Ex Schweizer Puch 230 GE - langstreckentauglich?

  • Hi,


    wie schon in meiner Vorstellung geschrieben bereiten meine Frau und ich uns gerade auf ein Autoreise von Deutschland nach Fernost-Russland vor. Da ich den sonst fuer solche Vorhaben oft vorgeschlagenen Gelaendewagen aus Japan einfach nichts abgewinnen kann haben wir uns momentan auf die G-Klasse eingeschossen, genauer einen Puch 230 GE aus schweizer Armeebestaenden. Warum gerade dieser?

    - Benziner - Diesel wird in diesen Gegenden nicht als PKW Kraftstoff angsehen und ist nicht ueberall verfuegbar. Durch die niedrigen Spritpreise in diesem Teil der Welt ist der hoehere Verbrauch vernachlaessigbar. Nur ein Treibstoff an Bord da der Campingkocher auch mit Super Benzin laeuft.

    - Automatik - Finde ich auf langen Strecken angenehmer zu fahren. Frauchen (hat keinen Fuehrerschein) duerfte es damit leichter haben uns in den naechsten Ort zu fahren, sollte ich mir beim Feuerholz machen das Bein abhacken.

    - Schweizer Armee - Laut einschlaegigen Meinungen scheinen die Eidgenossen mit ihrem Fuhrpark sehr pfleglich umzugehen und ich hoffe das die Autos in einem entsprechend guten Zustand sind - kommt natuerlich auf das jeweilige Fahrzeug drauf an.

    - Lange Version - Einfach mehr Platz als ein Kurzer. Sollte es uns ermoeglichen auch mal im Auto zu schlafen, auch wenn das nicht fuer jede Nacht geplant ist.


    Baulich veraendert werden soll an dem Auto nicht viel, ausser einem Hardtop von Schmude damit wir unsere Sachen sicher verschliessen koennen. Nach unserer Reise freue ich mich schon darauf den Wagen im Sommer mit offener Plane zu geniessen.


    Nun aber zu meinen Fragen:

    Wie schaetzt ihr im Allgemeinen die Zuverlaessigkeit der Puchs ein, sowohl was die Mechanik als auch den Motor im Speziellen angeht? Glaub ihr, dass ein sorgfaeltig ausgewaehltes und gut instandgesetztes Fahrzeug so eine Reise mitmachen kann? Klar kommt im Einzelnen auf das jeweilige Auto an, ich erhoffe mir aber durch die reichhaltige Erfahrung hier im Forum ein gutes Bild von der Modellreihe an sich machen zu koennen.


    Gruss aus dem Norden,

    Marc

  • Moin nach Christianshaven,


    also ich sehe Deine Reise als machbar - genau für solche Straßen sind diese Autos gebaut. Deine Frau wird sicher den praktischen Teil der Fahrausbildung auf dieser Reise machen ;-)


    Zum Thema Haltbarkeit: der Wagen sollte schon revidiert werden, dazu gehören alle Betriebsmittel und Filter - dann geht es los. Klar ist ein Hardtop von Schmude toll - jedoch leide ich nicht an der "Autoverschließpanik" und es geht auch niemand an meinen Wagen ran...


    Ich würde in jedem Fall mir mindestens 5x 20l Kanister von Valpro holen, denn der Durst auf langsamen Passagen pendelt sich bei 25-50 Litern ein. Jedenfalls bei mir ;-) Es soll auch Fahrer geben die mit 12 Liter klarkommen.


    In jedem Fall: willkommen im Forum!

  • Also das Reisen in einem G finde ich sehr entspannt. Ich habe bislang drei schweizer Gs gesehen und alle waren in einem hervorragenden Zustand, verglichen mit Fz anderer Armeen oder den zivilen Gegenstücken. Bezüglich Mechanik und Motor würde ich mir keine Gedanken machen, die sind robust und langlebig. Natürlich kann immer irgendetwas defekt sein, aber davor ist kein Auto gefeit. Was mir bei 230GE unabhängig von Armee oder Nation aber Sorge bereiten würde und was auch u.A. für mich ein Verkaufsgrund war, ist die Elektronik. Hier gab es mal einen Beitrag zu einem Benzinpumpenrelais, welches den Geist aufgegeben hatte und in D nicht oder nur sehr schwer aufzutreiben war. Ich hatte das "Aha-Erlebnis" mit dem Überspannungsschutzrelais, welches sich ohne Vorwarnung verabschiedete und neu mit Rabatt über 250 € kostete. Wahrscheinlich wirst Du es immer schaffen, das Problem improvisiert zu überbrücken und irgendwie stark eingeschränkt die nächste Stadt erreichen (es gibt auch einen "Notbetrieb" in den die Motorsteuerung fällt), aber mir persönlich wären andere Motoren, die noch einfacher aufgebaut sind lieber. Es gibt hier Leute, die mehr Ahnung haben als ich, aber ich würde mir für ein solches Vorhaben entweder einen Saugdiesel oder einen Vergasermotor, beide absolut mechanisch gesteuert, als bessere Alternative vorstellen.

