Ich hatte eine Farm in Afrika.....



  • ….am Fuße der Auas-Berge.
    Natürlich war das nicht meine Farm, aber wenn man da 20 Jahre lange jedes Jahr einige Wochen verbringt, kommt es einem irgendwann so vor.
    Man erlebte sowohl die Fortschritte als auch die Rückschritte hautnah mit, man sammelte Zeug an, in diesem Fall in erster Linie Borgward-Teile, Platz war ja ohne Ende vorhanden, und man erfreute sich an der großartigen Landschaft, in der die Farm lag.
    Und ich sah unzählige Hunde kommen und gehen, die dafür sorgten, dass kein Unbefugter den Plot betrat und dadurch nie etwas von den abgestellten Autos verschwand.
    Und nun hieß es plötzlich : Wir werden die Farm verkaufen!
    Nicht mal die Besitzer selber hätten zwei Jahre vorher damit gerechnet. Aber Jan hatte als starker Raucher ein Leben lang seine Lunge vollgeteert, und nun war der Zeitpunkt erreicht, wo die Lunge es nicht mehr schaffte, den zum Leben notwendigen Sauerstoff zu absorbieren.
    Jedenfalls nicht auf 1700 Metern über dem Meer, auf dieser Höhe liegt nämlich die Farm.
    Atmen war erst wieder auf Meereshöhe problemlos möglich. Damit war ein Umzug nach Swakopmund beschlossene Sache.
    Und für mich bedeutete das : Umziehen !
    Zum Glück war der Ort der Neuansiedlung schnell gefunden. Jörg, Jan`s Sohn, meinte nur, na, dann kommt ihr eben auf meine Farm.
    Seine Farm liegt auch nur 30 Kilometer von der anderen entfernt, aber 25 Km davon sind Gravelroad, also Piste. Die ja die meiste Zeit des Jahres problemlos zu befahren ist, nur in der Regenzeit kann es hier und da Probleme geben.
    Denn schließlich führt die Piste durch drei Flußbetten und auch in jeder anderen Senke werden durch starke Regenfälle heftige Furchen in die Fahrbahn gespült.
    Ich kam am Donnerstag an, und am Sonntag setzte die Regenzeit so heftig ein, dass auf der neuen Farm gleich mal ein neu aufgeschobener Damm weggespült wurde.
    Aber hier freuen sich ja alle immer über Regen. Ist ja auch irgendwie verständlich, denn die Existenz der Farmer hängt buchstäblich davon ab, wieviel Regen sein Land in den zwei Monaten der Regenzeit bekommt. Die Planzen blühen wieder auf, was sowohl den Wildtieren als auch den Milch-Antilopen zu Gute kommt, und es füllt den Grundwasserspiegel, damit die Brunnen und Bohrlöcher nicht trocken fallen. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn die Leute dann, wenn mal ein heftiger Regen über ihre Farm gezogen ist, beim Radio anrufen und die Niederschlagsmenge durchgeben.
    Die wird dann auch immer erfreut angesagt, und am Ende der Sendung wünschen die Moderatoren ihren Hörern ein verregnetes Wochenende.
    Wer nun also wieder den üblichen Reisebericht erwartet, den muss ich enttäuschen. Für reisen blieb diesmal keine Zeit. Vielmehr gibt es diesmal nur einige Umzugs-Impressionen von einem der über 20 Jahre lang in einem fremden Land Borgwardse und Teile angesammelt hat, und eigentlich nie daran dachte umziehen zu müssen.


    Auf der Farm standen also 4 Borgis, von denen 3 fahrbereit waren. Der vierte war der 522er Koffer-Borgi, dessen Vorderachse Michi und ich ja im letzten Jahr geschlachtet hatten, um unseren Reise- Borgi wieder fahrfähig zu machen. Der musste nun erstmal wieder rollfähig gemacht werden.
    Und noch ein Handicap wies der Wagen auf : Der Motor, ein Daimlermotor, war nur mit Holz und Draht im Auto befestigt. Hier war nun ein fester, dauerhafter Einbau vonnöten, damit er bei der bevorstehenden Schleppaktion auch im Fahrzeug blieb.







    Hier sieht man mal wieder, wie die Autos in diesem Land leiden.



    Zuerst musste ich die Halter für das Getriebe bauen...



    ...denn die Halter am Borgi-Rahmen wollte ich übernehmen.











    Damit war die Länge nach vorne vorgegeben, und da ging es dann auch weiter.



    Der Schrotthaufen der Farm enthält alles, was man braucht.



    Nach dem Salzsäurebad sieht das Eisen wieder aus wie neu.



    Der Träger muss noch einige Veränderungen über sich ergehen lassen.










    In den originalen Träger mussten noch Schrauberöffnungen geflext werden.



    In diesem Depot lagert das "Rohmaterial".



    Als alles befestigt war, konnte die Schlepp-Aktion starten.



    Früh am Morgen ging es los...










    Manchmal hat man ja auch Glück. Zwei Tage vor dieser Aktion hat der Grader die arg zerfurchte Piste glatt gehobelt, so konnten wir fahren wie auf der Autobahn.

  • Dann musste Heinz`s Hänger abgebockt und rübergebracht werden. Und es war gut, dass er aufgebockt war, sonst hätten die Reifen arge Standschäden gehabt, denn ein Reifen hatte in den drei Jahren Standzeit seine Luft völlig verloren.






