein unten abgerissener Kühler wäre auf dieser Wellblechpiste mit
    Sicherheit in den Lüfterflügel gerutscht. Das hätte dann auch
    ein übles Geräusch gegeben, aber die Folge wäre ein zerstörter
    Kühler gewesen. So muss er nur den Hahn mit Knete abdichten, 2
    Stunden warten, und gut ist. Es geht also weiter und irgendwann
    verschwindet jegliche Vegetation und wir sind im Messum-Krater. Tom
    und ich waren beide schon mal unabhängig voneinander hier, aber es
    hat uns so gefallen, das wir unbedingt noch mal her wollten.


    Wir folgen einer Fahrspur, welche auf
    den Kraterrand führt. Je höher wir kommen, umso weicher wird der
    Sand, und oben, am letzten steilen Stück liegen auch noch
    fussballgroße Steine in der Pad.


    Wieder einmal verblüffen mich diese
    alten Autos. Ohne Sperre, ohne Portalachse, mit nur 82 PS.



    Von hier oben haben wir einen
    grandiosen Ausblick, machen unser abendliches Lagerfeuer und hauen
    uns mit leckeren Konserven die Bäuche voll.



    Von hier aus geht es weiter auf
    abenteuerlichen Wegen, immer Richtung Westen, bis wir plötzlich
    wirklich am Atlantik stehen. „ Wirklich“deshalb, weil wir schon
    fast 20 Kilometer auf der nun ebenen Wüstenfläche von einer
    Fata-Morgana genarrt wurden, die uns vorgaukelte, dass das Meer nur
    noch 2 oder 3 Kilometer entfernt ist.



    Hier folgen wir der Küstenstraße nach
    Swakopmund, wo wir wie ganz normale Touristen mal 3 Tage ausspannen.
    Der Atlantk hatte in diesem Jahr 20° Grad Wassertemperatur, normal
    sind um die Zeit 14° .



    Danach zieht es uns aber wieder in die
    Wüste.



    An Walvisbay vorbei, biegen wir links
    ab auf die C 14 die uns am Vogelfederberg vorbei ins
    Naukluft-Gebirge bringen soll.


    Wenn man eine Weile an der Küste war,
    hat man sich schnell wieder an die gemäßigten Temperaturen gewöhnt.
    Bei Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad fühlt man sich als
    Mitteleuropäer ja ganz wohl. Umso mehr trifft uns die Hitze in der
    Wüste wie ein Keulenschlag.


    Innerhalb von 30 Kilometern steigt das
    Thermometer auf 40 Grad im Schatten. Und Schatten ist nur im Auto.



    Also, Sonnenbrille auf, viel trinken,
    und Gas geben. Die Strecke führt vom Meer ins Gebirge, hat also
    permanente Steigung. Der Wind kommt am Vormittag vom Meer, also von
    hinten. Obwohl beide Lüfter laufen und der Zusatzkühler
    zugeschaltet ist, wird es Borgi warm ums Herz.


    Thomas Borgi hat da nicht so die
    Probleme, ein Vorteil, wenn man den Wagen nicht überladen hat.


    Wieder einmal denke ich darüber nach,
    was ich demnächst auf der Farm lasse, um den Wagen leichter zu
    machen, da reißt mich ein rotes Licht aus den Gedanken. Die
    Zündkontrolllampe gibt mir eine Rotlichtbestrahlung. Wir fahren
    also auf Batterie. Oh man, lass es nur einen Keilriemen sein, ist
    mein erster Gedanke, denn jetzt hier in diesem Backofen eine Panne,
    das brauche ich wie einen Kropf am Hals.


    Der Keilriemen ist es schon mal nicht.
    Bevor ich die Lima tausche, oder den Regler, tausche ich das dicke
    Lichtmaschinenkabel. Das hat schon seit einigen Tagen eine
    Schadstelle. Vielleicht hat ja die gebrochene Metallummantellung
    eines der drei inneren Kabel beschädigt ?


    Aber nach dem Austausch gibt’s immer
    noch Rotlichbestrahlung.


    Meine Laune sinkt etwas, denn nun
    müssten Lima und Regler auf Verdacht getauscht werden, und das hier
    ohne Schatten.


    Missmutig sitze ich im Auto und fahre
    mit der Hand hinterm Armaturenbrett lang, und siehe da, ein kurzes
    bruzeln ist zu hören. Aha, ein abbes Kabel, na das wäre ja
    einfach, meine Stimmung steigt.


    Armarturenbrett aufgeschraubt, und sie
    da, in der Tat hängt ein Kabel lose rum. Und beim genauen hinsehen
    sieht man den Rest noch in der Zündkontrollleuchte stecken. (Obwohl
    da nach wie vor zwei Kabel dran sind.) Ohne weiter nachzudenken wird
    abisoliert und zusammengeschraubt.