  • Moin,


    dann gibt es den 230G - hier gab es Prototypen für die Bundeswehr und auch die Schweizer Armee hatte hier zum Testen Fahrzeuge - jedoch ist der M115 natürlich deutlich schwächer und auch nochmals durstiger (was ja kaum geht...)


    Und wenn ich hier von teuren Teilen lese, ja - die gibt es - jedoch verliere ich bei einem neuen Fahrzeug in dieser Klasse solche Beträge fast jede Woche durch Wertverlust.

  • Moin,


    das klingt ja schonmal sehr gut, vielen Dank fuer die Antworten!


    Beim Hardtop sehe ich noch 2 weitere Vorteile:

    1) Geraeuschdaemmung - das Flattern der Plane duerfte uns nach knapp 15,000 km sicher reichlich auf die Nerven gehen

    2) (begrenzte) Dachlast - zumindest sperrige/stinkende Dinge wie Benzinkocher, Campingstuehle, etc. duerften sich dort recht gut unterbringen lassen. Laut Hr. Schmude betraegt die dynamische Dachlast bis zu 70kg


    Bezueglich der Ersatzteilversorgung und Schlichtheit der Konstruktion habt ihr einen guten Punkt angesprochen den ich auch schon im Hinterkopf habe. Der G ist ja schon in zivil nicht als guenstig bekannt und die 24V Problematik macht die Sache dann bestimmt nicht einfacher/leichter verfuegbar. Ich denke daher es macht Sinn einen Satz der gebraeuchlichsten elektrischen Ersatzteile mitzunehmen und falls es dann doch richtig schief geht muss man halt an reichlich Puffer im Budget und Zeitplanung denken. Da die Abfahrt momentan fuer 2020 geplant ist duerfte noch genuegend Zeit bleiben eine Liste wichtiger Teile zu erstellen und auf Jagd danach zu gehen.


    Als Alternative hatte ich auch schon an einen 5 tuerigen Lada Niva gedacht, mir dann aber folgendes ueberlegt:

    Lieber teure Ersatzteile fuer ein Fahrzeug das kaum kaputt geht, als billige Ersatzteile fuer ein Fahrzeug das tendenziell staendig Probleme macht.

  • Moin,


    Es gibt hier Schmude Fahrer. Das Flattern der Plane beginnt erst bei höheren Geschwindigkeiten, also auf Landstrassen ab 60-70 ;) Eure Fahrt wird sicher eher gemütlicher ablaufen, oder? Die Dachlast würde ich nicht dafür nutzen, eher würde ich einen Wildträger nutzen...


    Verschleissteile, Öle und Filter würde ich mitnehmen (siehe Otto) und damit fahrt Ihr gut.


    Nachtrag: mit Otto ist Gunther Holtorf - einfach danach mal suchen.

  • Ich fahre einen zivilen W461 230 GE (hat 90KW) und denke, dass du das Abenteuer durchaus wagen kannst.

    Ich persönlich würde bei so einem Trip (wo es auf ein paar Euros mehr ja nicht drauf ankommt) zu den gängigen Ersatzteilen (Öle, Filter,...) auch unbedingt ein paar KE-Jetronik-spezifische Ersatzteile mitnehmen.

    Spontan fällt mir da ein:

    - Ansaugtemp-Fühler

    - Kühlmitteltemp-Fühler

    - Kraftstoffpumpen-Relais

    - Überspannungsschutz-Relais

    - evtl. läuft dir ja ein gebrauchtes Steuergerät über den Weg


    Idealer Weise baust du diese Teile vorher auch probeweise mal ein, dann bist du sicher, dass sie auch funktionieren und sparst im Fall der Fälle viel Zeit bei der Fehlersuche

  • Moin,


    was toll wäre, wären die Teilenummern der oben genannten Komponenten, dann muss ich weniger suchen...