    Zwischenzeitlich wurden die beiden Container teilweise umgeräumt, teilweise ausgeräumt. Da war es hilfreich, dass ich den Farmeigenen Pick-Up, einen Mazda mit Allrad und die vorhandenen Anhänger nutzen durfte.
    Tagsüber wurde konstruiert und gebaut, und/oder gepackt, und am späten Nachmittag wurde die Fuhre dann zur anderen Farm gebracht.
    Als nun die Regenfälle immer häufiger wurden, wurden auch die drei Flusspassagen auf der Piste immer schwieriger. Da hatte der Mazda mit seinen abgefahrenen Breitreifen zunehmend Probleme.
    Also musste ein richtiges Zugfahrzeug für die Anhänger her, die nun ja auch immer mit Steinen beladen wurden. Diese Interlogs, wie man sie hier nannte, waren ja sozusagen die Grundlage meines Bastelplatzes, und sollten es drüben auch wieder werden.
    Da bot sich „Schröder“, der Farm-Borgward, an. Der hatte zwar noch keine Kugelkopf-Kupplung, aber das konnte schnell geändert werden. Schließlich hatte ich in Deutschland schon einige davon gebaut, und der Schrotthaufen der Farm, durch die Reinigungsaktion schön komprimiert, gab genug Material her.
    Danach waren auch sumpfige Flußbetten kein Problem mehr.












  • Mein Reisekumpel sprang nach 10 Monaten Standzeit problemlos an.
    Also brauchte es nur die kleine Inspektion, sprich: Kontrolle aller Ölstände.
    Allerdings zerlegte ich noch schnell die linke Seite der Vorderachse, und ersetzte den Achsstumpf auf dem die Lager sitzen. Denn im letzten Jahr war uns ja genau dieses Teil auf der rechten Seite gebrochen und da wollte ich sichergehen, das die andere Seite nicht auch schon Haarrisse hat.



    Wir erinnern uns...




    Aber hier war alles in Ordnung. Trotzdem baute ich aber das mitgebrachte Ersatzteil ein.
    Das ausgebaute Teil wanderte dann in den 522er, um den rollfähig zu machen.




    Schon im letzten Jahr, während der Reparatur auf dem Campingplatz, war mir aufgefallen, dass die Bremsbeläge es hinter sich hatten. Also hatte ich zwei Pakete Bremsbeläge im Koffer, die ich jetzt aufnieten wollte.
    Als ich in Windhoek den Laden aufsuchte, wo man die dafür nötigen Nieten kaufen konnte, kam mir eine andere Idee : Ich ließ neue Beläge aufkleben.
    Das klappte dann auch innerhalb von zwei Tagen, und kostete 28,. Euro, für 4 Backen !
    Die Beläge zum aufnieten habe ich dann wieder mitgebracht.





    Durch die Erfahrung am 522er aufmerksam geworden, stellte ich fest, das auch bei diesem Wagen das Widerlager lose war.




    Dann fuhr ich den Wagen auf die andere Farm, wo er wieder aufgebockt wurde. 30 Kilometer, das war die kürzeste Distanz, die ich mit dem Wagen in einem Urlaub gefahren bin.





    Mein Kumpel Tom wollte die letzen drei Wochen rüberkommen und mich unterstützen und sein Kram und seinen Borgi ebenfalls verfrachten. Doch der Krankheitsteufel machte ihm einen Strich durch die Rechnung, statt Auslandsflug gab es Intensivstation im heimischen Krankenhaus.
    Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich auch um sein Auto zu kümmern.
    Aber auch dieser Borgi sprang ohne Probleme an, nach 22 Monaten, und ich konnte ihn auf die neue Farm bringen.




    Allerdings war nicht sicher, ob der Reifen bis zur anderen Farm halten würde...




    Zwischendurch ploppten dann noch Wünsche auf, als Jörg anfragte, ob ich denn den einen Betonmischer, den schweren, und den Kompressor-Anhänger, nicht auch mit rüber bringen könnte?
    Na, logisch, eene hand wäscht die andere, und beede dit Gesicht. Schließlich war er schon dabei, auf seiner Farm die neuen Fundamente für die Container zu gießen.
    Der Betonmischer war extrem schwer, und die Räder hatte irgend jemand mal anderweitig gebraucht. Ein Schicksal, das in Afrika auch vielen Reservereifen widerfährt.
    Aber mit meinem Motorgalgen war es trotzdem machbar, ihn auf den Anhänger zu kriegen. Der hatte schließlich noch alle vier Räder.



    Und immer, wenn man es gar nicht braucht, liegen spitze Steine in der Gegend rum.




    Bei dem Kompressor-Anhänger war etwas Vorarbeit notwendig. Der Anhänger war seit Jahren nicht mehr zugelassen, (er hatte noch ein Nummernschild aus der Zeit, als Namibia noch Deutsch-Südwest hieß.) hatte weder Licht noch Bremse, und ein Reifen war durch luftloses Stehen zerstört.
    Ein brauchbarer Mantel fand sich zwischen den angesammelten Altreifen der Farm, zwar nur ein 6.50 statt 7.50, aber hey, ein Anhänger hat kein Differntial.
    Die 5 Kilometer Teerstraße bis zum beginn der Gravelroad führten nun genau an einer Wiegebrücke vorbei, an der alle LKW`s über 3,5 To verpflichtet sind, sich wiegen zu lassen.
    Und damit das auch kein Fahrer übersieht und einfach vorbei fährt, lungert an der Einfahrt immer ein Polizeiwagen rum, bereit, jeden zu verfolgen, der ihm komisch vorkommt.
    Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, das auch der Borgi mit diesem Anhänger der Ordnungsmacht komisch vorgekommen wäre.
    Also war ein Besuch beim Nachbarn angesagt. In zwanzig Jahren hatten wir schon einige feuchte Abende gemeinsam verbracht. Er gab mir die nötigen Torschlüssel, und ich konnte mit meinem Gespann auf seinen Farmwegen die Ordnungshüter umgehen.
    Auf der Gravelroad hatte ich wieder freie Bahn, da trfft man keine Polizisten.







