Unimog 404113 Diesel ab Werk

  • Zumindest laut Brief von 1972 (Siehe Bilder) ist er wohl als 404.113 gebaut worden. Ob da auch das Fahrerhaus so mit drauf war ....

    Beim 404.0 mit M130 hätte ein 406er Fahrerhaus drauf sein sollen...

    Der 404.113 sollte eigentlich M180 80PS Benziner drin haben


    Also wenn das Ding incl. Hütte so original ist, dann ist das echt ne Seltenheit :)

  • Hallo,


    bei dem Fahrzeug handelt es sich tatsächlich um eine Rarität (Prototyp).

    Werner (Spatzenmog) hat da mal Licht ins dunkle gebracht und ist zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen.

    Ich denke er wird sich dazu noch selber äußern, möchte hier ungerne vorgreifen...

  • Hallo zusammen,


    die o.g. eBay „Auktion“ (allerdings nur „Sofortkauf“ zu 11.900 EUR bzw. „Preisvorschlag senden“, also KEINE Gebotsabgabe) trägt den Titel :

    Unimog 421 Cabrio auf 404 Fahrgestell original MB Diesel OM 615 Oldtimer Allrad


    Der Verkäufer hat brav die Angaben aus dem Brief abgetippt :

    404.113 Fahrgestell

    OM 615 mit 60 PS bei 4000 U/min (aus 2440 ccm Hubraum)


    In der Unimog-Fachliteratur findet diese Kleinserie von Unimog 404.1 mit dem OM 615 Vierzylinder für das Militär in Angola mehrfach Erwähnung.

    Es hat sie scheinbar tatsächlich gegeben, diese 85 „Angola-404“.


    Auf den (schlechten) Fotos der eBay- „Auktion“ ist mehr oder weniger deutlich das lange Fahrgestell eines 404 zu erkennen (Das Fahrgestell vom 421 ist erheblich kürzer). Auch die beiden Achsen mit den herausstehenden Radnaben sprechen für einen 404.

    Dennoch stößt man hier auf mindestens eine Unlogik :

    Der originale „Angola-404“ soll einen 2,0 Liter OM 615 mit 55 PS haben, so wie er auch im PKW, dem W115 (200D „Strich 8“) verbaut war.

    Den OM 615 gab es somit als 2,0 Liter mit 55 PS, aber (durch verlängerten Hub) auch als 2,2 Liter mit 60 PS im 220D / W115 und auch im frühen W123 als 220D.


    Die 65 PS Variante mit 2,4 Liter Hubraum im 240D / W115, nannte sich OM 616 (im 240D / W123 hatte der OM 616 dann später 72 PS)

    Für die nachträglichen 404-Verdieselungen wurde gerne der OM 617 als 3,0 Liter Fünfzylinder genommen (mit 80 PS aus dem „Strich 8“ als 240D 3.0 oder mit 88 PS im Nachfolger 300D / W123)


    Zurück zur Unlogik, welche evtl. zu erklären wäre, wenn es hier tatsächlich um ein Vorserienfahrzeug / Erprobungsfahrzeug geht.

    Den OM 615 gab es 1971 zwar mit 60 PS, jedoch m.E. nicht mit 2,4 Liter Hubraum, da es dann ein OM 616 wäre.

    Als Baujahr dieses 404.1 wird ja nun 1971 angegeben bzw. als Erstzulassung 1972.

    Der 2,4 Liter OM 616 mit 65 PS kam allerdings erst Mitte 1973 mit der Modellpflege (MOPF) des W115 als 240D auf den Markt. Er ist eine Weiterentwicklung des OM 615.


    Der Verkäufer schreibt :

    „…EIN alter Fahrzeugbrief ist vorhanden…“

    Auf dem Foto vom Deckblatt ist klar zu lesen, dass es ein ERSATZ-Fahrzeugbrief ist. Somit ist die angebliche schöne wasserdichte Historie auch schon wieder dahin. (Und dann nur 2 Halter ???)


    In der Unimog-Fachliteratur wird NICHT erwähnt, dass einer der „Angola-404“ in Deutschland zurückblieb.

    Möglicherweise blieb tatsächlich einer hier, andererseits könnte dieser 404 mit OM 61X und 421er Hütte auch einfach nur eine nette Hinterhof-Bastelei sein, die nun hochpreisig als das verschollene „Bernsteinzimmer“ angeboten werden soll.


