Kolonnenfahrt - Signalisierung

  • Hallo, ich hau mich weg, das reicht für einen Bachelor? In was? Das Ding ist mit google in zwei Wochen hinzuklatschen. Vor 25 Jahren hätte ich mit dem Thema bei keinem Professor aufschlagen dürfen. Wahrscheinlich noch 1,0; sachlich richtig, guter Aufbau, korrekt zitiert. Da braucht man sich nicht mehr zu wundern, wenn die Wirtschaft ständig mangelnde Qualifikationen der Hochschulabsolventen anführt.

    Viele Grüße Marcus

  • Moin,

    ich finde die Arbeit auch gut.


    Das allgemeine Problem der ständig sinkenden Anforderungen im Schulbetrieb ist die eine Sache.

    Eine anderes Problem ist, das man für solche Arbeiten überhaupt noch ein Thema finden kann, welches nicht schon

    längst mehrmals behandelt wurde. ( Weltweit )


    Hier denke ich, hat er ein solches Thema gefunden.


    Gruß

    Klaus

  • Ich finde das Thema und die Arbeit interessant und danke dafür, dass sie hier zur Information ins Forum gestellt wurde. Andererseits führt eine Bachelorarbeit zu einem Abschluss an einer Universität / Hochschule und sollte deshalb wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Hier setzt meine Kritik ein.


    Nun bin ich schon etwas älter und auf direkten Weg ins Rentenalter, also liegt mein Studium einige Jährchen zurück. Wenn ich mir die hier zur Diskussion stehende Bachelorarbeit ansehe, kann ich nur feststellen, dass so etwas damals kaum als Seminararbeit durchgegangen wäre. Auch ich bin der Meinung, dass die Qualität der Bachelorarbeiten allgemein nicht besonders hoch ist und nicht mit früheren Diplomarbeiten usw. vergleichbar ist.


    Einige Kritikpunkte seien herausgegriffen:

    1. Handwerkliche Mängel:
    a) Auf Seite 36 erscheint ein angebliches „Literaturverzeichnis“. Das ist aber tatsächlich ein Verzeichnis der Anmerkungen. Ein Literaturverzeichnis hat zumindest nach dem Namen der Autoren geordnet zu sein.

    b) Die Literatur- und Quellenkenntnis des Autors ist unzureichend. Auch wenn die Bundeswehr heute nur noch selten mit größeren geschlossenen Verbänden marschiert, so wurden doch bei den Streitkräften seit 1956 wahrscheinlich die reichhaltigsten Erfahrungen zum Thema Kolonnenmarsch gesammelt – mehr jedenfalls als bei anderen Behörden. Auf S. 25 ff. beschreibt er eine Marschübung mit gerade mal 7 Fahrzeugen, bereits hier sind nach seiner Darstellung Probleme aufgetreten. Bei der Bundeswehr waren Marschgruppen mit 30 bis 50 Fahrzeugen fast der Normalfall, im Regelfall blieb es auch nicht bei einer Marschgruppe, sondern es folgten in kurzen Abständen mehrere Kolonnen. Entsprechend reichhaltig waren die Erfahrungen der Bundeswehr. Hier hätte der Autor seine Erfahrungsbasis erweitern müssen. Im Bundesarchiv-Militärarchiv lagern z.B. Unterlagen der Verkehrsführung zu dieser Thematik, die auf Erfahrungsberichten und den Meldungen über Marschverlauf der Feldjägertruppe beruhen.

    c) Die Bemerkung auf S. 7 „Eine genauere Recherche war ab diesem Punkt nicht mehr möglich, da die ZDv 42/10 VS-NfD ist – Verschlusssache - nur für den Dienstgebrauch“ zeigt nur das ungenügende Bemühen des Autors. Die 42/10 dürfte durch die Umstellung der Vorschriften längst aufgehoben sein, außerdem wäre es für die Erstellung einer Bachelorarbeit problemlos möglich gewesen, Zugang zu einer lediglich NfD eingestuften ZDv zu erhalten. Die vom Autor zitierten StANAG, die teilweise auch VS-NfD waren, hat er ja offenbar auch einsehen können, wie die Anmerkung 15 (S. 36) belegt.