    Irgendwann waren die großen Brocken alle drüben, und es kam die Zeit, wo ich meine Badewanne verladen musste. Das hatte ich mir bis ganz zum Schluß aufgehoben.
    Denn wenn man den ganzen Tag bei 30° gewerkelt hat, dann war es sehr schön, sich in die warme, aber trotzdem noch erfrischende Jauche zu legen, und den Tag ausklingen zu lassen. Im Rücken der Backenzahn, im Westen die untergehende Sonne, im Osten die unendliche Weite und im Norden die rötlich angestrahlten Auas-Berge.
    Dieser Ausblick, diese Landschaft, werden mir fehlen…

    Morgen gibt es noch ein paar Fotos, für heute reichts mir.


    Gruß Jozi.

  • Hier wird meine neue Wirkungsstelle entstehen.



    Während ich mich um den Schrott kümmere, kümmern sich andere um die Fundamente für die Container.







    Irgendwann waren dann alle Autos drüben.



    Bis das Dach fertig ist, wurden sie eingepackt.



    "Opa" hatte schon früh damit begonnen, die Steine aufzubrechen. (Das tat mir körperlich weh).



    Mit jeder Hängerfuhre wurden auch Steine rübergebracht.



    Und schließlich musste die Badewanne rüber.








    Hatte ich schon erwähnt, das ich diesen Ausblick vermissen werde ?





    Ja, so ein Abschied fällt schwer. Aber ich glaube, auf der neuen Farm kann es auch ganz schön werden.





    Gruß Jozi.

  • Genia ! :thumbsup:


    Bleibt die spannende Frage: Wie sind die Container rübergekommen ?
    Oder bleibt das für den nächsten Urlaub übrig ?


    Hoffe, daß Dein neues Domizil was dauerhaftes ist - also was für die Rente, den Lebensabend oder die Phase der Pflegebedürftigkeit ^^
    Achja, und natürlich Homebase für die Borgwardvermietung.


    Gruß


    Peter

  • Jozi,


    Du bist eine der ganz seltenen charakterlichen Kombinationen aus Daniel Düsentrieb, Wolfgang von Goethe und Caspar David Friedrich!
    Die Mischung aus perfekter Feldinst (allein Deine Schweißnähte sind klasse!), höchst eloquent geschriebenen Berichten und super Bildern ist wirklich einmalig. Ganz, ganz grosses Kino!
    Ausspreche Lob und Anerkennung!


    Gruß von der Elbe an die Spree, Christian

  • Hallo Jozi, danke das du den Anhänger, auf dem sich auch einige Kleinigigkeiten von mir befinden, umgesiedelt hast. Die neue Farm hat einen großen Vorteil: Aus gesicherter Quelle weiß ich, das die dortige Rollmops-Population ausgestorben ist. Wenn Heinz und ich im Juli dort sein werden, treten wir auch nochmal die Kupplung deines Borgwards. Gruß Siggi

    Wissen ist heute eine rasch verderbliche Ware. (Arno Penzias)

    Einmal editiert, zuletzt von Sandiltis ()

  • Hallo Stephan
    Erst mal finde ich es schön, dass du heil und im Ganzen wieder bei deinen Möbeln in Berlin bist.
    Dann natürlich Hut ab vor deiner Leistung, einen Umzug managen und durchzuführen ist schon ganz schön knifflig, und dann noch auf einem anderen Kontinent. Manch einer würde sagen dort hat man beschränkte Möglichkeiten, ich sage man hat dort besondere Möglichkeiten kreativ zu werden.
    Deine Berichte sind natürlich einsame Spitze, auch wenn es bei dieser Tour eigentlich nur Alltagsprobleme waren.
    Aber evtl war es ein kleiner Vorgeschmack darauf was dich in der Rente erwartet. ^^ Auch in Namibia soll es auch mal Alltagsleben geben.
    Habe meinem Vater einige deiner Berichte inklusive Fotos ausgedruckt und gezeigt, bzw vorgelesen. Auch er war total fasziniert.
    Tiptop, bleib bitte lange fit und gesund und somit allen erhalten.

  • :) Vielen Dank für den Zuspruch.


    Und um die Fragen zu beantworten...


    Aber sag, woher kam das Wasser für die Wanne und wie oft wurde es gewechselt?!


    Das Wasser kam aus diesen Behältern.



    Die Plastik-Behälter, der andere ist stillgelegt. Und in die Behälter kommt es aus einem 103 Meter tiefen Bohrloch, wo unten eine Pumpe sitzt, die wir dieses Jahr auch noch erneuern durften, über eine 250 Meter lange Rohrleitung.


    In die Wanne kamen dann 5 Liter Badeschleim, welcher unter anderem dafür sorgte, das sich keine Mückenlarven einquartierten.
    Tote Insekten wurden jeden Tag abgesaugt, und da ich ja allein drin badete, reichte das Wasser 5 Wochen.


    , was wird denn aus der alten farm ?


