Amöbentarnjacke

  • Hallo,


    ich habe gestern diese Jacke bekommen:




    Vom "Schnittmuster" wie die Jacke zum Splittertarnanzug.
    4 Außentaschen, 2 D-Ringe, eine Innentasche. Verstärkungen an den Ellenbogen.
    Innen einen Kordelzug um den Taillenumfang einzustellen, Gummizug im Hüftbund, verstellbare Ärmelbündchen.
    Aufgenähte Dienstgradabzeichen, aber auch Stecklöcher in den Schulterklappen, RIRI-Reißverschluß
    In den äußeren Brusttaschen sind keine "Schlaufenfächer" eingearbeitet.


    Leichte Abnutzungserscheinungen und kleinere Reparaturstellen (nix wildes)








    In der Innentasche ist ein Etikett eingenäht, welches nur noch in Fragmenten zu entziffern ist.
    "US 16...."
    "186..." würde als Teil der Größenangabe passen
    In der untersten Zeile links eine "12" zu erkennen, was zur Vers.-Nr. gehören könnte.




    Was habe ich da "ergattert"?


    Habt Ihr Infos für mich?


    Gibt es Vergleichsstücke?


    Soll lt. Verkäufer aus dem Nachlass eines ehem. FD-Offz. Pz.Gren. , 2. Pz.Gren.Div. (Nord-Hessen) stammen.


    Ich hoffe Ihr könnt mir helfen.


    Markus

  • Mal völlig quergedacht:
    Es gab in Fritzlar (ist ja Nordhessen) eine sehr kreative StOv, deren Schneider aus Zeltbahnen Jacken und Parkas Maßschneiderten. Ich hab selbst auch eine ähnlicher Machart, nur im Feldjackenstil. Da ist die Historie verbürgt ;)

  • Moin Thomas,


    ich komme ja auch aus der Region Bad Arolsen - Wolfhagen - Diemelstadt.
    War auch mein erster Gedanke, hatte hier im Forum irgendwann mal davon gelesen.
    Dazu passt aber das Etikett irgendwie nicht.


    Kannst Du von Deiner Jacke auch mal Fotos einstellen? (Oder mir via PN zusenden)


    Markus

  • Moin,


    Das mit dem Etikett wundert mich irgendwie, ansonsten hätte ich auch gesagt Kleiderkammer StoV. Hab auch zwei ganz unterschiedlich geschnittene Helmbezüge, die beide Definitiv aus der Kleiderkammer in Dörverden-Barme stammen. Wenn ich mich so an Erzählungen meines Großvaters ( BS 1957 bis 1987 ) erinnere, war das damals "üblich" das sich Dienstgrade solche Stücke haben schneidern lassen... Hab in meiner Sammlung ein paar Stücke, aus dem Nachlass von Opa, auch aus Moleskinzeiten, die in der Schneiderstube modifiziert wurden.
    Dort hing am Annahmetresen übrigens ein Schild "Privat-Arbeiten verboten" das hängt heute bei mir in der Werkstatt...

  • Ich tippe auch mal auf ein hochwertiges Stück Handarbeit aus einer Kleiderkammer-Schneiderei.
    Der Reißverschluss sieht aus, als ob ein Ärmelschlafsack als Spender herhalten musste.
    Auch die Knöpfe mit dem Rand gab es erst später.
    Bei der Splittertarnjacke sind die alten Knöpfe mit der Vertiefung vernäht.


    So etwas war aber schon durchaus üblich.
    Ich bin z.B. im Besitz eines Bergführer-Anoraks, der aus oliven Zeltbahnen hergestellt wurde:



    Hier erkennt man deutlich an aufgetrennten Nähten die Verwendung von alten Zeltbahnen:



    Beim Schnitt wurde sich dabei an das Original gehalten.
    Es sind aber Detailunterschiede erkennbar:



    Daher tippe bei der Amöbentarnjacke auch auf eine Nachfertigung nach einer Vorlage.
    Sie ist aber ein sehr schönes Stück :thumbup:


    Gruß
    Kai

    Gruß - Kai


    BUNDESGRENZSCHUTZ - GSK Küste - BGS See - KüEH (KüstenEinsatzHundertschaft)

  • Geniales Teil :thumbsup:


    kann mich den Vorrednern nur anschließen:


    StoV- Arbeit. (In Münsingen hatten die Schneider auch noch das Schnittmuster der Tarnjacke im Schieber :engel: ; hab mir aber leider damals keine machen lassen können).


    Völlig rätselhaft ist dann allerdings das Etikett. Ob die "Jungs" das dann zwecks Authentität zusätzlich mit nem Etikett versahen... ?(


    Egal: Sehr schönes Teil!!! Glückwunsch!


    Bernd

    "Nur wenige sind es wert, daß man ihnen widerspricht"!

  • ... Schaut Euch das Etikett doch einmal an.
    Es sieht blitzsauber aus und hat keine Stempelung bekommen.


