Sprengringfelgen

  • Sprengringfelgen…


    …finden sich nicht nur unterm Borgward, sondern dürften auch bei anderen älteren Fahrzeugen Verwendung gefunden haben.
    Entgegen Tiefbettfelgen, warten diese bei der (De-) Montage mit ein paar Besonderheiten auf.
    Diese sollen hier anhand von 16‘‘-Felgen mal dargestellt werden.


    Da die wenigsten von uns mit professionellem Reifenmontage-Maschinen ausgestattet sein dürften, zunächst ein paar Tipps zum Bau einer passenden Hilfsvorrichtung.


    Auch wenn man nicht mit Schweißbrenner oder Schmiedeesse gesegnet ist, hilft der gewöhnliche Kachelofen:






    Zunächst werden zwei Dickbleche im Felgenradius gebogen:




    Zwischendurch den Radius mit einer Pappschablone überprüfen




    Und so sieht es dann fertig aus




    Mittels Gewindestangen und Wagenheber gibt’s einen schönen Abdrücker.




    Zunächst den Reifenwulst aus der Felge drücken…



    …dann den Felgenhornring nach innen drücken.





    Anschließend noch den Reifenwulst an der Innenseite auch noch vom Felgenhorn drücken.




    Ich gebe zu, daß hat nur bei einem Reifen geklappt, die anderen saßen so fest, daß der Profi mit der Maschine ran mußte. Problem: Irgendwann hat man die Reifenflanke auf 0 zusammen gedrückt und der Reifenwulst sitzt immer noch auf der Felgenschulter.


    Am Ende hat man dann Felge, Felgenhornring, Schrägschulterring und Verschlußring einzeln. Da diese Teile oft über Jahrzehnte fest aufeinandersitzen können sie schon fortgeschritten korrodiert sein, bzw. eben heftig zusammen gerostet.
    Ja nach Zustand sollte man über die Erneuerung einzelner Teile nachdenken, aber leider gibt’s die Teile nur noch für 20‘‘- und 24‘‘-Felgen.




    Um ein erneutes Festrosten zu vermeiden, ist sandstrahlen und spritzverzinken sinnvoll. Tauchverzinken könnte eine ziemlich Unwucht für die Felge bedeuten, je nachdem wie das flüssige Zink beim Entnehmen aus dem Tauchbad abläuft.




    Zunächst mal den Dreck mit dem Staubsauger aus dem Mantel saugen, damit sich der Schlauch nicht später daran aufpickst oder wundscheuert.




    Dann den Mantel von innen…




    … und den Schlauch von außen mit Talkum behandeln.




    Dann den Schlauch möglichst faltenfrei in den Mantel legen…




    … und leicht aufpumpen, damit er sich gleichmäßig und unverdreht in den Mantel legt.




    Dann das Felgenwulstband einlegen.




    Das Felgenhorn mit Reifenmontagepaste einstreichen.




    Nunn kommt der kniffelige Teil: Damit der Reifen über die Felge gelegt werden kann, muß das Ventil möglichst weit nach innen geschoben werden, es darf aber nicht nach Innen verschwinden.




    Sitz der Reifen auf der Felge, muß man dann das Ventil wieder rausfriemeln und am Felgenstern vorbei kriegen.




    Schrägschulterring und den Reifenwulst ebenfalls mit Reifenmontagepaste einstreichen.




    Nun den Schrägschulterring auf die Felge setzen…




    …und mittels Montiereisen den Reifenwulst AUF den Schrägschulterring heben.




    Mit zwei Hämmer den Schrägschulterring soweit nach innen treiben, daß die Nut für den Verschlußring freiliegt.




    Dann den Felgenhornring aufsetzen und den Verschlußring in die Nut einsetzen.
    Wenn der Reifen ganz leicht gefüllt ist (und etwas Druck auf dem Felgenhornring lastet) den Verschlußring mit dem Hammer noch mal umlaufend in die Nut einschlagen.


    Es gibt nicht Blöderes, wenn beim Aufpumpen der nicht richtig sitzende Verschlußring sich verabschiedet und der Felgenhornring wie ein Geschoß durch die Gegend fliegt. Das hat in der Vergangenheit schon den ein oder anderen Reifenmonteur das Leben gekostet.
    Ich habe den Reifen dann aus sicherer Entfernung befüllt.




    Da die Komponenten bei der Montage doch immer mal wieder ‚mechanisch‘ behandelt werden, macht eine Lackierung VOR der Montage wenig Sinn. Daher erschien mir der Korrosionsschutz durch Spritzverzinken sinnvoll.
    Lackiert wurde dann, als alles zusammen war.


    Gruß


    Peter

  • Für die Fummelei mit dem Ventil stand in der letzten Oldtimer Markt (oder war es die Praxis?) ein Basteltip:


    Einen Ventileinsatz entkernen, durch das Loch des zentralen Druckstiftes einen Gaszug fädeln bzw das Seil darin anlöten und in den Schlauch eindrehen. Jetzt muß man das Dahtseil nur durch die vorgesehenen Löcher fäden, alles zusammenbauen und das Ventil mit dem "Spezialwerkzeug" in die richtige Position ziehen. Fertig


    Falls die vorhandenen Gaszüge zu dick sind: der Fahrradhändler hat für die Schaltung ganz feine Stahlseile für kleines Geld

  • Moin,
    umständlich.