    Nun, die wird verkauft, nächstes Jahr fahr ich mal vorbei, und guck, was daraus geworden ist.


    Und, Peter, die Container werden erst im Winter rübergebracht, also Juni, Juli, oder August. Dann ist die Regenzeit vorbei, und die Piste ist wieder für schwere LKW befahrbar. ( 3 Container auf einmal. )
    Wenn der sich in dem Flußbett festgefahren hätte, hätten wir erst den ganz großen John Deere vom Nachbarn holen müssen.


    Gruß Jozi.

  • Hallo Stephan,
    ich ziehe den Hut vor Dir!!!!!!!!
    Trotz der ganzen Rödelei auch noch die Motor-und Getriebehalterung zu bauen :schweißen: . Wir hatten ja alles nur auf Holz gesetzt und mit Draht befestigt, damit nichts verrutscht. Hast du den OM 314 auch nochmal laufen lassen?
    Ich verspreche Dir alle Rollmöpse aus der Nähe der Borgwardse zu vertreiben!8)
    Gruß Heinz

  • Mir kam gestern der Gedanke, das einige hier im Forum ja garnicht wissen, wie ich in Namibia zu dem 522er gekommen bin.. Nämlich alle die, die nicht in Bremen bei Michi`s Borgward-Treffen waren. Und die Neuen hier im Forum... .


    Da kam mir dann die Erinnerung, das ich ja damals, also vor 10 Jahren, die Ereignisse "zu Papier" gebracht hatte.
    Die habe ich jetzt mal rausgesucht.


    Es geht also um dieses Auto :



    Und wie das so ist, lockt Aas immer die Geier an.
    So wurde auch diese Person schon am Objekt gesehen.



    Gott sei Dank konnte er verscheucht werden, bevor er das Objekt blau anstreichen konnte.