    Alles Denken ist nur darauf
    ausgerichtet, hier schnell wieder weg zu kommen.


    Armaturenbrett zugeklappt und Zündung
    an. Und schon kommt viel grauer Qualm und ein längeres bruzelndes
    Geräusch, bis Thomas geistesgegenwärtig den Batterieknochen zieht.



    Jetzt ist meine Stimmung ganz unten.
    Tiefer geht nicht mehr. Ein Kabelbrand in der Wüste, und das mir,
    als Elektrik-Idiot. Hätte es nicht ein Blattfederbruch oder sowas
    sein können.



    Tom behält die Nerven und holt den
    Schaltplan vor. Ich seziere den Kabelbaum um überhaupt erst mal
    festzustellen welches und wie viele Kabel es erwischt hat.Völlig
    verglüht ist ein blaues Kabel, von der Leuchte zum Zündschalter.
    Die anderen Kabel sind zwar in Mitleidenschaft gezogen worden, aber
    sie können drin bleiben. Das Blaue wird ersetzt. Das frei
    hängende, plus führende Kabel, welches ich vorschnell angeschlossen
    hatte, kam von der Blinkerkontrollleuchte. Die war seit heute Morgen
    auch ohne Funktion. Aber die Blinker funktionierten, also habe ich
    mir darum nicht so den Kopf gemacht. Habe da eher an eine
    Relais-Macke gedacht.


    Als alle Kabel da sind, wo der
    Schaltplan es vorschreibt, funktioniert auch alles wieder so, wie es
    sein soll. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Das hätte auch
    anders ausgehen können. Wenn der Borgward keinen
    Batterie-Hauptschalter hätte, mit dem man die ganze Anlage stromlos
    schalten kann, würde er vielleicht auch irgendwann in einer
    Landkarte verzeichnet sein, Burnt Borgward, nee das muss ja nicht
    sein.


    Wir rollen weiter über die flimmernde
    Ebene und kommen am späten Nachmittag an einen Pass, der


    von der Ebene nach unten zu einem
    Flussbett führt. Der Kuiseb-Canon. Wir verlassen verbotener Weise
    die Pad und folgen dem Trockenflussbett eine Zeitlang Stromaufwärts,
    bis wir an offenes Wasser kommen. Hier hat es also vor ca. 2 Wochen
    so geregnet, dass das Rivier abgekommen ist.



    Im Schatten einer riesigen Felswand
    lässt sich nun hier in einem solchen Pool hervorragend baden.


    Grandiose Landschaft, lauwarmes, gerade
    noch erfrischendes, Wasser, und ein leckeres Mahl auf dem Lagerfeuer,
    schon sind alle Strapazen wieder vergessen.

  • Am nächsten Tag brechen wir früh auf
    um der Hitze der Mittagszeit zu entgehen. Es fährt sich weitaus
    angenehmer, für Mensch und Maschine, wenn die Außentemperatur noch
    nicht über 30 ° liegt.


    Als Ziel haben wir uns das
    Tsondab-Valley ausgesucht. Dies liegt vor dem Sossusvlei in dem Tom
    und ich schon mehrmals waren.



    Das Tsondabvlei ist auch ein trockenes
    Tal, welches nur nach sehr ergiebigen Regenfällen voller Wasser
    steht, und es ist eine Farm unter deutscher Bewirtschaftung.
    Allerdings wird man hier keine Rinder mehr finden, die Leute haben
    sich auf Touristen konzentiert und an einer sehr schönen Stelle
    ihrer Farm eine Lodge mit Campingplatz aus dem Nichts aufgebaut.


    Die alten Zäune auf der Farm wurde
    entfernt und das Wild, Orix, Kudus, Zebras, Strauße, können jetzt
    umherlaufen, wie sie wollen, und wie es ja auch natürlich ist. Wir
    sind die einzigen Gäste auf dem Campingplatz und die Ruhe und die
    grandiose Wüstenlandschaft lassen uns den Entschluss fassen, noch
    einen Tag länger zu bleiben. Hans, der Besitzer, lädt uns ein, am
    späten Nachmittag eine Tour über seine Farm zu machen. Er ist ein
    bisschen von Borgward infiziert, und will wissen, ob Borgi überall
    hinkommt.


    Da es jetzt noch früh am Tag ist, und
    ich denselben nicht so verplempern will, entschließe ich mich, Borgi
    einen Schmierdienst zu verpassen. An der Vorderachse fang`ich an,
    und was müssen meine entzündeten Augen sehen ? Gott hat mein
    flehen erhört, und eine Blattfeder brechen lassen.