    - Ansaugtemp-Fühler

    - Kühlmitteltemp-Fühler

    - Kraftstoffpumpen-Relais

    - Überspannungsschutz-Relais


    ich habe zwar viele Nummern bei mir im Kopf gespeichert, aber bei weitem nicht alle vom 461.217


    Danke!

  • Moin,


    @Till: meinst du, ein Wildtraeger wuerde einen solchen dauerhaften Einsatz mitmachen? Klar sind die stabil gebaut aber letztendlich ja doch nur fuer den Transport der Wildsau ueber 5km aus dem Wald heraus gedacht.

    Mit faellt noch ein weiterer Punkt ein, der fuer das Hardtop spricht: Wie alle Russen hat auch meine Frau grossen Respekt vor den Wildtieren in den sibirischen Waeldern. Woelfe sind dabei ja noch das harmloseste, dazu kommen noch Unmengen an Baeren und ganz im Osten sogar Tiger. Ehrlich gesagt wuerde auch ich mich nachts wohler fuehlen mit ein wenig GFK ueber dem Kopf, anstelle einer Plane.

    Vielen Dank fuer den Tipp mit Otto. Kannte ich bisher noch gar nicht. Gibt ja aber auch unzaehlige Reisereportagen etc im Internet zu finden...


    @Fritze: vielen Dank fuer die Liste! Wuerde mich auch ueber die Teilenummern freuen. Den Ein- und Ausbau einmal zu ueben scheint wirklich sinnvoll zu sein. Ich glaube das A und O der Vorbereitung wird es sein mich intensiv mit dem Wagen und der Technik zu beschaeftigen. Noch bin ich zwar kein Schrauber aber das wird schon noch!


    Mark : Genau solche Kniffe sind es die ich mir unbedingt noch aneignen muss. Ich sehe schon, hier im Forum bin ich richtig.


    Gruss

    Marc

  • Moin,


    es gibt die Puchs auch mit einem Gitter unter der Plane (wie das Trenngitter zum Fahrer) Beim Thema Wildtiere ist es aber wohl klar, dass Ihr entweder einen Innenausbau braucht oder halt ein Schmude Dach.


    Zum Thema Wildträger wird sich sicher noch ein Kollege melden - ich kenne sehr stabile Modelle die auch auch Eure Tour überstehen. Der G ist mit passendem Werkzeug einfach zu reparieren, ich würde dann aber vielleicht die Fensterheber in den Vordertüren mir einmal vor der Fahr ansehen und ggf. ersetzen - ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese relativ häufig kaputt gehen und wenn das nicht mehr läuft ist es sehr ätzend in solch einem Auto...


    Werkzeug solltest in jedem Fall schon mal einplanen, grob würde ich da mal für nicht Heimwerker Qualität 1.000 EUR ansetzen was hier auszugeben ist.

    Ein Zweiter Wagenheber, Benzinschlauch Meterware, Schellen, Kabelbinder, Sicherungen, Zündkerzen, Benzinfilter, ... Es kommt schon was an Teilen (wenn ich hier in meiner Werkstatt sehe was da alles nur für den G rumliegt...) zusammen. Am besten mal ansehen wie der Weltenbummler das in seinem Auto verstaut hat.

  • Benzinpumpenrelais 24 Volt: A0035450205 > 600 Euro beim Stern..

    Geber OT : A0021532228 ca. 60 Euro

    Geber Temperatur für Einspritzung K-Jetronic: A0065423417 ca. 30 Euro

    Geber Kühlwasser temp. für Fernanzeige: A0055422617

    Geber Lufttemperatur am Luftfiltergehäuse: A0095426817 ca. 15 Euro

    Einspritzdüse(n) : A0000785723 ca. 50 Euro/Stück

    Gruss

    Mark


    P.S.: Nummern gelten für meinen M102.997 (230GE 461.217 BJ 91 ex Schweizer Militär))

  • Das geht ja hier schon ziemlich in die Detailplanung. So vielen Gedanken habe ich mir da noch gar nicht gemacht bezüglich welche Ersatzteile mit müssen, etc. Erstmal ging es mir nur um die Einschätzung ob das das richtige Fahrzeug ist. Und wie mir scheint ist es das. Danke für euer Feedback!