    Manchmal dauern Dinge länger als geplant.
    Und speziell beim Auto – restaurieren gilt der Grundsatz : Rechnest du mit einem Jahr, werden zwei Jahre daraus. Und auch ich, der ja nun schon einige Fahrzeuge vor der Presse gerettet hat, fällt immer wieder darauf rein.
    Doch beginnen wir am Anfang.
    Vor 14 Jahren steckte ich meinen damals 52 Jahre alten Borgward LKW in einen Container und verschiffte ihn nach Süd-Afrika. Namibia war das Ziel, und ich hatte 3 Monate Zeit, um Land und Leute kennenzulernen. Und Leute kennenlernen geht in Afrika schnell, wenn man mit einem so alten Auto unterwegs ist. Noch dazu, wenn ersichtlich ist, dass es ein Borgward ist. Denn viele Auswanderer fuhren in den fünfziger/sechziger Jahren auch im Ausland Borgward. Und wenn die Erinnerung an diesen Wagen eine gute ist, weil der Wagen nämlich durch Zuverlässigkeit glänzte, dann ist die Hemmschwelle, einen Fremden anzusprechen, durch die Freude über dieses Wiedersehen stark herabgesetzt. Und deshalb wurde ich des öfteren von Leuten um die 80 angesprochen, aber auch von jüngeren Menschen, die ihre Kindheit auf der Rücksitzbank einer Isabella verbracht hatten.
    Und einer von denen erinnerte sich, dass er genau so einen LKW schon mal gesehen hatte. Das müsste irgendwo bei Gobabis gewesen sein. Aber genaues wusste er leider auch nicht. Und nur auf Verdacht fährt man auch nicht mal eben mehrere hundert Kilometer.
    Aber wenn das Schicksal etwas will, dann hat es mehrere Möglichkeiten ans Ziel zu kommen. In diesem Fall war es der Kontakt zum Old-Wheelers Club in Windhoek. Bei einem gemütlichen Beisammensein im Kreise dieser Oldtimer-Liebhaber wurde natürlich über mein altes, allradgetriebenes Wohnmobil geredet, als auch hier wieder einer meinte : Er wüsste, wo noch so einer stehen würde, das wäre in der Nähe von Gobabis, genauer gesagt, in Witvlei. Und zu meiner Überraschung und Freude konnte er mir sogar den Weg zu der Farm beschreiben, auf der der Wagen stehen sollte.
    So reifte der Plan im Hinterkopf, wenn ich zufällig mal in diese Gegend kommen sollte, würde ich dieser Farm einen Besuch abstatten.
    Nun kommt man in 3 Monaten auch mit einem alten Auto gut rum. Und als ich auf dem Rückweg von den Viktoria -Fällen in Zimbabwe über Botswana nach Namibia war, kam ich direkt durch Gobabis. Von hier nach Vitvlei war es nur ein Katzensprung, und die Farm war schnell gefunden.
    Zu meiner Überraschung stand nicht nur ein Borgward LKW unter dem Schleppdach. Neben einigen amerikanischen LKW`s aus den 40er und 50er Jahren, standen dort auch ein Borgward B 2000 A/O, ein B 555 und ein B 522 mit Kofferaufbau.
    Der Mann, der gleich aus dem Haus gekommen war, als er mich mit dem Borgward durchs Tor fahren sah, stellte sich als Shorty, Sohn des Sammlers vor. Leider wäre sein Vater vor kurzem gestorben, und seine beiden Brüder und er hätten das ganze Zeug geerbt. Was damit werden solle, wüsste man noch nicht, aber ansehen könne ich mir die Autos gerne mal.
    Zu dem B 2000 gäbe es nicht viel zu erzählen, der war Vaters Liebling, daher auch noch zusätzlich mit einer Plane abgedeckt. Der 555er Pritschenwagen hatte eigentlich, nach seinen Erinnerungen schon immer hier auf der Farm seinen Dienst getan. Es müssten auch nur ein paar Kleinigkeiten gemacht werden, um den wieder in einen fahrbereiten Zustand zu versetzen. Der 522er wäre erst vor kurzem auf die Farm gekommen. Den hätte sein Vater deutschen Touristen abgekauft, für `n Appel und `nen Ei. Die wären damit von Deutschland nach Kapstadt gefahren und wären dann auf dem Rückweg hier gestrandet. Ob das Auto kaputt ging oder die Lust am Reisen alle war, entzieht sich seiner Kenntnis. Vielleicht kam auch beides zusammen, jedenfalls stand der Wagen seitdem hier unberührt und wartete auf sein ungewisses Schicksal.
    Diese Reise durch die südafrikanischen Staaten gefiel mir so gut, dass ich seitdem jedes Jahr da runter fliege, und mit dem alten Borgi auf Entdeckungstour gehe. Seit 12 Jahren kommt auch meine Freundin regelmäßig mit. Auf einer dieser Touren kamen wir wieder an Witvlei vorbei, und ich beschloss, ihr die Borgis zu zeigen. Außerdem wollte ich wissen, ob und wie die Brüder ihr Erbe aufgeteilt hatten.
    Wir fuhren also auf die Farm und wurden auch sofort wieder von Shorty begrüßt. Der Stand der Dinge war nun folgender: Der eine Bruder hatte den B 2000 bekommen, der andere Bruder die amerikanischen Lastwagen, und er selber hatte sich den 555er wieder fahrbereit gemacht und war glücklich damit. Den 522er wollte scheinbar keiner haben, denn er stand mittlerweile nicht mehr unter dem Dach der Halle, sondern unter freiem Himmel. An dem Wagen hatte keiner der Brüder Interesse, aber verkaufen wollten sie ihn auch nicht. Ich hatte nur mal so gefragt, Interesse hatte ich keins, da der B 2000 und der 522er sich in sehr vielen Teilen unterscheiden und ich eigentlich auch genug Ersatzteile im Land hatte.
    So gingen die Jahre ins Land, und eines Tages ging uns in Südafrika das Differential der Hinterachse kaputt. Nun ist dieser Defekt, der für die meisten Autos das Aus bedeuten würde, beim Borgi keine große Sache. Ich baute neben der afrikanischen Straßenkreuzung das Differential aus, und wir fuhren mit der Vorderachse die restlichen 2000 Km zurück zur Farm. Das einzige Handicap war, dass wir nun auf einigermaßen befestigten Wegen bleiben mussten.
    Auf dem Weg zur Farm hatte ich Zeit genug nachzudenken und mich zu ärgern. Ärgern, weil in diesem Jahr mein Kumpel seinen Borgward nach Namibia verschifft hatte. Dabei gilt es natürlich immer, den Container zusätzlich mit allen möglichen Ersatzteilen zu beladen. Als wir zu Hause beim Packen des Containers waren und er mit einem schweren Differential ankam, lehnte ich ab, mit den Worten : Die Dinger sind so stabil, da kann nichts kaputt gehen. Ich hatte auf all den Reisen noch nie Probleme mit dem Diff. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es eine Serie von Differentialen gab, bei denen die Nieten am Tellerrad nicht korrekt saßen. Und durch jeden Lastwechsel wurden die losen Nieten nun gequetscht. Und nach 70000 Km war der Zeitpunkt erreicht, an dem sie aufgaben und einfach abscherten.
    Wie einfach wäre es nun, wenn wir auf der Farm das benötigte Ersatzteil gehabt hätten. Aber ich musste es ja ablehnen. Nun stellte sich die Frage, wie bekommt man dieses sauschwere Teil ins Land. Mit dem Flieger bestimmt nicht.
    Da fiel mir der 522er in Witvlei ein. Die Differentiale waren zwar baugleich, hatten aber eine andere Übersetzung, da es sich ja um ein Diesel-Fahrzeug handelte, mit weniger Umdrehungen als unser Benziner. Aber wenn man beide Diff`s wechselte, würde es schon gehen. In Afrika gibt es eh` nicht so viele Straßen zum rasen.
    Wir bogen also in Witvlei wieder ab auf die Farm, wo wir allerdings nur auf einen Verwalter stießen, der uns nichts zu dem Auto sagen konnte. Shorty arbeitete mittlerweile auf einer anderen Farm.
    Aber wenigstens stand der Wagen noch da. Alle 6 Reifen platt, die Scheinwerfer und Spiegel geklaut, aber die Achsen mit den Diff`s waren wenigstens noch da.
    Wir fuhren also weiter zu der Farm, auf der Shorty nun arbeitete. Nach der Begrüßung schilderte ich ihm unsere Misere, in der Hoffnung, die benötigten Ersatzteile für kleines Geld zu kriegen, denn schließlich hatte sich um den 522er in den letzten Jahren eh` niemand gekümmert.
    Wie groß war nun mein Erstaunen, als ich hören musste, dass sich die Brüder, speziell über den Verwendungszweck dieses Fahrzeuges, immer noch nicht einig waren. Und eine Ersatzteil-Abgabe könne er unter diesen Umständen gar nicht allein entscheiden. Aber ich solle in einer Woche nochmal anrufen.
    Man wird es sich denken können, der Anruf eine Woche später brachte auch keine veränderte Sachlage. Wir waren also gezwungen, das Problem auf andere Art und Weise zu lösen.
    Die Reisen in den folgenden Jahren führten uns immer in andere Gegenden, so dass wir den 522er vorrübergehend aus den Augen verloren.
    Aber ganz Namibia ist ein Dorf. Und speziell die Weißen kennen sich alle untereinander. Auf einer Geburtstagsparty mit vielen Gästen kam die Rede von Fahrzeug-Defekten über Ersatzteile auf Shorty, und plötzlich stellte sich raus, dass mein Gesprächspartner mit Shorty auf eine Schule gegangen war. Der wusste auch, dass Shorty die Farm verkauft hatte. Was mit den Autos, speziell dem Borgward, geschehen war, wusste er nicht.





