Karosseriedichtnähte zum Aufkleben

  • Guten Tag!


    Ich habe hier mal was das nicht direkt Militärfahrzeugtechnik ist. Aber vielleicht gibt es ja noch mehr besondere Kinder wie mich, die sich über so etwas den Kopf zerbrechen. Von einem Lackiermeister bei VW habe ich einen Tip bekommen, wie man bildschöne Dichtnähte hinbekommt. Vielleicht kennt ihr das auch schon, aber für alle anderen hier die Anleitung:

    Zuerst legt man sich auf einer Glasscheibe Dichtnähte vor. Mit so einer Spitze geht das sehr gut, aber ist nicht zwingend nötig:




    Die läßt man über Nacht durchhärten und schabt sie dann ab:



    Anschließend legt man sich eine dünne Naht mit frischer Dichtmasse in den Falz und klebt die schön geformte Naht auf. Dabei darauf achten, daß die Naht auch dicht wird. Nur schön reicht nicht aus, es soll ja auch nicht rosten. Das alles kann man mit dem Nitropinsel schön versäubern:




    Nachdem es getrocknet ist kann man einen normalen Lackaufbau starten. Hier habe ich nur provisorisch dick Basislack aufgesprüht um mal zu gucken, wie es aussehen wird:





    Ich finde das kann sich sehen lassen. Menschen mit einer Inselbegabung, die das auch so aus der Pistole zaubern können machen es natürlich weiterhin freihändig :] . Und das war der erste Versuch, man kann sicher noch an Stellschrauben wie Nahtbild und -geradheit drehen. Es gibt auch ein fertiges Produkt von Kent: Sealer on a roll. Aber das muß man auch erstmal kriegen und wer die Preise von Kent kennt, weiß warum ich es so ausprobiert habe.


    Material ist in diesem Fall Teroson MS9320SF. Wer meinen Kübelfred angeguckt hat: Das ist das Zeug, mit dem ich auch den Unterbodenschutz gespritzt habe.

  • Moin !


    Auch wenn ich es vmtl. nie selber machen werde - klasse Beitrag ! Immer wieder schön , was hier an Speziellem vorgeführt wird - dazu noch super geschrieben und bebildert .


    Und ganz nebenbei auch ein wohltuender Kontrapunkt zu "Gibt's woanders billiger"- und "Was hast Du denn geraucht"-Beiträgen ;)

    " Komm , wir essen , Opa ." " Komm , wir essen Opa ..."
    Denkt dran : Satzzeichen können Leben retten !

  • Von der Idee her schon toll,nach dem Motto man muss sich nur zu helfen wissen.

    Aber jeder kennt ja Beispiele von Beton oder Silicon,wo der chemische Vorgang

    des aushärtens nicht in zwei durchgängen von statten laufen soll.

    Ist das denn von dem langzeit getestet?

    Ich heisse Thomas,bin aber an die Anrede Tc gewöhnt und möchte das so weiterführen

  • Die Dichtmasse härtet durch Luftfeuchtigkeit aus. Und das sogar noch wenn man sie nass in nass überlackiert. Ich habe schon zentimeterdicke Schichten damit aufgezogen, die sind alle durchgetrocknet, das dauert natürlich. Im Radkasten von alten 911ern ist am Übergang vom Seitenteil zum Schweller mangels Radhausschalen pro Seite ungefähr ein halbes Kilo Dichtmasse reingequetscht (originale Vorgehensweise, ich mache das immer mit einem Schlauch ^^). Das trocknet schon. Aber ich werde morgen noch einen Abreißtest machen, heute ging das nicht mehr, ein wenig Zeit muß man dem Zeug schon zum Aushärten geben.

  • Mir wärs eigendlich egal,ich wollt nur nicht das andere das auch machen

    und dann sauer auf dich sind.Ich kenn das ja auch ,wenns irgendwas

    neues gibt, muss mans gleich unter die Leute bringen.


    Ich heisse Thomas,bin aber an die Anrede Tc gewöhnt und möchte das so weiterführen

  • Nein, Dein Einwand war durchaus berechtigt. Aber ich habe eben an der durchgehärteten Naht gegnibbelt. Das ist wie aus einem Guß, sie reißt quer durch alle Schichten und ist sehr stabil :). Das gilt natürlich jetzt nur für das Material, welches ich verwendet habe, ist klar. Das schimpft sich MS-Polymer, hier mal aus der Wikipedia:


    Zitat

    Dichtstoffe auf Basis silanmodifizierter Polymere (SMP)


    Silanmodifizierte Polymere als Grundstoff dieser Dichtstoffsysteme sind neutral aushärtende Polymere, welche bei Feuchtigkeitszutritt Alkohol abspalten. Damit lassen sich UV-stabile, auf den meisten Substraten primerlos haftende Dichtstoffe und elastische Klebstoffe formulieren. Interessant an dieser Technologie ist die Tatsache, dass der Primer (Primer = Haftvermittler für schwierige Untergründe), der normalerweise separat aufgetragen werden muss, in den Dichtstoff eingebaut ist. Der Dichtstoffauftrag beinhaltet also eigentlich zwei Arbeitsgänge, nämlich Primerauftrag und Dichtstoffauftrag selbst. Die universelle Einsetzbarkeit und die geschilderten Vorteile sind der Grund für die wachsende Bedeutung dieser Dichtstoffklasse in der Transportindustrie, in der Reparatur und mittlerweile auch in ersten Do-it-yourself-Anwendungen. Dichtstoffe auf Basis von SMP sind je nach genauer Rohstoffbasis unter verschiedenen Bezeichnungen im Markt (z. B. MS-Polymer, Hybrid-Polymer, PUSI, SPUR und andere).

  • Es ist ein Kreuz, das die Hersteller uns in der Werkstatt alleine mit dem Problem lassen , die Optik wieder so herzustellen , wie es vor dem Unfall war...:pinch:


    Toller Typ.. kannte ich noch nicht..!

    Echte Männer sammeln Punkte nur in Flensburg, nicht bei Payback ! :dev:

  • Dem Hersteller ist es scheinbar auch gleich. Ich habe heute eine Heckklappe erneuert, das Ersatzteil ab Werk abgedichtet. Während die originale Klappe recht ansehnlich abgedichtet war, sah das Ersatzteil aus wie mit einem Quast zugeschmiert :lachuh: . Ich habe unseren Werkstattmeister jetzt endlich soweit, daß er Sealer on a roll kauft. Wenn ich den getestet habe, poste ich es hier mal.