    Danke Fabi! Bin recht fleissig am rumlesen im viermalvier und auch im offroad-forum. Man merkt wirklich dass da Leute mit viel Fachwissen und Erfahrung unterwegs sind. Die G-Manufaktur ist schon lange auf meiner Linkliste und wird sicher den ein oder anderen Euro von mir sehen. Die Reise und alles was der Vorbereitung dient wird sorgfältig dokumentiert werden, da kannst du dir sicher sein!


    Mark1 : Der Dachträger klingt interessant. Sobald du fertig bist freue ich mich über ein paar Bilder und Beschreibungen!

  • beim schmude hardtop für den kurzen wolf ist die traglast bei ca. 100kg, laut hr. schmude. mit einem dachträger kann die traglast noch etweitert werden.


    beim langen schweizer geht das mit sicherheit auch, durch die länge wird die mögliche maximale traglast jedoch geringer ausfallen denke ich (ist ja so schon mit 30kg weniger ausgewiesen).


    der geräuschpegel mit hardtop sinkt dramatisch. vorher konnte man bei 90kmh nur noch brüllend mit dem sitznachbar kommunizieren. mit hartop geht es auch im normalen ton.

    auf dauer (16h fahrt am stück) kann der allgemeine geräuschpegel nervend sein. vermutlich sind die schweizer G´s ebenso toll gedämmt, wie die bundeswehr wölfe. nämlich so gut wie gar nicht. oder die dämmmaterialien sind aufgrund des alters schon porös/ spöde und bringen nicht mehr die leistung, wie bei der auslieferung.


    gruß

    mathias

    "Der gute Geländefahrer fährt langsam durch unbekanntes Gelände. Unerwartete Hindernisse lassen sich leichter erkennen und bewältigen. Durch falsches Fahrverhalten entstandene Schäden können einen langen Fußmarsch zur Folge haben."

  • Falls es auch um Geräuschdämmung geht: 235er AT-Reifen, eine Motorhaubendämmung und die Innenkotflügel bewirken deutlich weniger Lärm.

    [IMG:http://up.picr.de/33243130ny.jpg]

    da gab es glaube ich auch mal ein thema zu...

    muss ich bei gelegenheit mal raussuchen und entsprechendes dämmmaetrial bestellen.

    oder mal im heimischen lager suchen, ob etwas aus dem VW regal passt/ passend gemacht werden kann...:H:

    "Der gute Geländefahrer fährt langsam durch unbekanntes Gelände. Unerwartete Hindernisse lassen sich leichter erkennen und bewältigen. Durch falsches Fahrverhalten entstandene Schäden können einen langen Fußmarsch zur Folge haben."

  • Bringen die Innenkotflügel nicht das Problem mit sich, dass sich da drunter gern der Dreck mitsamt Feuchtigkeit sammelt und es dann dort noch schneller gammelt als ohnehin schon? Möchte sagen ich habe da mal was gelesen.


    Motorhaube dämmen ist natürlich eine gute Idee. Vielleicht könnte man das auch gleich mit einer Verstärkung verbinden um sie begehbar zu machen. Würde sich dann gut mit Marks Dachträger kombinieren lassen.


    Obwohl 16 Stunden fahrt eher nicht angedacht sind. Ich denke das so zwischen 3 und 6 Stunden pro Tag realistisch sind, je nach Beschaffenheit der Straße und wie weit man kommen will. Es soll ja auch noch etwas von Tag übrig bleiben um sich Land und Leute anzuschauen!

  • Moin,


    also die Innenkotflügel bringen schon was: weil es hängt dann nicht der Schlamm in den Ritzen - nicht jeder reinigt hier seinen Wagen... Da kommt einiges an Erde raus wenn ich hier mit dem Kärcher HDS 12 rangehe. Bei Verkleidungen muss auch dahinter nach dem Salzwinter gespült werden und am besten noch konservieren. Aber wem muss ich das sagen: jeder der einen G hat weiss dies... Konservierung ist das A und O.


    Falls es jemanden interessiert - die originalen Abdeckungen rufen sich wie folgt:


    A 463 884 02 22 Abdeckung VL 82,50

    A 463 884 03 22 Abdeckung VR 82,50

    A 463 884 06 22 Abdeckung HL 90,52

    A 463 884 07 22 Abdeckung HR 90,52


    (Sachnummer, Bzeichnung angereichert, netto Listenpreis MBVD)


    Zum Einbau muss man sich Edelstahlwinkel fertigen...