    Da unser Reise-Borgi mit sich selbst genug zu tun hat, musste als Schleppwagen der Farm - Borgi ran.






  • Aber ich hatte ja noch Shorty`s Telefonnummer. Am nächsten Tag rief ich an und erkundigte mich nach dem Stand der Dinge. Der war folgender : Die Farm war wirklich verkauft, und der neue Besitzer wohnte dort auch schon. Nun hatte Shorty noch 4 Wochen Zeit, die letzten Autos abzuholen, zwei amerikanische LKW und den 522er Borgward. Das war meine Gelegenheit. Ich schlug ihm vor, mir den Wagen zu verkaufen, so dass er schon mal ein Problem weniger hätte. Gab aber auch den jetzigen Zustand zu bedenken. Das Argument der Problemreduzierung schien scheinbar zu wirken, denn wir einigten uns, dass ich den Wagen haben und abholen könnte, für den Gegenwert von zwei deutschen Borgward-Tankfüllungen.Nun kann man für diesen Preis nicht viel falsch machen, allerdings hatte ich mir auch noch nicht so richtige Gedanken gemacht, wie ich denn im fremden Land einen LKW ohne Reifen und Bremsen über 300 Km Pisten und bergige Gegend bringen wollte. In Deutschland wäre das kein Problem, da hatten wir einen großen LKW und einen Tieflader. Da würde man die Fuhre aufladen, sich zwei Tage Fahrzeit ans Bein binden, und die Sache wäre erledigt. Hier nun sah die Sache geringfügig anders aus. Wir waren nur noch eine Woche im Land. Ines, meine Freundin, hatte noch nie ein Auto abgeschleppt, da stellte sich die Frage, ob es taktisch sinnvoll war, gleich mit einem LKW ohne Bremsen und Lenkhilfe zu beginnen, und wir hatten keine Papiere und keinen Kaufvertrag für die Neuerwerbung. Immerhin hatten wir schon das Reifenproblem gelöst. Auf der Farm lagen nämlich noch die alten Robur-Reifen aus der Anfangszeit unserer Reisen. Die waren nun zwar schon abgefahren und rissig, schließlich waren sie ja auch schon an die 25 Jahre alt, aber sie hielten noch die Luft. Und schließlich wollten wir ja nur abschleppen, und nicht zum TÜV.Nachdem Ines mit dem Argument geködert war, das wir uns den 522er doch fertig machen könnten und dann gemeinsam mit Freunden durch die Lande ziehen könnten, war auch sie bereit, ihren fahrzeugtechnischen Horizont zu erweitern und sich in dieses Abenteuer zu stürzen.Wir luden also 5 große Reifen, eine Abschleppstange und jede Menge Werkzeug in unseren Borgward, schütteten alle Tanks voll und machten uns auf den Weg.Der neue Besitzer der Farm musste nicht lange überzeugt werden, dass wir jetzt die rechtmäßigen Besitzer waren. Er freute sich, dass dieses Stehzeug jetzt von seiner Farm verschwand.Die Reifen wurden gewechselt, Lenkung kontrolliert, beide Bremsen waren ohne Funktion und daran ließ sich so schnell auch nichts ändern. Wir übernachteten auf der Farm, und am nächsten Morgen ging es frisch ans Werk.Nach 10 Kilometern hielt ich kurz an, um bei Ines nach dem Rechten zu sehen. Da war sie schon total durchgeschwitzt, obwohl es bis dahin nur geradeaus gegangen war und wir erst 20° Celsius hatten. Ich hatte ihr gesagt, dass sie unbedingt darauf achten müsse, dass die Abschleppstange immer gerade war, da nur so ich sie abbremsen konnte. Das tat sie nun auch, indem sie in einer verkrampften Sitzhaltung immer auf die Stange starrte. Nun sollte sie sich lockern, richtig hinsetzen, sollte sich einprägen in welcher Flucht das Fahrzeug vor ihr laufen würde, wenn die Stange gerade wäre und ansonsten die schöne Landschaft genießen.Und siehe da, so ging es besser. Und wenn es so bis zur Farm weitergegangen wäre, hätte man die ganze Aktion unter Pillepalle abbuchen können.Nun hat sich der schwarze Mann aber für die Sicherheit seiner Hauptstadt etwas Besonderes einfallen lassen. Damit keine kriminellen Elemente nach Windhoek gelangen, hat man an allen vier Einfallstraßen jeweils einen sogenannten Roadblock errichtet. Hier lungern bei Tag und Nacht Polizeipolizisten herum, die je nach Lust und Laune verdächtige Personen und Objekte kontrollieren können.Uns war klar, dass ein uralter deutscher LKW, der einen uralten deutschen LKW ohne Zulassung schleppte, auf alle Fälle in die Kategorie „Verdächtige Objekte“ fallen würde. Und wenn sich im Zuge der Kontrolle herausstellen würde, dass wir für das Auto am Haken weder Papiere noch Kaufvertrag hatten, würden auch wir zum Kreis der verdächtigen Personen zählen.Für dieses Problem gab es aber auch eine Lösung. Auf der Karte war eine kleine Piste eingezeichnet, die 30 Kilometer vor Windhoek links von der Hauptstraße abzweigte, sich durch die Berge schlängelte, um dann auf der anderen Ausfallstraße, 30 km hinter Windhoek, wieder auf die Hauptstraße zu treffen. Für uns war dieser Schleichweg sogar eine