    Karl Clavey ...
    Diese Firma (Person?) hat offensichtlich auch andere Bekleidung für die Bundeswehr hergestellt.
    Wenn man den Namen einmal "googelt" bekommt man auch noch eine Telefonnummer für Karl Clavey angezeigt.
    Und dieser Herr ist für Hessisch Oldendorf verzeichnet :!:
    Wer gesteigertes Interesse hat, kann den Herren ja mal kontaktieren.
    Ich könnte mir vorstellen, dass der Herr etwas mit der Jacke zu tun hatte hmmm


    Gruß
    Kai

    Gruß - Kai


    BUNDESGRENZSCHUTZ - GSK Küste - BGS See - KüEH (KüstenEinsatzHundertschaft)

  • Markus, schöner Fang.
    :-D

    Man lebt ruhiger, wenn man nicht alles sagt, was man weiß, nicht alles
    glaubt, was man hört und über den Rest einfach nur lächelt.


    Ich suche ständig: Wehrpäße und Fotos aus den Standorten Augustdorf, Höxter, Wesel und Hemer, ganz speziell Pz.GrenBtl.212 von 1959-1964,

  • Hey Kle,


    sehr schöne und hoffentlich doch seltene Jacke :thumbsup: . Eine Jacke in Amöbentarn habe ich so noch nicht gesehen. Sogar mit Dienstgradabzeichen, Leutnant, wenn ich richtig gesehen habe.


    Einfach super und ich hoffe es war auch noch ein "Schnäppchen"....... :thumbup:


    Gruß Fiedl

  • Hallo,
    erstmal vielen Dank für Eure Antworten.


    Ich werde mal versuchen, den von Kai gefundenen Hersteller zu kontaktieren.
    Könnte ja ein Versuchsmuster sein ...


    Zum Etikett:
    Es ist kein "blanco"-Etikett.
    Ich hatte ja oben geschrieben

    In der Innentasche ist ein Etikett eingenäht, welches nur noch in Fragmenten zu entziffern ist.
    "US 16...."
    "186..." würde als Teil der Größenangabe passen
    In der untersten Zeile links eine "12" zu erkennen, was zur Vers.-Nr. gehören könnte.


    Wenn es eine STOV-Anfertigung ist, könnte mir vorstelllen, daß es zur Größenzuordnung eingenäht wurde.
    Oder eine "Legitimation" für den Träger, falls ein Vorgesetzter "Anstoß" an der Jacke genommen hat.


    Markus

  • Ich könnte mir vorstellen ,das man sowas gut zur Feinddarstellung nutzen konnte.
    Einer der sich so ,besser ans Biwak anschleichen kann und denen ne Überraschung gibt.
    Aber das spricht eher für nen Unteroffizier als für nen Leutnand.
    Die Fallis haben ja die Splittertarn länger getragen.Vielleicht hatte der Leutnand
    nen Springerkurs gemacht und wollte so ne Jacke aber mit mehr grün fürs Manöver

    Ich heisse Thomas,bin aber an die Anrede Tc gewöhnt und möchte das so weiterführen

  • Hallo Markus,


    kann man die Jacke eigentlich nach außen stülpen oder verliert sie dann als Herbsttarnjacke zum Teil (keine Taschen, keine Ösen) ihre Funktion? Ist die Jacke dann gefüttert oder besteht sie nur aus der einen Bahn Stoff?


    PS. sehr schönes Stück!!!


    Viele Grüße
    Martin

  • Moin Martin,


    wie ich schon oben geschrieben hatte, nur eine Innentasche.
    Sie ist also nur bedingt "wendbar" zu tragen.


    @ alle:
    Bei der Herstellersuche bin ich zu keinem verwertbaren Ergebnis gekommen.
    Ich gehe davon aus, daß es echt eine "STOV-Anfertigung" ist und das Größenschild nur zur Zuordnung von einer ausgesonderten Jacke/Parka eingenäht wurde.


    Markus

  • Gallo,


    ich stelle hier mal den Link zum Post von Bernd ein, bei dem eine Amöbentarnjacke die in der Bucht verkauft wurde.


    Was mir ander Jacke aus der Bucht noch auffällt:


    - die Ärmel sind am Übergang zum Bündchen nicht gerafft


    - im Bereich der Ellenbogen ist die Jacke nicht verstärkt


    - die Taschenklappen sind rechteckig. Bei der Splittertarnjacke sind die Ecken abgeschrägt


    - der Reißverschluss siht auch nicht nach "BW" aus.


    Markus

  • Ich gebe zu den Thread hier nicht gekannt zu haben... also gibts zwei ähnliche Jacken. Gut.

    Markus, auch bei Deiner würde ich zwar einen Schneider mit Kenntnis der BW Splittertatnjacke als Urheber sehen, die Fertigung aber frühestens in die 80er datieren....


    Jens

    Das mach ich übern Winter (altes Schraubermotto, generell ohne Nennung einer Jahreszahl) :D



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  • Hat zwar mit der Geschichte der Jacke nicht direkt was zu tun...

    In einer Zeitschrift über Militärfahrzeuge war ein Bericht über ein Fahrzeugtreffen in Brandenburg. Auf einem Foto steht wohl der Besitzer neben seinem Kübel der Wehrmacht. Jacke und Mütze die er anhat... in Amöbentarn. Wenn das niemand von euch war ist es zumindest ein Hinweis, dass es sowas öfter gibt!

    Grüße...