    2. Inhaltliche Mängel:
    a) In seiner Kurzfassung (S. IV) schreibt der Autor „Behörden und Organisationen sind gefordert einheitlich vorzugehen und geschlossene Verbände einheitlich zu kennzeichnen.“ Ich vermisse in dieser Arbeit jedes Eingehen auf den Diskussionsstand zur Kennzeichnungsfrage innerhalb der BOS-Organisationen. Es ist unwahrscheinlich, dass sich der Autor dieser Bachelor-Arbeit als erster Gedanken zur Kennzeichnungsfrage macht.

    b) Mit der Frage des Einsatzes (Art und Verhalten der Fahrzeuge) und der Kennzeichnung von Schlussfahrzeugen sowie den dazu vor allem bei der Bundeswehr ergangenen Bestimmungen befasst er sich nur ganz am Rande, obwohl das einen erheblichen Einfluss auf die Erkennbarkeit geschlossener Verbände hat.

    c) Auf S. 1 schreibt der Autor: „Bisher sind keine Unfälle von Verbänden mit anderen Verkehrsteilnehmern bekannt, jedoch findet man oft Situationen vor, in denen es fast zu einem Unfall kommt.“ Hier schlägt die ungenügende Literatur und Quellen-Kenntnis des Autors voll durch. Hätte er die umfangreichen Erfahrungen der Bundeswehr zum Thema Kolonnenmarsch und Kennzeichnung herangezogen, wäre er auf zahlreiche Unfälle mit Marschkolonnen gestoßen, bei denen die Frage der Kennzeichnung und Erkennbarkeit auch eine Rolle spielte. Allein aus meiner persönlichen Erfahrungen von vielen Jahren Feldjägertruppe kann ich Beispiele dazu nennen. Die dazu in der Folge schon vor Jahrzehnten ergangenen Urteile kennt er auch nicht. Allein die Auswertung der Zeitschrift für Wehrrecht hätte seine Kenntnisse hier fundamental erweitert.

    Zwei Beispiele sollen genügen:

    Riecker, Albert: Kolonnenvorrecht - Urteil eines Amtsgerichts und Anmerkungen, In: Truppenpraxis 11/79 S. 891 ff.

    Heinen, Johannes: Aufschleusen von Bw-Fahrzeugkolonnen und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. In: Neue Zeitschrift für Wehrrecht 1996, S. 45 – 50.


    Grüße

    Jörg

  • Ich finde das Thema und die Arbeit interessant und danke dafür, dass sie hier zur Information ins Forum gestellt wurde.

    Dem schließe ich mich vollkommen und vorbehaltlos an! Dank an TDV für den aufschlussreichen Link!:thumbsup:


    Ich staune schon sehr lange, wie ahnungslos die meisten Verkehrsteilnehmer in dieser Frage sind. Fragt mal jemanden, der in den letzten Jahren seine Lappen erworben hat. Da weiß noch keiner was von Verbänden...

    Erstaunlich finde ich aber auch, wie unterschiedlich das in den verschiedenen Organisationen und Ländern gehandhabt wird.

    Das deckt sich mit meinen Beobachtungen und Einschätzungen.

    Und ich verstehe nicht, dass man nicht schon längst eine Präzisierung der StVO in dieser Sache erlassen hat.

    Da muss dann erstmal ein Bachelor-Aspirant dem Gesetzgeber etwas vorrechnen...

    Andererseits führt eine Bachelorarbeit zu einem Abschluss an einer Universität / Hochschule und sollte deshalb wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

    Der Bachelor ist der niedrigste erreichbare Hochschulabschluss. Es geht hiert nicht um eine Master-Arbeit.

    Und ich vermute, dass diese Arbeit nicht die einzige Prüfung zur Erlangung des Grades sein dürfte. In welchem Fach auch immer.

    Ansonsten sind die Einwände schon zutreffend.

