Erläuterung zu den TDV-Bezeichnungen

  • Hallo,


    ausgelöst durch folgende Frage :?: Typenbezeichnung Vergaser von SEA 0,5/12,2kW Briggs & Stratton Motor - suche Vergaser Dichtsatz möchte ich mal einige Erläuterungen insbesondere zur Bezeichnung von TDven geben.

    Ich werde daher auf dieses Beispiel noch zurückkommen.


    Eine TDv hat zur Identifizierung eine Nummer, die in diesem Fall 6115/043 heißt. Der vordere Teil (hier: 6115) ist die Materialgruppe/-klasse und in der Regel identisch mit den ersten vier Stellen der Vers.-Nr. des beschriebenen Artikels. Die 043 ist mehr oder weniger eine Zählnummer.

    Eine TDV besteht grundsätzlich aus fünf Teilen und ist auch immer gleich aufgebaut:


    Teil 1: Gerätebeschreibung

    Teil 2: Bedienung und Pflege

    Teil 3: Truppeninstandsetzung (z.B. durch den Gerätenutzer wie etwa Wechsel von Rücklichtbirnen oder ähnliche Sachen)

    Teil 4: Feld- bzw. Depotinstandsetzung (durch übergeordnete Instandsetzungseinrichtung)

    Teil 5: Ersatzteilkatalog


    Dabei ist folgendes wichtig zu wissen:

    1. Es müssen nicht alle Teile existieren

    Insbesondere bei entweder geringwertigem (ggf. auch nicht instandsetzbarem) handelsüblichen Gerät oder bei ausschließlich vorgesehener Industrieinstandsetzung gibt es oft keinen Teil 4 (und evtl. auch keinen Teil 5). Ob dieser Teil überhaupt erstellt wird, wird in der Regel im Beschaffungsvertrag des Gerätes auf Grundlage des vorgesehenen Instandsetzungskonzepts festgelegt.

    2. Es können einzelne Teile in ein Werk zusammengefasst werden.

    Insbesondere bei gerätebegleitenden TDVen werden gern Teil 1-3 zusammengefasst, weil nur diese Informationen ausschließlich für den Nutzer beinhalten.
    Welchen Teil einer TDV man hat, wird durch eine nachgestellte Nummer gekennzeichnet. Im vorliegenden Fall wäre das die -13. Bei solchen einfachen und weit verbreiteten Geräten wie dem allseits bekannten Funklautsprecher LS-166/* sind z.b. alle fünf Teile in der TDV 5965/014-15 zusammengefasst (obwohl es von dem Lautsprecher sechs verschiedene Versionen gibt).


    Wenn Matthias nun schreibt

    Die TDv schweigt sich dazu ebenfalls aus.

    so ist das in dem Fall völlig korrekt, denn diese Informationen sind ja nicht für den Nutzer, sondern für den Instandsetzer gedacht und demzufolge in Teil 4 bzw. 5 zu finden. Er sucht also die TDv 6115/043-40 und 6115/043-50.


    Ich habe oben geschrieben: "Eine TDV besteht grundsätzlich aus fünf Teilen". Mein Verwaltungsrechtslehrer hat immer gesagt "grundsätzlich heißt, es gibt Abweichungen". Dem ist auch so, denn es gibt auch weitere Teile:

    Von der TDv 5820/108 (das ist der Funkeinbausatz für den Kübel) gibt es nämlich nicht nur einen Teil 13, sondern auch einen Teil 21! Das ist in diesem Fall die Einbauanleitung. Dafür gibt es aus naheliegenden Gründen dafür weder Teil 4 noch 5, denn diese Sachen werden in den Einzel-TDven der verschiedenen Geräte behandelt.

    Weiterhin gibt es z.B. beim Wolf die TDv 2320/085-22, hier sogar noch aufgeteilt in -22/1 und -22/2 für Band 1 (Wartungsheft) und Band 2 (Wartungshandbuch).

    Auch gibt es z.B. einen Teil 8 (Prüfanweisung), z.B. bei Fahrzeugen.


    In der Hoffnung, etwas Licht :idee: ins Dunkle gebracht zu haben, schlage ich vor, diesen Thread anzupinnen.


    VG

    Andreas

  • Gefällt mir gut, Andreas,


    was Du da schreibst. Auf den Teil 80 "Prüfanweisung" bist Du zum Schluss ja noch selbst gekommen.


    Ich möchte daher ergänzen, dass die laufende Nummer 6 oder 7 nicht belegt ist, soweit ich weiß, aber eine der beiden, also Teil 60 oder 70 betrifft die "Unbrauchbarmachung", wie wir sie zum Beispiel seit je her bei Waffensystemen finden.


    Gruß, Wolf

  • Sehr gut erklärt. :daumenhoch:

    Das könnte dem Einen oder Anderen sicher helfen, die Vorschriftenlage zu verstehen.

    Habe es eben angepinnt.

    Grüße von der Küste! Til 68999-kradmelder-gif


    Suche ständig Daten über BGS-Fahrzeuge für die Bestandslisten.
    Besonders Hercules K125 und BMW-Boxer!

    :BGS-F:

  • Hallo,


    ausgelöst durch diesen Thread Manuals in Papierform hier noch eine Ergänzung zu den amerikanischen Vorschriften.

    Grundsätzlich sind die Bezeichnungen ähnlich aufgebaut.

    An diesem Beispiel https://www.liberatedmanuals.com/TM-55-2320-209-15-1.pdf kann man das gut erkennen. TM heißt Technical Manual, also soviel wie TDv. Wofür die 55 steht, kann ich noch nicht erklären, die 2320 ist die Materialgruppe/-Klasse und natoweit einheitlich (sollte zumindest...) und die 209 ist die eigentliche Nummer, genau wie bei uns auch. Die 15 wäre auch hier Teil 1 - 5, die nachgestellte 1 wäre dann bei einem mehrbändigen Werk der Band 1. Nach meiner Sichtweise könnte dieser Band alleine auch als Teil 1-2 angesehen werden. Ich hab aber die übrigen Teile nicht überprüft, was da konkret drinsteht und ob ggf. keine so strikte Abgrenzung gemacht werden kann.

  • Sehr gut erklärt. Ergänzend möchte ich bemerken, dass bei Großgerät (z.B. SPz Marder) es mehrere TDven gab (z.B.Turm, Fahrgestell, BMK) und diese aufgrund der Komplexibilität als gerätebegleitende TDv nur die Teile 1 und 2 (-12) enthielten. Da liegt eine TDv Panzerturm SPz Marder bei mir auf dem Schreibtisch an der Panzertruppenschule C IX (Schießinspektion). Sie war Grundlage der Ausbildung im Turmtrainerraum.

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