    Wer weiß, wie lange ich damit schon
    rumfahre, denn ich kann mich an keine entsprechende Situation und
    kein dazu passendes Geräusch erinnern. Es ist, wie schon zweimal in
    den vorigen Jahren, nur die Hauptlage geknackt, und die Rettung war
    wieder einmal die kleine Klemme mit der langen 8ter Schraube, von
    denen jede Blattfeder zwei hat, und die im Fall der Fälle sehr
    nützlich sein können. Die halten nämlich das Ganze dann
    zusammen, so gut sogar, dass man beim Fahren nichts merkt.


    Nun wollen wir aber die kleine 8ter
    Schraube nicht überbelasten, und wechseln die Feder. Dauert der
    Abschmierdienst eben etwas länger. Die böse Sonne sorgt dafür,
    dass man Werkzeug oder Eisenteile, die man nicht in den Schatten
    gepackt hat, nicht mehr anfassen kann. Aber unterm Auto ist ja
    Schatten.


    Um 13.00 ist alles fertig, und ich
    nehme ein Bad in der verstopften Duschwanne. Da der Pool gerade
    Renoviert wird, müssen wir mit dieser Lösung leben. Da man aber
    von den Duschen aus einen wunderschönen Blick auf das Wüstental
    hat, kommen wir gut damit klar.



    Um 18.00 startet dann die Farm-Tour.
    Tom und Manja haben ihren Borgi ausgeräumt, so das 6 Personen und
    drei Dackel Platz finden. Hans zeigt uns die schönsten Ecken seiner
    Farm und wundert sich über das leise, alte Auto, das so souverän
    die Dünen rauf und runter fährt.


    Sicherheitshalber hatte Tom auch den
    Reifenluftdruck etwas reduziert.



    Von einer Anhöhe aus beobachten wir
    den Sonnenuntergang und kippen uns kalte Getränke hinter den
    Knorpel.



    Der nächste Tag findet uns im
    Naukluft-Gebirge wieder, wo ich einen versteckt gelegenen
    Campingplatz kenne, in dessen Nähe natürliche Quellen dafür
    sorgen, das die Pools dort nie austrocknen. Zwar wandert man erst
    eine Stunde querfeldein, aber dann hat man ein Badeerlebniss der
    besonderen Art. Man teilt sich das glasklare Wasser mit großen
    Krabben, riesigen Kaulquappen, und entsprechend großen Fröschen.
    Da diese Tiere keine Menschen fressen, geht auch Manja ins Wasser.
    Von den Schlangen erzählen wir ihr nichts.



    So langsam bewegt sich unser Trupp
    Richtung Heimat. Eine Übernachtung noch an einem großen Stausee,
    in dem sogar meine Taucherbrille und meine Flossen zum Einsatz
    kommen, dann geht es zurück zur Farm.



    Hier lecken wir die Wunden der Borgis,
    besuchen noch einige Bekannte, machen in Windhoek noch die eine oder
    andere Besorgung und lassen so den gemeinsamen Urlaub ausklingen.



    Die Beiden sind nicht begeistert, als
    ich sie zum Flughafen bringe und das kalte Deutschland nur noch 20
    Stunden entfernt ist.



    Ich habe noch 2 Wochen Schonfrist, in
    denen ich mich um den Aufbau meiner Werkstatt kümmern kann, aber
    auch die sind irgendwann zu Ende.
    Gruß Jozi.
    Im Laufe der nächsten Woche werde ich immer noch ein paar Fotos eistellen. Picr.de ist nicht immer so schnell, wie ich das gerne hätte.

  • :top: :an:


    Schließe mich vollkommen an, mir wurde ganz Warm als wenn der Sand zwischen meinen Füßen liegt. Du Schreibst das so Fesselnd, so ermutigend das das jeder einmal machen will. Ich bin immer wieder begeistert von euren Touren, und viel mehr von den wunderschönen Erzählungen :love:



    Vielen Lieben Dank

    o This is Schäuble.
    L_/ Copy Schäuble into your signature
    OL to help him on his way to Überwachungsstaat.

  • :love: :love: :love:


    ... und :G vor dem Unternehmungsgeist/ Mut und auch der Ruhe solch (Tor-)Touren zu meistern


    Und dann das ganze, hervorragend für Uns in Bild und Schrift gesetzt, zum Träumen zur Verfügung zu stellen :thumbsup:

    Auf der Suche nach " Wir.Dienen. Deutschland." Aufklebern

  • Nach der Druckbetankung ließ sich die Kuh wenigstens schon mal umdrehen.



    Langsam schieben wir uns vorbei.



    Einmalige landschaft entschädigt uns für die Kurbellei.



    Das Auto macht Geräusche, die ich vorher gar nicht kannte.





    Talboden pannenfrei erreicht.



    Opfer müssen gebracht werden.



    Von den Äußerlichkeiten mal abgesehen, kenne ich keine Reifen, die stabiler sind als Robur - Reifen.
    Man darf auch nicht vergessen, das die Reifen über 30 Jahre alt sind.



    Freie Fahrt durch`s Marienfluss-Tal.




    Fortsetzung folgt.