    Möglicherweise gibt es tatsächlich - EINEN - OM 615 mit 60 PS aus 2,44 Liter Hubraum, welcher von den Mercedes-Mannen im Werk von Hand aus einem OM 615er Block „geschnitzt“ wurde.

    Möglicherweise hat man den 1971 bereits existierenden 2,2 Liter 60 PS OM 615 verschmäht und etwas Neues kreiert, weil zwar 60 PS ausreichen sollten, jedoch mehr Drehmoment für das Universalmototorgerät benötigt wurde.

    Evtl. tragen die ganz, ganz frühen Vorserien OM 616 tatsächlich noch die Bezeichnung OM 615 ?

    Da der erste (originale) Fahrzeugbrief nicht vorliegt, bleibt all das Spekulation.


    ERSATZ-Fahrzeugbriefe werden von Menschen von Hand getippt und Menschen machen Fehler. Ggf. liegt hier ein schnöder Tippfehler vor ?


    Den „Angola-404“ mit Vierzylinder Diesel hat es tatsächlich gegeben.

    Ob der nun angebotene 404 einer davon ist, wird vermutlich nicht einmal Gaggenau bzw. Wörth klären können, da es über Vorserienfahrzeuge / Erprobungsfahrzeug nur bedingt eine Dokumentation im Werk gibt.


    Ich will dem Verkäufer nicht einmal vorsätzlichen Betrug vorwerfen. Vermutlich glaubt er tatsächlich, dass bei ihm die letzte „Blaue Mauritius“ in der Halle steht, die trotz schadhaften Getriebes (5. Gang) einen Preis von bis zu 11.900 EUR rechtfertigt. Der „Preisvorschlag“ wird wohl kaum einen Nachlass größer 20 % ermöglichen.


    Der 404.1 mit dem 82 PS M180 macht Spaß (ich habe einen bzw. zwei).


    Der M130 aus der 280er W108 S-Klasse, welcher für den 404.0 von 140 auf 110 PS gedrosselt wurde, macht noch mehr Spaß (auch den hab ich).


    Die Verdieselungen des 404 werden gerne mit dem 3-Liter Fünfzylinder OM 617 gestaltet. Auch der macht Spaß.


    404-Verdieselungen mit dem 65 bzw. 72 PS OM 616 Vierzylinder sind völlig O.K.


    Der schmalere und kürzere U 421 (welcher die Hütte für diese „Blaue Mauritius“ beigesteuert hat), wurde als Kommunal-, Agrar- und Militär-Version mit dem OM 616 angeboten; wohl nicht ohne Grund…


    404-Verdieselungen mit einem 55 bzw. 60 PS OM 615 machen KEINEN Spaß.


    Was bringt mir also eine „Blaue Mauritius“, die völlig spaßbefreit ist ?


    Viele Grüße

    Eddi

  • Ich nochmal…

    Da eBay-Auktionen gelegentlich rückstandslos gelöscht werden, so dass man den ursprünglichen Text nicht mehr aufrufen kann, hier noch einmal der Text der Auktion :


    Unimog 421 Cabrio auf 404 Fahrgestell original MB Diesel OM 615 Oldtimer Allrad

    „Sofort-Kaufen“ 11.900,00 EUR

    oder

    „Preisvorschlag senden“


    Das Angebot endet am 22. Jan. 2019 20:11:27 MEZ


    Artikelstandort: Deidesheim / Weinstraße ( 25 km westlich von Mannheim an der A65 )



    Beschreibung


    Angeboten wird von Privat ein sehr seltenes Unimog 404.113 Diesel Cabrio mit

    Pritsche.

    Das ist ein originale MB Diesel Vorserie und Erprobungsfahrzeug für ca. 85 Militärunimogs für Angola.

    Fahrgestellnr.: 404.113-050xyz

    Der Motor, Getriebe und das Führerhaus sind vom 421.


    !!!Es ist ein sehr seltener Original MB 404.113 Diesel OM 615 und kein Umbau!!!!!

    Der 421-Motor ist im ersten Brief von 1972 schon eingetragen:

    OM: 615 Nr.: 515.914-10-0000xy

    Dieselmotor 60/4000 mit 2440 ccm


    Ein alter Fahrzeugbrief ist vorhanden und hat 2 Vorbesitzer. Als Erstzulassung ist 1972 eingetragen. Das Baujahr 1971.


    EU-Recht: Das ist ein Privatverkauf

    Wegen der EU-Gesetzgebung wird der gebrauchte Unimog 404 ausdrücklich als Teileträger oder Bastlerobjekt angeboten. Und somit ohne Garantie und ohne Rückgaberecht angeboten.