Abkürzung, weil wir so von der östlichen Ausfallstraße auf die südliche kamen, ohne uns durch die Hauptstadt quälen zu müssen.Sicherheitshalber fragte ich noch einen unserer Bekannten, wie denn die Beschaffenheit der Piste wäre, speziell die Höhe der Berge interessierte mich. Gar kein Problem, war die Antwort, leichtes Wellblech, kleine Flußdurchfahrten, und die Berge sind nicht der Rede wert.In der Tat, die Wellblechpiste machte unseren Autos mit den großen Reifen nicht so viel aus, die Flüsse waren eh` ausgetrocknet , was störte waren nur die Berge !In Deutschland, Österreich und der Schweiz schlängeln sich die Straßen in Serpentinen den Berg hoch. Hier in Namibia führen gerade Wege ans Ziel. Und wenn da ein Berg im Wege steht, dann geht es geradeaus diesen Berg hoch und geradeaus wieder runter. Wird die Eintönigkeit eines solchen Weges mal durch eine Kurve unterbrochen, so befindet sich diese garantiert am Fuß des Berges, da wo man den meisten Schwung hat.Unser B 2000 quälte sich also mit seiner Last am Haken diverse steile Berge hinauf. So steil, dass stellenweise noch nicht mal der erste Straßengang ausreichte, um hochzukommen. Mehrere Male musste ich auf die Geländeuntersetzung zurückgreifen.Die Frage drängte sich auf, wie ein Einheimischer mir eine derartige Fehlinformation geben konnte, er musste den Weg doch kennen, er lag doch quasi direkt vor seiner Haustür. Bis mir einfiel, dass er ja diesen Weg nur mit einem Toyota Landcruiser oder einem Ford V8 befuhr. In Fahrzeugen mit solchem Hubraum werden diese Berge zu Hügeln eingeebnet, die der Fahrer gar nicht bewusst wahrnimmt.Bei Borgward war das anders. Der PKW –Motor, der serienmäßig in diesem 3,5 Tonner werkelte, war unter normalen Bedingungen schon in der Lage, die Fuhre recht flott zu bewegen. Aber wenn hinten dann noch mal 3,5 Tonnen dranhingen, und der Motor durch die Höhenlage von 1500 m über Null auch nicht über sein volles Potential verfügte, dann keuchte die Fuhre eben sehr asthmatisch die Berge hoch.Dass es also stellenweise sehr langsam voran ging, war ja mit einem gewissen Gleichmut noch zu ertragen. Und Gleichmut lernt man in Afrika. Prickelnder waren da schon die Abfahrten. Je nach Länge und Gradient des Weges ging es einige Male recht flott zur Sache. Das Problem war nämlich, dass der hintere Borgward schwerer war als der Vordere. Also schob dieser sehr spürbar. Wenn ich im vorderen Wagen dann bremste, begann der Wagen hinter mir, mich quer zu schieben. Schließlich befanden wir uns auf einer Schotterpiste, die den Rädern nur sehr wenig Seitenhalt bietet. Um also nicht komplett von dem hinteren Borgi quergestellt zu werden, musste ich Gas geben um die Fuhre wieder gerade zu ziehen. War diese Tatsache allein schon ausreichend dafür, dass sich Ines sämtliche Nackenhaare aufstellten, so gab es, sozusagen als Sahnehäubchen, die Viehgatter, die immer dann auf der Piste stehen, wenn es von einer Farm auf die andere geht. Nun gibt es zwei Sorten von Viehgattern. Die eine Sorte besteht aus normalen Toren, welche man von Hand öffnen und schließen muss, wobei es bei den Verschlüssen mehrere 1000 Möglichkeiten gibt. Dafür muss man allerdings immer anhalten, aussteigen, öffnen, durchfahren, anhalten, wieder aussteigen, schließen und weiter. Das nervt auf Dauer doch ganz schön, nicht nur Reisende, die ja am Tag eine schöne Strecke schaffen wollen, sondern auch die Einheimischen, die Locals, wie man heute sagt.Diese haben sich nun folgendes ausgedacht : Es wird auf der Fahrbahn eine rechteckige Grube ausgehoben. Über diese Grube werden quer zur Fahrtrichtung Eisenbahnschienen verlegt. Im Abstand von 20 cm und ebenerdig. Der Zaun reicht rechts und links bis an die Grube, die Durchfahrt ist meisten ca. 3 m breit. Rinder und andere Tiere können also dieses Hinderniss nicht überwinden, aber Autofahrer können ohne Halt passieren. An sich eine sehr gute Sache.
    Kommt man nun aber mit zwei LKW`s , verbunden mit einer Eisenstange, in viel zu hoher Geschwindigkeit den Berg runter, muss man als Fahrer die Lücke schon genau anvisieren, um nicht anzuecken. Mir, als Fahrer von großen Feuerwehrfahrzeugen, die ich auch mit überhöhter Geschwindigkeit durch den Stadtverkehr bringen muss, macht das nicht so viel aus. Ines aber, die darin weniger bis keine Übung hatte, die diese Engstellen auch immer erst sehr spät sah, schickte schon das ein oder andere Stoßgebet in den Himmel.
    Aber das Schicksal meinte es gut mit uns. Ohne eine größere Panne an einem der beiden Fahrzeuge erreichten wir unsere Farm und waren doch recht froh über den guten Ausgang dieser Geschichte.