    Passende Unterlegscheibe und eine Kappe raufdrehen,
    schon kann das Ventil nicht abhauen.


    Es gibt ja keinen Grund, den Schlauch völlig im Reifen verschwinden zu lassen.
    Da bräuchte man den natürlich den Tip mit dem Seil.


    Gruß
    Klaus

  • ... und beim Aufpumpen immer den Reifen umdrehen so, dass er auf dem Sprengring liegt - also der Sprengring nach unten zeigt.


    Reine Vorsichtsmassnahme ... fliegt der Ring dann aus irgend einem Grund ab hebt er nur den Reifen ein bisschen an und er fliegt eben nicht durch die Gegend.
    Wenn man am Fahrzeug montiert kann man zur Sicherheit auch zwei Spanngurte durch die Felge ziehen die im Notfall ein Abfliegen des Rings verhindern. Gerade ältere Ringe die schon ein bisschen verbogen sind würde ich immer auf diese Weise sichern.


    Jetzt wird's ein bisschen "russisch" - funktioniert aber:
    -> Luft ablassen und erst dann den Wagenheber nutzen. Dann lösen sich in der Regel die festgerosteten Stellen schon mal durch das Gewicht des Fahrzeugs ein bisschen. Fliegt der Mantel sowieso in den Müll eventuell sogar ein bisschen vor und zurück fahren.


    -> Wenn man kein richtiges Werkzeug zur Hand hat kann man auch mit Spanngurten und Holzklötzen den Mantel abdrücken.


    ... praktisch an einem alten Radlader erprobt der Traktor-Reifen 11.2-24 auf Sprengringfelgen hatte ...


    Grüssle Micha

  • drauffahren mache ich grundsätzlich. muss auch gar nicht vorsichtig sein, das können reifen und felge ab. schön lenken dabei, dann kann man dem radius der felge folgen.
    ABER: mit dem leichten b2000 macht das keinen sinn, selbst der 522 muss da schon mehrmals rundrum ran bis der reifen sich vom horn löst. und reifen dieser rostgattung macht nur noch die presse.

  • Hallo Peter,


    sehr schöner und anschaulicher Bericht!


    Wenn ich bedenke, dass ich keinen Zugriff auf die entsprechende Maschine
    haben würde, dann .... oh man, selbst mit der Maschine war es eine extrem
    schwierige Arbeit, da der Rost doch wesentlich mehr gearbeitet hatte als
    auf Deinen Bildern zu sehen ist.


    Noch einmal meine Hochachtung für die praktische Umsetzung.


    Liebe Grüße
    Jürgen

  • Sehr guter Dokubericht, bei mir waren es 6 Schulterringfelgen und eine Sprengringfelge 6,5 x 20 die zerlegt werden mussten.Angefangen habe ich mit dem Drauffahren mit einem Transporter - brachte nichts, bei dem selben Rad dann mit einem Bagger mit Räumschild und Schaufel gleichzeitig und der Bagger kam hoch (ein normaler großer Bagger, nicht etwa ein Mini-Bagger). Dann bei einem Bekannten mit einer Pkw-Reifenmontiermaschine, das ging, dauerte ca eine Stunde pro Rad, er mit der Maschine und ich mit einem Kunststoff-Vorschlaghammer, verbrauchte viel Kriechöl und produzierte ordentlich nasse T-Shirts, die letzten 3 oder 4 Räder habe ich zum Reifendienst gebracht, dort wurden sie mir für einen fünfziger zerlegt, aber an einer Lkw-Reifenmontiermaschine mit einigen Kratzern an den Felgen. Danach habe ich grundiert und lackiert, für die nächsten 30 Jahren wird das wohl reichen.
    Arturo

  • Vor der Montage des vorletzten Reifensatzes vor ca. 10 Jahren, habe ich die Felgen strahlen und pulverbeschichten lassen.
    Nach der Montage dieser neuen Reifen (mit Hartholzkeilen) habe ich die Sprengringe mit Silikon abgedichtet, denn durch den offenen Spalt kann Wasser in den Reifen laufen.
    Beim letzten Reifenwechsel vor ca. 3 Jahren waren die Reifen und Felgen innen trocken und ließen sich auch wider nur mit Holzkeilen demontieren und montieren.


    Gruß Udo

  • zum thema unwucht der felge wegen tauchverzinken


    beim spritzverzinken kann die felge doch genau so eine unwucht "aufgetragen" bekommen, wenn der "lackierer" auf manchen stellen mehr aufträgt, als auf anderen, oder irre ich? ?(

    "Der gute Geländefahrer fährt langsam durch unbekanntes Gelände. Unerwartete Hindernisse lassen sich leichter erkennen und bewältigen. Durch falsches Fahrverhalten entstandene Schäden können einen langen Fußmarsch zur Folge haben."

  • beim spritzverzinken kann die felge doch genau so eine unwucht "aufgetragen" bekommen, wenn der "lackierer" auf manchen stellen mehr aufträgt, als auf anderen, oder irre ich?


    Da müßte er aber schon mit der Spritzpistole sehr lange an einem Fleck verweilen...
    Und da Material (und Zeit) = Geld ist, wird er das wohl kaum freiwillig machen.


    Gruß


    Peter