    Bekannter Mangel: Der 5. Gang springt manchmal raus!!


    Es handelt sich nach der Auskunft von MB weder um die Legenden "Portugal, Argentinien“ usw., sondern um ein Vorserienfahrzeug (Erprobungsfahrzeug) für eine Serie von ca. 85 Diesel 404-Fahrzeuge für Angola. Der Unimog ist auch vor 1972 gebaut worden und mit Werksnummer gefahren worden.


    Der Auslieferungszustand war 1972 mit einer Pritsche 500 mm Höhe.
    Erste Änderung von 1972 bis 1973 Umbau der Ladefläche von den Stadtwerken auf Werkstattwagen mit Heizung und zusätzlich 2 Sitzplätzen im Kasten mit TÜV-Eintrag im 1.Brief.


    Zweiter Umbau vom DRK auf Küchenwagen. Auch mit TÜV-Eintrag im zweiten Brief.


    Die Angola-Fahrzeuge wurden bis auf eines, alle ausgeliefert.


    Das DRK hatte den 404 mit einem Küchenaufbau betrieben. Im Brief ist eingetragen:

    „So Kfz. Küchenfz.“ Das hat den Vorteil: nur alle 2 Jahre TÜV. Den Küchenkoffer hat das DRK zurückbehalten. Ich habe eine prov. gezimmerte Ladefläche zum Traktortransport aufgebaut.


    Der 404 ist über 46 Jahre alt, hat aber eine sehr gute Basis und Originallack. Der Mog wird mit neuem TÜV und fahrtüchtig (mit dem Problem 5.Gang) übergeben.


    Bitte vorher nachschauen!!! Standort ist 25 km westlich von Mannheim an der A65.


    Bitte sehen Sie sich den Mog vor Gebotsabgabe an. Eine Besichtigung des Mogs ist erwünscht.

    Nur an Selbstabholer mit Barbezahlung. (Oder der Käufer organisiert selbst eine Spedition und überweist den Kaufpreis vorab. Bei der Verladung werde ich helfen.


    Der Mog muss nach maximal 7 Tagen abgeholt und bezahlt werden.


    Momentan kann ich keine besseren Fotos machen, da der 404 in der Traktorhalle total zugeparkt und zugestaubt ist.


    Alle sichtbaren Traktoren und Traktorteile sind natürlich nicht Bestandteil dieser Auktion.


    - Textende -


    Viele Grüße

    Eddi

  • Und nochmal ich, der Eddi...

    Dieses Filmchen möchte ich Euch nicht vorenthalten :



    Fahrzeug zur militärischen Verwendung - Unimog 421 (1t)

    Der Link zum Film :

    https://www.youtube.com/watch?v=gfSIsdDrYZA


    Am 27.03.2018 auf YouTube veröffentlicht


    Der Unimog 421 ist ein Fahrzeug der Unimog-Reihe von Mercedes-Benz.

    Kategorie Wissenschaft & Technik

    - Textende -

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    Der Unimog 404.1 und der 404.0 wurde für das Militär in der 1,5 Tonnen Klasse angeboten.


    Den Unimog 421 hat man ebenfalls dem Militär angeboten, jedoch "nur" in der 1,0 Tonnen Klasse.


    Ich finde, es ist dennoch ein sehenswertes Filmchen, zudem die Schweizer Armee ja noch lange Zeit mit dem Vorgänger des U 421, dem "Dieseli" (Unimog 401 bzw. 2010) umhergefahren ist.


    Viele Grüße

    Eddi


  • Aus dem obigen YT-Filmchen "Fahrzeug zur militärischen Verwendung - Unimog 421 (1t)" habe ich einmal einige Standbilder ausgeschnitten und hier zum direkten Vergleich eingefügt. Das Bild ohne Beschriftung zeigt ebenfalls den Unimog 421 (1t).

    Der U 421 hat die kleine "Hütte", wie auch im obigen eBay-Angebot.


    Der U 404.0 (1,5 t) und der U 416 (2,5 t) haben jeweils die große "Hütte".

    Den U 404 erkennt man ganz gut an den hervorstehenden Radnaben.


    Das obige YT-Filmchen zeigt zudem ganz zum Schluss noch den LA 911 ( 4 t / 4x4 ) und den LA 1924 ( 7 t / 4x4 ). Das würde hier aber etwas zu weit vom eigentlichen Thema abweichen...