  • Aber ich sollte sagen: Dieses Kapitel dieser Geschichte. Denn die eigentliche Geschichte fing ja jetzt erst an.
    Sie fing damit an, dass wir uns den 522er am nächsten Tag etwas genauer ansahen.
    Auf den ersten Blick stand der Wagen gar nicht so schlecht da. Gut, der Motor war fest und hatte bestimmt noch andere Schäden. Ob das Getriebe die lange Reise von Deutschland ins südliche Afrika ohne Defekte überstanden hatte, musste man rausfinden. Das die Bremsanlage komplett gemacht werden musste, war klar. Immerhin waren noch fast alle Scheiben drin. Neue Reifen wurden auch benötigt, aber das hatte Zeit. Die Rostschäden am Fahrerhaus würde ich als minimal bezeichnen, die am Koffer waren beim genaueren hinsehen doch von ziemlichem Ausmaß. Nicht nur, dass die Kofferunterkante reihum völlig verfault war, das haben alle unrestaurierten Koffer. Die Leute poppen dann meist Aluwinkel drüber und halten die Sache dann für repariert. Der TÜV akzeptiert diesen Pfusch dann auch noch, da es sich ja nicht um tragende Teile handelt, und gut ist`s.
    Dass es da unter nun doppelt so schnell weiterfault, interessiert scheinbar keinen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Genau so hatte man unsere Neuerwerbung vor Antritt seiner großen Reise (oder sollte ich sagen: seiner letzten Reise ) zusammengeschustert. Als die Winkel ab waren, bot sich uns ein katastrophaler Anblick. Damit nicht genug, die Querverstrebungen des Koffers hatten auch alle ihr Leben hinter sich. Wir würden also Fahrgestell und Koffer trennen müssen, wenn wir hier vernünftig reparieren wollten.
    Im Fahrerhaus fehlten alle Instrumente, sämtliche Kabel waren irgendwie abgekniffen, die Scheinwerfer hatte man auch entwendet. Der Lukendeckel diente nun mit Sicherheit in einem Kraal als riesige Bratpfanne.
    Als ich die Achsen begutachtete, packte mich das schiere Entsetzen, fast fehlen mir die Worte um das Grauen zu beschreiben. Nur so viel : Hinten hatte man zusätzlich moderne Mac Pherson Federbeine an die Achse geschweißt, jawoll, einfach komplett an das Achsgehäuse geschweißt. Ich kann nur hoffen, dass dies eine Reparatur war, die aus der Not geboren wurde und irgendwo im Busch gemacht wurde.
    Auf der Plusseite hatte der Wagen einen intakten Rahmen, also keine Risse oder Verformungen, und eine intakte Silhouette.
    Recht wenig eigentlich, um eine Restauration zu beginnen. Aber der größte Vorteil war eben der, dass der Wagen schon im Land war und nicht aufwendig und teuer hierher verschifft werden musste.
    In Deutschland müsste man ihn auch kaufen, restaurieren und dann verschiffen, was sehr teuer käme, da er, anders als der B 2000 , nicht in einen Container passte. Und wenn er dann nur auf einem Flat steht, wäre er ja von allen Seiten zugänglich. Und im Falle einer langen Seereise, mit Mannschaften aus aller Herren Ländern, ist das eigentlich schon die Garantie dafür, dass das Auto aufgebrochen und leergeräumt ist, wenn es am Zielhafen ankommt.
    So haben es uns diverse Reisende berichtet, die wir unterwegs und auf Globetrotter-Treffen trafen.
    Das sind die Erlebnisse, auf die ich verzichten kann.
    Also machte es in meinen Auge Sinn, die traurigen Reste eines Borgwards hier zu kaufen und auch hier, also im Urlaubsland, zu restaurieren.
    Und schließlich sah er ja vom Weiten gar nicht so schlimm aus.
    Und schließlich hatte ich zuhause schon viel schlimmere Grotten wiederbelebt.
    Und schließlich war ich genau so verblendet wie immer, wenn irgendein Schrottfahrzeug zum Verkauf stand.
    Aber nun war der Urlaub erst einmal zu Ende und mit dem Flieger ging es zurück nach Deutschland.



    Gruß Jozi.

  • Aha jetzt weiß ich endlich mal um deine Anfänge in Namibia.
    Was mich als jetzt mal interessieren würde, hast du irgendwas dabei um dich vor Mensch und/oder Getier zu schützen die dir etwas böses wollen?
    Und für mich ganz wichtig, da unten gibt es jede Menge giftiges Krabbel- und Kriechgetier.
    Hast du da so etwas wie ein paar Gegenmittel dabei um dein Leben zu verlängern? Weil mal kurz einen RTW rufen wegen einem Schlangenbiss rufen ist ja wohl nicht?
    Genau, wie sieht's eigentlich mit Kommunikationsmittel bei einem medizinischen oder technischen Notfall aus?
    Neugierige Grüße
    Mario