    Auch ich bin der Meinung, dass die Qualität der Bachelorarbeiten allgemein nicht besonders hoch ist und nicht mit früheren Diplomarbeiten usw. vergleichbar ist

    Das liegt in der Natur des Sache. Eine Diplomarbeit entspricht ja auch eher dem Master-Abschluss und sollte hier nicht als Maßstab gelten.

    Grüße von der Küste! Til


    Suche ständig Daten über BGS-Fahrzeuge für die Bestandslisten.
    Besonders Hercules K125 und BMW-Boxer!

  • Der Bachalor entspricht wohl eher dem Vordiplom, das habe ich damals mit bestehen sämtlicher Pflichtprüfungen im Grundstudium erhalten.


    Eine Urkunde oder gar einen Abschluss gab es damals dafür nicht.


    Der Zusammenhang mit dem Fachgebiet "Verfahrenstechnik" ist naheliegend, dennoch hocke ich noch vor lachen auf dem Boden...


    Grundsätzlich aber mal eine schöne Zusammenstellung, fürs Forum sehr schön!


    Michael


    ... der noch darauf wartet, dass sich der Autor hier als Mitglied outet...

    ___________
    404 Fuko in Fleckentarn
    404 TroLF in RAL 6014 ;-)
    404 TLF8 in RAL3000 (Fehlfarbe?)

    411 von der STOV

    ...

    461.311 von der Norwegischen Armee

  • ... der noch darauf wartet, dass sich der Autor hier als Mitglied outet...

    Hallo,


    dann müsste jemand ihn anschreiben.


    Ich denke, er weiß bisher nichts von der Existenz dieses Forums.


    Bisher hatte er nur 'das Pech' mit seiner Veröffentlichung hier aufgefallen zu sein.



  • HAEGER "Bundeswehrkolonnen im Straßenverkehr", NJW 1961, 764 schrieb:

    Bei der Wahrnehmung der Vorrechte durch Fahrzeugkolonnen ist es für den Zivilverkehr bedeutsam, eine Bundeswehrkolonne als solche zu erkennen. Kraftfahrzeugkolonnen werden in der Regel durch ein Spitzenfahrzeug angeführt und durch ein Schlußfahrzeug beendet. Das Spitzenfahrzeug führt eine blaue Flagge an der vorderen linken Seite des Fahrzeuges, während das Schlußfahrzeug eine grüne Flagge führt. Die Bundeswehrkolonnen fahren auch bei Tage mit Abblendlicht, so daß der Charakter einer Kolonne als geschlossener Verband mit Anfang und Ende ohne Schwierigkeit von jedem aufmerksamen Verkehrsteilnehmer erkannt werden kann.


    Dort wird auch noch ältere Literatur zitiert:

    THOSS "Das Überholen von Wehrmachtskolonnen", DAR 39, 322

    "Wehrmachtskolonnen im Straßenverkehr", RdK 40, 41


    Ich denke, nicht das Erkennen eines Verbandes ist das Problem, sondern vielmehr die Unkenntnis der übrigen Verkehrsteilnehmer über das richtige Verhalten.

  • Das Erkennen der Flaggen kann schon problematisch sein:
    - Blaue Flagge und grüne Flagge vor oliv gestrichtener Karosserie ist nicht unbedingt sehr kontrastreich.
    - Bei Nacht sind die Flaggen so gut wie unsichtbar
    - Wenn die Flaggen feucht sind (Regen, Nebel) hängen sie zusammengeklatscht am Flaggenstock und sind auch kaum wahrnehmbar.

    Ich spreche hier aus einigen Jährchen Erfahrung bei der Verkehrsregelung als Feldjäger auf der Kreuzung - und zwar bei jedem Wetter. Wir haben oft genug das Schlußfahrzeug nicht erkannt, weil die grüne Flagge kaum sichtbar war. Wenn dann noch einige Einzelfahrzeuge nachgekleckert kamen, war man sich nicht sicher, wo jetzt das Kolonnenende war. Gut ausgebildete Kolonnen haben natürlich, wie das eigentlich auch in der Vorschrift vorgesehen war, das letzte Fahrzeug gemeldet.