    Beste Grüße

    Eddi

  • Eventuell könnte eine Datenkarte von Mercedes weiterhelfen ... da steht ja normalerweise drin, wie ein Fahrgestell ausgeliefert wurde?


    Hallo Mathiasg,


    bei regulären Serienfahrzeugen hast Du ganz klar recht. Da ist die Datenkarte, die in Stein gemeißelte Geburtsurkunde.


    Ich arbeite bei Europas größtem zivilen Flottenbetreiber und habe lange Zeit in der Entwicklungsabteilung gewirkt und dort auch Vorserienfahrzeuge / Erprobungsfahrzeuge ("Erlkönige") getestet, Probe gefahren und dann am Ende abgenommen bzw. freigegeben (oder eben auch nicht und dann Korrekturen veranlasst. Renault hasst mich daher regelrecht.).


    Die Vorserienfahrzeuge / Erprobungsfahrzeuge sind eigentlich immer irgendwie "von Hand gedengelt" (selbst bei Mercedes). Daher gibt es bei diesen Erstlingen gelegentlich keine Datenkarte, da die Dokumentation ja lang und breit in der Entwicklungsabteilung stattfindet.

    Ich habe diese Dokumentationen für unsere Sonderanfertigungen / Einzelanfertigungen selbst geschrieben. Ausgedruckt, füllen diese Dokumentationen pro Fahrzeug etliche dicke Leitz-Ordner.

    Gelegentlich, wenn solche Sonderfahrzeuge / Einzelstücke weiterverkauft werden, fragt der neue Besitzer bzgl. einiger Details (zur Bedienung, Ersatzteil-Beschaffung usw.) bei mir nach. Glücklicherweise spricht man inzwischen auch im Ostblock sehr gut Englisch... ;-)


    Um auf den Punkt zu kommen: Die Dokumentation zu Sonderfahrzeugen / Vorserienfahrzeugen / Erprobungsfahrzeugen wird NIE mitverkauft, da ich als Entwickler ("Bauherr") dafür verantwortlich bleibe, auch wenn z.B. der Spezial-Kranwagen weiterverkauft wird. Ich bin verpflichtet, die Dokumentation mindestens 10 Jahre zu archivieren. Gerade bzgl. der Sicherheitsfragen kann einem das den Kopf retten, wenn der Spezial-Kranwagen in dritter Hand in Polen umkippt und 3 Menschen erschlagen hat. Dann gehts vor Gericht und man sollte seine Festigkeitsgutachten parat haben.


    Du hast vollkommen Recht, aber die Vorserienfahrzeuge / Erprobungsfahrzeuge unterliegen eigenen Regeln...


    Danke für Deinen Tipp & viele Grüße

    Eddi

  • Hallo zusammen,

    diese Verkaufsanzeige hat bereits vor einem Jahr mein Interesse geweckt. Da stand er aber noch 6.000 Euro höher. Auf Grund meines Interesses an U 404 hatte ich Kontakt mit dem Verkäufer und habe mal einige über die Angola-Fahrzeuge klar gerückt. Danach wurde die Anzeige gelöscht und Wochen später zu einem reduzierten Preis (14.900 Euro) und geänderten Daten wieder eingestellt. Ein Interessent nahm Kontakt mit mir als Experte auf. Dadurch kam ich in Besitz einer Kopie des Original-Briefes. In der Anzeige ist die erste Seite vom Ersatzbrief und die weiteres aber vom Original.

    Lange Einleitung, aber mit den mir vorliegenden Produktionsunterlagen ergibt sich folgendes Bild:

    Fahrzeug wurde am 22. Mai 1968 mit dem Baumuster 404.113 unn normalem Stofffaltdach und Pritsche 404.641 und einem Benzinmotor BM 180.927 fertig gestellt. Es war als Trägerfahrzeug für den OM 615 (Portugal) vorgesehen und in der Unimogversuchswerkstatt dann auf den Dieselmotor (OM 615914-000018) umgebaut worden. Eine offizielle Zulassung erfolgte nicht. Am 4. Mai 1972 (also 4 Jahre später), wurde das Fahrzeug mit einem Kilometerstand von 25.891 an die Stadtwerke Neustadt verkauft. Erst jetzt wird der Fzg-Brief mit der Nr. 43 322 662 erstellt und auf Seite 7 wird von einem Dipl-Ing. des TÜV der Einbau des Dieselmotors dokumentiert. Angegeben sind 60 PS bei 4000 Umdrehungen.

