BG11-738 meldet sich zurück...

  • ... 26 Jahre nach Außerdienststellung.


    I ch freue mich, hier mitteilen zu können, dass das Krad nach gut einem Jahr und akribischer Teilesuche – und pünktlich zur Schlechtwetterzeit – die TÜV - Hürden mängelfrei überwunden hat und von nun an Bestandteil meines Fuhrparks ist.


    Zur Vorgeschichte: nach einer schweren Erkrankung im letzten Jahr hatte ich mir überlegt, ein Krad für die Pendelei zur Arbeit zu kaufen – meinem alten Mädchen, einer BW125 V1, wollte ich das nicht mehr zumuten. Bei einem Oldtimer-Händler in HH bin ich schließlich fündig geworden, der eine BMW R45 des Bundesgrenzschutzes angeboten hat. Das Krad wurde 1993 Außerdienst gestellt und landete mit anderen Behörden-Krädern in einer Garage, ohne jemals wieder zugelassen zu werden. Aufgrund der vielen Fehlteile (Spiegel, Seitenteile, komplette Funkausstattung,…) erschien mir der ausgerufene Einstandspreis von 3.500,- jedoch erheblich zu hoch.


    Eine Anfrage bei unserem „Navigator“ Til ergab, dass seinerzeit weniger als dreißig Maschinen an den BGS gegangen sind. Mit dieser sind noch vier bekannt, eine davon steht im Museum der Bundespolizei in Lübeck. Die anderen drei sind jedoch ohne Funkausstattung, als Zweisitzer mit langer Sitzbank und ohne Verkleidung zum Einsatz gekommen und wurden vornehmlich für Fahrschulzwecke eingesetzt. Ein Fahrlehrer des BGS aus der Zeit bestätigte mir, dass es seines Wissens keine R45 als FuKrad gegeben hätte und mutmaßte, dass es sich dabei um einen "Versuch" gehandelt haben könnte.


    Wie dem auch sei, als der Händler mit dem Preis auf ein erträgliches Maß heruntergegangen ist, habe ich das Krad umgehend besichtigt und erworben.


    Die erste Bestandsaufnahme ergab:

    - Tank mehrfach durchgerostet

    - Auspuffanlage kurz vor dem Totalausfall

    - Funkanlage nebst Anbauteilen nicht da

    - Seitenteile fehlten

    - Bereifung zwar optisch intakt, aber laut DOT Bj. 1990, insofern nicht mehr nutzbar

    - Leder-Packtaschen und Halter fehlen

    - ….


    Den Tank habe ich zwar wieder dichtlöten können, jedoch habe ich die Rückstände aus 25 Jahren verdunstetem verbleiten Benzin, einer Art Asphalt im Tank, nicht herausbekommen. Ersatztanks in „durchwachsenem“ Zustand und teilweise mit Durchrostungen sind mir für 200,- bis 250,- Euro angeboten worden, so dass ich mich entschieden habe, eine andere Maschine in der Nachbarschaft zu kaufen und auszuschlachten. Das Ziel war, einigermaßen kostenneutral meine Teile zu bekommen, wenn ich alles andere über Kleinanzeigen verkaufe.


    Resultat: ich habe einen neuwertigen Tank, neuwertige Auspufftöpfe und einiges andere von der Maschine übernommen und noch Gewinn gemacht, da ja momentan alles auf der sogenannten „Cafe-Racer-Welle“ schwimmt…


    Bei der authentischen Rekonstruktion der Funk-Geschichte hat mir der BOS-Analogfunk-Spezialist Klaus Paffenholz sehr weitergeholfen („beim FuG 7b muss der Strahlen der Antenne auf 92cm eingekürzt werden, da das Gerät keine Abstimm-Funktion hat. Vorne gehört eine Sechser-Brechkupplung von Breidenbach rein,…“). Wer sich für Behörden-Funk interessiert: www.klaus-paffenholz.de.


    Der Lack (in zeitlosem RAL 6012) kam – natürlich und in gewohnt guter Qualität – vom JayDee. Klasse zu verarbeiten und im Preis-Leistungsverhältnis schwer zu toppen. Weiter so!


    Danke an dieser Stelle noch einmal an Til für die Informationen und die Fotos. Die Packtaschen habe ich von Andreas hier aus dem Forum erwerben können (danke Dir auch noch einmal dafür), da die für dieses Krad nicht mehr neu zu bekommen sind; die Halter dazu gab es aber noch neu von BMW-Classics. Das Funkgerät stammt von Olaf, ebenfalls hier aus dem MMF. Kleineres Behördenfunk-Zubehör konnte ich zu einem fairen Preis bei den Neumann-Werken in HH kaufen.


    Der Funklautsprecher am Lenker ist mir zufällig auf Kleinanzeigen begegnet, dazu noch als brandneue Depotware. Die originale Lederkombi von HARRO habe ich aus Bayern bekommen. Der FuG-Koffer war der größte Brocken, der zu bewältigen war; nach monatelangem Hin- und Her konnte ich den von einem älteren Herrn aus dem Saarland erwerben – überteuert zwar, aber ein Original.


    Zum damaligen Einsatz konnte mir sie Zulassungsstelle des Bundesministeriums des Innern bestätigen, dass BG11-738 seinerzeit dem Grenzschutzkommando Nord zugeordnet wurde, was also auch perfekt in meine Gegend am Niederrhein passt.


    Derzeit stehen noch Restarbeiten an, so sind u.a. die taktischen Zeichen noch im Druck. Generell bin ich aber schon einmal ganz zufrieden mit dem Ergebnis.


    Weitere (und bessere) Bilder folgen…


    Ein schönes Wochenende wünsche ich allen Forumskameraden – Grüße vom Niederrhein,

    Rainer