    Von einer Änderung des Fahrerhauses ist nichts erwähnt. Die Angola-Fahrzeuge wurde ja bekanntlich mit dem U 416 Fahrerhaus mit Klappverdeck ausgeliefert.


    Und in der Tat: Das 81. Fahrzeug ist nicht nach Angola ausgeliefert worden. Es wurde in Deutschland umgebaut, befand sich jahrelang auf Afrikatour und ich habe es vor 6 Monaten in Süddeutschland entdeckt.


    Ich hoffe, ich konnte etwas erhellendes beitragen.


    Eddi: Deinen Ausführungen kann ich grundsätzlich voll und ganz folgen, war ich doch im PKW-Sektor in ähnlicher Situation.


  • Hallo Werner,


    vielen Dank für Dein hochinteressantes Recherche-Ergebnis !


    Also handelt es sich zwar um einen Versuchsträger aus dem Werk in Gaggenau, dieser wurde aber scheinbar etliche Male umgebaut.


    Wenn dieser 404 am 22.05.1968 als Baumuster 404.113 mit dem Benziner M180.927 vom Band lief, müsste er ursprünglich das „alte“ (frühe) 404.1 - Fahrerhaus mit Klappverdeck gehabt haben. Also ein „schnödes“ Standart-Fahrzeug mit Pritsche, wie es seit den 1950er Jahren zu tausenden an die Bundeswehr geliefert wurde. Man hat es möglicherweise 1968 einfach aus der laufenden Produktion entnommen und dann „veredelt“.


    Aufgrund der zugestellten Zwangslage, sind die Fotos in der eBay-Anzeige von der Perspektive her, eher ungünstig gewählt. Dennoch dürfte dort das „kleine“ Fahrerhaus des 421 zu erkennen sein (so steht es ja auch im eBay-Anzeigen-Text: „Unimog 421 Cabrio auf 404 Fahrgestell original MB Diesel OM 615 Oldtimer Allrad“)


    Der „originale Angola-404“ wurde m.E. nur mit dem „großen“ Fahrerhaus gefertigt, wie es auch auf dem 406 / 416 bzw. 403 / 413 verbaut wurde.


    Der Unimog vom Baumuster 421 wurde 1964 als Prototyp gefertigt und ging 1966 in Serie. D.h. das auf den Fotos gezeigte „kleine“ 421er Fahrerhaus gab es 1968 bereits und könnte daher durchaus irgendwann nach dem 22.05.1968 in der Unimogversuchswerkstatt auf den aktuell angebotenen 404 aufgesetzt worden sein (also ein „originaler Werksumbau“). Dieser 404 hat dann aber m.E. nichts mit den „originalen Angola-404“ zu tun. Der Preis von 11.900 EUR ist somit m.E. nicht unbedingt gerechtfertigt.



    Lieber Werner, Du hast das Rätsel um diesen aktuell bei eBay angebotenen Diesel-404 mit Deiner ausführlichen Recherche ja ausführlich gelöst.


    Ein Punkt ist für mich immer noch offen : Der verbaute Dieselmotor !


    Gemäß der Motornummer OM 615.914-000018 handelt es sich hier um einen ganz frühen OM 615.

    Angeblich hat dieser eBay- OM 615 60 PS bei 4000 U/min aus 2440 ccm Hubraum. So ist es ja auch auf den eBay-Fotos vom Brief zu lesen.


    Der Unimog 421 hatte z.B. ab 1970 einen OM 616 mit bis zu 60 PS bei 3500 U/min aus 2456 ccm Hubraum.


    Der PKW W115 („Strich-Acht“) hatte ab 12/1967 einen OM 615.912 mit 60 PS aus 2197 ccm Hubraum. Der OM 616.916 mit 65 PS aus 2404 ccm Hubraum ging im W115 erst 08/1973 in Serie, also 1 Jahr und 3 Monate, nachdem der nun angebotene Diesel-404 an die Stadtwerke Neustadt verkauft wurde…


    Sind das nun einfache Tippfehler im Fahrzeug-Brief, oder hat der OM 615 im eBay - 404 tatsächlich 60 PS aus 2440 ccm Hubraum? (die Hubraum-Angabe irritiert mich am meisten)

    Hast Du die Möglichkeit, auch das noch zu recherchieren ?


    Danke & viele Grüße ins Schwabenländle

    Eddi



  • Hi,


    Ist bei mir um die Ecke - der VK hat sonst auch noch schöne Fahrzeuge ;)



    Hallo Till,


    tatsächlich !


    Der frühe orangefarbene offene U 406 mit Kommunal-Ausstattung für 5.900 EUR ist nicht uninteressant. Aber wegen der demontierten Windschutzscheibe, der defekten Bremse und der Kupplung, ist nur ein Transport auf einem Tieflader möglich.


    Auch die 150 ccm Puch von 1952 ist irgendwie ganz nett :thumbsup:


    VG

    Eddi

  • Hallo Eddi,


    ja, dieses Fahrzeug lief mit einem "stinknormalen" Fahrerhaus vom Typ 404.1 vom Band. Der Versuchsträger diente ausschließlich zur Ermittlung von Leistungsdaten eines 60 PS Dieselmotors in einem U 404. Ich kenne die Ergebnisse nicht, dennoch bestellte Portugal für seine afrikanische Koöonie Angola 81 Fahrzeuge. Warum ausgerechnet die bereits mit einem Fahrerhaus vom U 406 und somit in Vorgriff auf den 404.0 gebaut wurden, echt keinen blassen Dunst. Der Unimogversuch hat aber ganz bestimmt nicht ein U 421 Fahrerhaus draugesetzt, warum auch? Die spätere 406 Hütte war größer, die des U 421 kleiner und etwas leichter. Das würde keinen Sinn machen. Der Umbau muss deshalb erst später gemacht worden sein. Ein Umbau auf der Pritsche ließ der erste Kunde Nutzung als Werkstattwagen vornehmen. Das wurde am 4. Mai 1973, also ein Jahr nach Zulassung vom TÜV abgenommen und eingetragen.


    Was später beim Zweitbesitzer oder aber beim jetzigen Eigentümer nochmals geändert wurde, kann ich natürlich nicht wissen.


    Der Eintrag zum Dieselmotor lautet 60 PS bei 4000 Umdrehungen und als Hubraum sind 2440 ccm angegeben. Ich bin kein Techniker, aber warum sollte der TÜV-Mann das falsch machen? Sicherlich hat er die Daten von der Unimogabteilung, aber bestimmt nicht nur auf Zuruf. Im übrigen gibt es meinem U 404 Benziner auch zwei Hubraumangaben: 2181 und 2195 ccm. Wer weiß da schon den Unterschied?


    Defacto ist es so, daß das angebotene Fahrzeug ein normaler 404 mit einem 60 PS Dieselmotor und einem Fahrerhaus vom U 421 ist. Daraus eine Geschichte zu den wenigen Angolafahrzeugen zu machen ist Sache des Verkäufers, so will er meines Erachtens einfach einen höheren Preis erzielen. Ob die Fahrleistungen annehmbar sind, wage ich zu bezweifeln. Insofern ist der VK weit überhöht, außer man steht auf eine lahme Krücke mit einem kleinen Fahrerhaus.


  • Hallo Werner,


    das hast Du schön zusammengefasst.


    Ich finde die Geschichte solcher "Ringeltauben" immer hoch interessant. Somit freue ich mich, dass Du das so schön aufklären konntest.


    Natürlich ist jeder einzelne Unimog auf seine Art erhaltenswert. Dieser aktuell bei eBay angebotene Diesel-404 ist aber nichts Besonderes. Er wurde m.E. durch die Umbauten eher "verschlimmbessert". Natürlich hat auch er seine Daseinsberechtigung und verdient es, "gerettet zu werde", aber das verschollene "Bernsteinzimmer" ist es ganz bestimmt nicht.

    Ich denke nicht, dass irgendjemand diese "Bastelbude" zum Preis von 11.900 EUR kaufen wird. Ich bin es ganz bestimmt nicht. ;-)


    Dieser eBay Diesel-404 soll ja mit "frischem TÜV" und fahrtüchtig übergeben werden. Wenn ich mir die bedauernswerte Behelfspritsche anschaue, ist das wohl ein anspruchsvolles Ziel, aber eher das Problem des Verkäufers...


    Ich freue mich, dass es Menschen wie Dich gibt, die auch solche Rätsel auflösen können.


    Herzlichen Dank & beste Grüße aus dem eher flachen Münsterland

    Eddi

  • Moin,


    Ich meine der hat auch noch welche die er nicht verkauft und die sind schöner. Die in eBay vom VK angebotenen Fahrzeuge sind die Resterampe...



    Hallo Till,


    dann trägt der Knabe den Pelz wohl gerne nach innen, oder wie ?;-)


    Sind das dann alles U 406 oder sind auch U 404 dabei ?


    VG

    Eddi